Ausstellung zeigt 400 Millionen Jahre alte Fossilien aus Schönau

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Wollen ihre Begeisterung auf die Kunden der Stadtsparkasse und Besucher der Ausstellung übertragen (v.l.): Reinhard Hooß, Willi Schütz und dessen Ehefrau Therese sowie Wilhelm Bechtel. Fotos: Seeger

Die Ausstellung von Willi Schütz in der Stadtsparkasse Treysa zeigt Fossilien, Fotografien und Schautafeln, die sich auf Schönau beziehen.

Treysa. Schönau liegt auf afrikanischem Boden. Wer das nicht glaubt, der kann sich in der Stadtsparkasse Treysa, Bahnhofstraße 16, davon überzeugen. Hier stellt Willi Schütz aus Lischeid seit Montag vergangener Woche Fossilien, Fotografien und Schautafeln aus. Seine Ausstellung "Geologie – Fauna – Flora der Steinhorndecke im südlichen Kellerwald" zeigt, wie einige Exponate den langen Weg von Afrika bis in den südlichen Kellerwald hinter sich ließen. Die aufwendig erstellten Schautafeln rekonstruieren die Verschiebung einzelner Kontinente im Laufe von hunderten Millionen Jahren.

Eine große Vitrine beinhaltet Fossilien, die teilweise mehr als 400 Millionen Jahre alt sind und ursprünglich aus dem afrikanischen Raum – vom einstigen Mikrokontinent Armorika  – stammen. Aber woher rührt eigentlich Schütz’ Begeisterung für die Geologie? "In den 1960er Jahren begann ich, mit Jugendgruppen zu wandern. Das hatte noch einen reinen ornitologischen (gemeint ist der Vogelschutz, Anm. d. Red.) Ansatz", erinnert sich der 70-Jährige im Gespräch mit dem SCHWÄLMER BOTE.

Dabei hatten ihn die Exkursionsteilnehmer auch zu einigen Pflanzen befragt. "Da wusste ich oft keine Antwort drauf", gibt der gelernte Landmaschinenmechaniker zu. Also habe er sich kurzerhand intensiv mit der heimischen Flora, Fauna und Bodenkunde beschäftigt. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte: Aus dem Hobby wird eine nunmehr rund 55 Jahre andauernde Faszination. "Es macht mir einfach Spaß. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr möchte ich wissen und erfahren", bringt es der Autodidakt auf den Punkt.

Zusammen mit hochrangigen Professoren aus Marburg und Göttingen hat Schütz inzwischen Antworten auf viele seiner Fragen gefunden – beispielsweise darauf, welche versteinerten Lebewesen er gefunden hat und wie die überhaupt in den Kellerwald gekommen waren. Oder aber warum eine bestimmmte Orchidee nur an einer Stelle des Kellerwaldes wächst.

Auf Streifzug durch das Erbloch

Wann immer der 70-Jährige kann, geht er auf Wanderschaft und hält Ausschau nach Fossilien, alten Gesteinen und winzigen Zeugen der Vergangenheit. Seine beliebtesten Anlaufstellen: Die Steinhorndecke im südlichen Kellerwald und das Erbsloch bei Schönau. Übrigens: Für das Sammeln liegt dem Lischeider eine offizielle Genehmigung vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie vor. Das wartet jährlich gespannt auf Schütz’ Bericht, in dem er seine Funde dokumentiert.

Eine Ausstellung im Privathaus des zweifachen Vaters zeigt dauerhaft viele seiner beeindruckenden Exponate. Schütz’ Ziel: "Junge Menschen für unsere Flora, Fauna und für die Bodenbeschaffenheit begeistern." Angetan von seiner aktuellen Ausstellung in der Stadtsparkasse ist auch deren Vorstand. Reinhard Hooß schwärmt noch einige Tage nach der Vernissage vom Besucherandrang. Und Wilhelm Bechtel staunt über Schützes detailreiche Kenntnisse. "Er ist Autodidakt", merkt Bechtel bewundernd an.

+++ Extra Info +++

Zur Person:

Willi Schütz wurde 1945 in Marburg geboren. Aufgewachsen ist er in Lischeid. Seit 1963 widmet Schütz seine Freizeit dem ehrenamtlichen Naturschutz. Als Autodidakt hat er sich überwiegend der Geologie und der Botanik verschrieben. Hier ist für ihn der Schutz des Lebensraumes als Ganzes unabdingbar. So hat er wesentlich dazu beigetragen, dass bedeutende Landschaftsteile im Gilserberger Hochland unter Schutz gestellt wurden.

Von 1985 bis 1989 war Schütz ordentliches Mitglied im Naturschutzbeirat des Schwalm-Eder-Kreises. Im April 1989 wurde er vom Regierungspräsidenten in den Naturschutzbeirat berufen. Der Lischeider ist Gründungsmitglied der Botanischen Vereinigung für Naturschutz in Hessen. Für seinen unermüdlichen Einsatz "pro Natur" erhielt Schütz 1990 den Ehrenbrief des Landes Hessen und den Preis der Paul-Dierichs-Stiftung. 2009 nahm er den Ehrenpreis für beispielhaftes Bürgerengagement durch den damaligen Schwalm-Eder-Landrat entgegen. Seit 2015 ist Schütz zudem Besitzer der Ehrenplakette seiner Heimatgemeinde Gilserberg.

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