Allendorf: Elf syrische Flüchtlinge lernen Deutsch

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Der Sprachkurs wird von der Volkshochschule organisiert. Mittlerweile können sie sich gut verständigen und freuen sich über den Kontakt zu Deutschen.

Allendorf. Konzentriert schaut Osama auf das Deutschbuch vor ihm. Seine Finger fahren über den Text während er laut vorliest. Seine Aussprache ist deutlich, trotz Akzent. Seit drei Monaten lernt der 29-Jährige mit zehn weiteren Syrern zwischen 20 und 45 Jahren in Allendorf Deutsch. Fünfmal die Woche pauken sie hier jeweils vier Stunden.

"Der Kurs nennt sich ‘Einstiegskurs für Asylbewerber mit Bleiberecht’ und wird von der Volkshochschule organisiert", erklärt Lehrerin Dietlind Henss. Zweimal pro Woche unterrichtet sie die Flüchtlinge, die anderen drei Tage übernimmt Kollegin Christin Ziegler.

"Nach fast drei Monaten Sprachkurs verstehen sie viel und können sich besser ausdrücken", sagt Henss. Das beweisen sie bei einem Reporterspiel, bei dem sie sich gegenseitig Fragen über ihre Herkunft, Hobbys und Familienverhältnisse stellen. Während Osama durch den Raum geht und seine Fragen formuliert, schaut er immer wieder zu Henss. Sie nickt entweder bestärkend oder berichtigt ihn. Auch untereinander machen sich die Flüchtlinge auf Fehler aufmerksam. Manchmal wechseln sie kurz ins Arabische, wenn sie sich anders nicht helfen können.

"Deutsch ist eine schwere Sprache", sagt Osama, der in Syrien als Tierarzt gearbeitet hat. Deshalb üben sie auch auch nach der Sprachschule und integrieren deutsche Wörter in ihren Alltag. Es kleben Zettel mit Vokabeln in der gesamten Wohnung. Abends läuft die Tagesschau.

Wenig Kontakt zu Deutschen

Obwohl die Sprachkenntnisse der Schüler für ein Gespräch ausreichen, kommen sie selten in Kontakt mit Deutschen. "Viele haben Angst vor uns. Aber wir sind kultiviert und sehr nett", sagt Osama und blickt zu Henss, um sicherzugehen, dass er keine Fehler gemacht hat. Die 76-Jährige hört zu, auch dann, wenn es persönlich wird. "Sie erzählen von ihren schlimmen Erlebnissen und sind froh, dass jemand ein offenes Ohr hat", erklärt Henss. Die Geschichten lassen sie nach dem Unterricht nicht los. "Manchmal kann ich nachts nicht schlafen, weil mich die persönlichen Schicksale betroffen machen."

Die Syrer haben Familienmitglieder und ihre Heimat verloren. Obwohl sie ständig an ihren Verlust denken, haben sie laut Henss ihr Lächeln und ihren Humor behalten. "An Deutschland mag ich besonders die Demokratie", sagt Osama. Als er lachen muss steckt er auch die anderen an. Trotzdem wollen er und der Großteil der anderen Schüler irgendwann wieder zurück – zu groß ist das Heimweh. "Ich vermisse meinen Heimatort Damaskus", sagt Mohammed. Doch bis sie wieder zurück können, wollen sie in Deutschland ein glückliches Leben führen. "Wir sind hier in Sicherheit und alle sind sehr nett. Das ist gut", sagt er.  "Wir möchten aber noch mehr Deutsch lernen und sprechen." Damit ihnen das gelingt, greifen die Schüler erneut nach ihren Büchern. Der 20-jährige Naeem beginnt laut vorzulesen.

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