Arzt schickt krankes Kind unbehandelt nach Hause

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An der Ziegenhainer Krankenhausstraße weist ein Schild den Weg zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Asklepios Klinikum.

Am Wochenende sucht Tobias Kreuter aus Treysa den Ärztlichen Bereitschaftsdienst auf. Seine Tochter hat eine Bindehautentzündung. Es müssen Augentropfen verschrieben werden. Der diensthabende Arzt aber fühlt sich nicht zuständig.

Es ist Sonntagabend, als Tobias Kreuter aus Treysa das rote, tränende Auge seiner Tochter bemerkt. Seine Vermutung: Bindehaut-entzündung. Von den Mitarbeitern der Hirsch Apotheke in der Schwalm-Galerie erfährt er, dass die benötigten Augentropfen, die die Entzündung lindern sollen, verschreibungspflichtig sind. Der zweifache Vater fährt mit seiner Tochter ins Asklepios Klinikum Ziegenhain.

Hier sucht er den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) auf. „Der diensthabende Arzt hat mir klar gesagt, dass er neuerdings nicht mehr zuständig sei. Ich sollte das Auge mit Kochsalz ausspühlen und am Montag zum Kinderarzt gehen“, erinnert sich Kreuter im Gespräch mit lokalo24.de. Als der Diplom-Betriebswirt im sozialen Netzwerk Facebook die Frage aufwirft, wer nun für seine Tochter zuständig ist, entwickelt sich eine lebhafte Diskussion. „Mir ist jedenfalls nicht klar, wann ich wo hinfahren muss, wenn die Arztpraxen geschlossen haben“, bringt es Kreuter auf den Punkt.

Tobias Kreuter.Asklepios: „Wir stellen nur die Räume zur Verfügung“

Tobias Kreuter.

Uli Klein, Pressprecher der Asklepios Kliniken im Schwalm-Eder-Kreis, stellte auf unsere Nachfrage klar, dass Asklepios dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst lediglich die Räume zur Verfügung stelle. „Der ÄBD organisiere sich autark“, so Klein. Obmann sei Dr. Karl-Eckhardt Henkel aus Frielendorf. Wir hakten auch in dessen Praxis nach.

Praxis Dr. Henkel: „Keine Änderungen bekannt“

Via Telefon erklärte Arzthelferin Christa Bott, dass ihr keine Änderungen am System bekannt seien. Um endgültig Aufschluss über die Zuständigkeiten des ÄBD zu bekommen, riefen wir direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Frankfurt (Main) an. Was uns dort zunächst zu Ohren kam, war überraschend: „Der Mediziner entscheidet allein. Er hat keine Vorschriften“, will uns Frau Aey (ihren Vornamen möchte sie unserer Zeitung nicht verraten) weismachen. Als wir die unmotivierte KV-Mitarbeiterin zum hippokratischen Eid befragten und einen geeigneten Pressesprecher verlangten, landen wir zum vierten Mal in einer lang andauernden Warteschleife.

Langes Warten auf schriftliche Antwort

Schließlich teilte uns Frau Aey mit, dass wir unsere Anfrage schriftlich stellen müssten. Gesagt, getan. lokalo24.de schickte seine Anfrage per E-Mail und erhielt prompt ein maschinell erstelltes Antwortschreiben. In der freundlichen Mail heißt es: „Wir werden Ihr Anliegen schnellstmöglich bearbeiten“. Dann vergingen ganze drei Wochen, bis die ersehnte Antwort in unserem Postfach landete: Karl Roth, Leiter der Abteilung Kommunikation, lässt unsere Redaktion wissen, dass die KV Hessen im März 2015 hessenweit ÄBD-Bezirke und -Zentralen eingerichtet habe. Im vergangenen Jahr habe sie dann auch den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst hessenweit geregelt.

Für eine lebhafte Diskussion im sozialen Netzwerk Facebook hatte Tobias Kreuters Erfahrung mit dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst in Ziegenhain gesorgt.Kind hätte behandelt werden müssen

Für eine lebhafte Diskussion im sozialen Netzwerk Facebook hatte Tobias Kreuters Erfahrung mit dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst in Ziegenhain gesorgt.

Roth verweist auf die Internetseite www.bereitschaftsdienst-hessen.de. Dort gebe es eine Umkreissuche, mit deren Hilfe Patienten ihre nächstgelegene ÄBD-Zentrale und deren Öffnungszeiten finden können. „Generell gilt aber natürlich die freie Arztwahl. Jeder Patient kann die Zentrale anfahren, die er möchte“, erklärt Roth. Zum konkreten Fall der Familie Kreuter in Treysa lässt Roth wissen: „Kein Patient darf ohne Ansehen einfach abgewiesen werden. Das Kind [...] hätte in der ÄBD-Zentrale behandelt werden müssen. Wir werden dies zum Anlass nehmen, unsere Obleute und Mitarbeiter vor Ort nochmals darauf hinzuweisen.“

So informiert die Kassenäztliche Vereinigung Hessen auf ihrer Internetseite:

Überall in Hessen stehen Bereitschaftsdienstzentralen zur Verfügung, oft in oder an einem Krankenhaus angesiedelt. In einigen Regionen findet der Bereitschaftsdienst in der Praxis des jeweils diensthabenden Arztes statt. Erreichbar ist der ÄBD wie folgt über die zentrale Rufnummer 116117:

Montag von 19 bis 7 Uhr, Dienstag von 19 bis 7 Uhr, Mittwoch von 14 bis 7 Uhr, Donnerstag von 19 bis 7 Uhr und Freitag von 14 bis Montag, 7 Uhr.

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