Alle sind im Sammelfieber: Schwälmer Steine erobern Nordhessen

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Bemalen fleißig „Schwälmer Steine“: (v. li.) Janina Riebeling mit ihren Söhnen Malte und Matheo sowie dessen Freundin Clara Schütz.Fotos: Landzettel

Janina Riebeling aus Niedergrenzebach ist die Initiatorin der Aktion und freut sich über die positive Resonanz.

Schwalmstadt. Pokémon Go war gestern, heute jagen alle bunt bemalte „Schwälmer Steine“. Initiatorin Janina Riebeling aus Niedergrenzebach hat die Idee von der Nordsee in die Schwalm geholt. „Als wir im Mai im Urlaub waren, habe ich von den ‚Küstensteinen‘ erfahren. Die bunt bemalten Steine liegen an öffentlichen Orten und sollen dem Finder Freude und ein Lächeln bereiten“, erklärt Riebeling. Begeistert von dieser einfachen wie schönen Idee, wollte sie die Aktion auch in die Schwalm bringen.

Nach einigen Wochen Vorbereitung gründete sie am 30. Juni die Facebookgruppe „Schwälmer Steine“ und verteilte die ersten 20 bemalten kleinen Kunstwerke. Die hatte sie gemeinsam mit ihren beiden Söhnen Matheo und Malte unter anderem mit Mädchen und Jungs in Schwälmer Tracht verziert. „Ich hatte gehofft, dass sich vielleicht 20 oder 30 Leute finden, die mitmachen. Dass die Resonanz so groß ist, hatte ich nicht erwartet“, sagt die 38-Jährige.

Kleine Kunstwerke: Dieses Exemplar wurde von Kathrin Hooß aus Ziegenhain angefertigt.

Mittlerweile zählt die Gruppe rund 4.000 Mitglieder. 103.000 Beiträge, Kommentare und Reaktionen gab es. „Die Gruppe zu verwalten ist mittlerweile ein Vollzeitjob. Deshalb unterstützen mich fünf Damen, die beispielsweise Beiträge kommentieren. Neben meinem Beruf, der Familie und dem Haushalt kann ich das einfach nicht mehr alleine stemmen“, erklärt sie. Für den Erfolg hat die Niedergrenzebächerin eine einfache Erklärung: „Die Schwälmer Motive erwecken Heimatgefühle.“

Augen auf: Dieser Stein ist ab sofort auch im Umlauf.

Trotzdem sei es kein Muss, Schwalm bezogene Themen zu wählen. „Es wäre natürlich schön, wenn es etwas mit unserer Region zu tun hat. Aber da auch Kinder mitmalen, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.“ Auch Sprüche oder einzelne Wörter auf Schwälmer Platt seien im Umlauf. „Mittlerweile sprechen nur noch wenige Menschen Platt und der Dialekt stirbt langsam aus. Um dem entgegenzuwirken, steht auf manchen Steinen auch mal ein Spruch oder ein Wort auf Platt. So haben auch meine Kinder etwas dazugelernt“, sagt Riebeling.

Viele der Steine haben schon längst die Grenzen der Schwalm überschritten. Sie wurden unter anderem in Fritzlar, Melsungen und Kassel gesichtet. Aber sie reisen sogar noch weiter: Aus Prag und von den Malediven wurden Beweisfotos in der Facebookgruppe gepostet. „Eigentlich sollten sie zufällig gefunden werden. Mittlerweile gehen aber viele gezielt los, um sie zu sammeln. Ein netter Nebeneffekt ist, dass so auch Kinder wieder gerne vor die Tür gehen – besser kann es gar nicht sein“, freut sich Riebeling.

Inzwischen haben unzählige Menschen ihre bemalten Steine in der Region versteckt und warten sehnsüchtig auf die ersten Fundfotos. „Viele Künstler sind traurig, wenn ihre Steine nicht gepostet werden und haben Angst, dass sie verschollen sind. Ich weiß aber, dass manche auch einfach kein Facebook haben, sich aber auch so über den Stein freuen“, erklärt Riebeling. Intention sollte ihrer Meinung nach nicht sein, seinen eigenen Stein möglichst oft in Posts zu finden, sondern die Gewissheit zu haben, mindestens einem Menschen eine Freude bereitet zu haben.

Finden Sie unsere „Schwälmer Steine“

Unsere Zeitung ist von der Aktion begeistert und ebenfalls im „Steinefieber“. Wir haben selbst zwei Steine bemalt und sie in der Schwalm ausgesetzt. Wir hoffen, möglichst vielen eine Freude zu bereiten und freuen uns darüber hinaus über Beweisfotos – auf der Facebookseite und an aylin.landzettel@ks.extratip.de.

+++ Extra Info +++

Mitmachen

Auch dieser Schwälmer Stein ist mittlerweile irgendwo ausgesetzt worden.

Wer einen bemalten Stein findet, macht ein Foto und lädt es unter Angabe des Fundorts in der Facebookgruppe hoch. Danach legt der Finder den Stein wieder an anderer Stelle aus. Wer selbst Steine bemalen möchte, sollte auf der Rückseite das Schlagwort „Schwälmer Steine“ schreiben. Damit sie möglichst vielen Menschen Freude bereiten, sollte außerdem beschrieben sein, wie die Finder weiterverfahren dürfen: freuen, posten, neu auslegen. Weitere Infos gibt es unter www.facebook.com/groups/731831693896558/

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