11 Bürgermeister und Landrat Becker fordern barrierefreien Umbau des Bahnhofs in Treysa

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Fordern den barrierefreien Umbau des Treysaer Bahnhofs (v.l.): Thorsten Vaupel (Frielendorf), Andreas Schultheis (Schrecksbach), Heinrich Vesper (Willingshausen), Stefan Pinhard (Schwalmstadt), Klaus Wagner (Oberaula), Norbert Miltz (Ottrau), Landrat Winfried Becker, Rainer Barth (Gilserberg), Klemens Olbrich (Neukirchen) und Jürgen Liebermann (Schwarzenborn). Auf dem Foto fehlen Heiko Manz (Jesberg) und Kai Knöpper (ehemaliger Bürgermeister Neuentals). Beide haben das Schreiben an den Bahn-Vorstand ebenfalls unterschrieben. 

Der barrierefreie Umbau des Bahnhofs in Treysa ist noch immer nicht in Sicht. Und das, obwohl seit Juli 2014 das Baurecht besteht. Die Deutsche Bahn AG verzögert das Projekt weiterhin - zum Ärger von elf Bürgermeistern und Landrat Winfried Becker.

Erinnern Sie sich noch an Johann Heinrich Putz? lokalo24.de berichtete ausführlich über den in Treysa lebenden Rollstuhlfahrer, der sich nichts sehnlicher wünschte, als seine Verlobte wiederzusehen. Die lag in einem Kasseler Krankenhaus und wurde an der Hüfte operiert. Um nach Kassel zu fahren, musste Putz ab Gleis 1 in Treysa den Umweg über den barrierefreien Bahnhof in Stadtallendorf nehmen. Um nach Norden reisen zu können, musste er also zunächst 20 Kilometer nach Süden fahren (hier geht's zum Bericht).

Das ist inzwischen wieder zwei Jahre her. Am Zustand des längst nicht mehr zeitgemäßen Bahnhofs hat sich seither nichts geändert. Und der barrierefreie Umbau ist auch weiterhin nicht in Sicht. Denn aktuell sorgt die Deutsche Bahn AG mit ihrem neuen Bahnsteighöhen-Konzept für reichlich Frust bei all jenen, die inständig auf den barrierefreien Umbau des Bahnhofs hoffen.

Auch die elf Bürgermeister des Altkreises Ziegenhain und Landrat Winfried Becker haben das Konzept mit Erschrecken und Sorge zur Kenntnis genommen. „Die Tatsache, dass die Bahn entgegen ihrem eigenen Bahnsteighöhen-Konzept aus dem Jahr 2011 nun alle Bahnsteige, egal ob Regional- oder Fernverkehr, mit einer Höhe von nun 76 Zentimetern (anstatt wie bisher mit 55 Zentimetern) über Schienenoberkannte ausstatten will, ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar und vollkommen inakzeptabel“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Schwalmstadts Bürgermeister Stefan Pinhard bringt es auf den Punkt: „Die Auswirkungen für den Treysaer Bahnhof möchten wir uns gar nicht ausmalen. Obwohl seit 2014 nach jahrelangen Verhandlungen mit der Bahn und nicht unerheblicher finanzieller Vorbeteiligung der Stadt an den Planungskosten endlich Planungsrecht für den barrierefreien Umbau des Bahnhofs besteht, hat sich bisher nichts getan.“ Mit Schwalmstadt wartet die gesamte Region inzwischen seit vier Jahren vergeblich auf barrierefreie Bahnzugänge.

Bürgermeister und Landrat schickten Brief an Deutsche Bahn AG 

Da der zeitnahe Umbau des Treysaer Bahnhofs für die Bürgermeister und den Landrat nicht verhandelbar ist, haben sie sich in einem gemeinsamen Brief direkt an Dr. Richard Lutz, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, gewandt.

Das unserer Redaktion vorliegende Schreiben haben auch die Landtagsabgeordneten Regine Müller und Wiebke Knell, der Bundestagsabgeordnete Dr. Edgar Franke, das Deutsche Rote Kreuz, der VdK Hessen-Thüringen und die Hephata Diakonie unterschrieben.

Exemplarische Bahnfahrt mit Umwegen

Um die Dringlichkeit des Umbaus zu verdeutlichen, kam den Unterzeichnern des Briefs eine Idee: Zusammen mit einer Delegation aus Menschen, die in der Region leben und mit Mobilitätseinschränkungen ihr Leben meistern müssen, wollen sie mit der Bahn nach Berlin fahren. Beginnen soll die Fahrt am Bahnhof Treysa.

Die Ausflugsteilnehmer müssten aber erst einmal in die entgegengesetzte Richtung nach Stadtallendorf reisen, da dort der nächste barrierefreie Zustieg in Richtung Kassel möglich ist. Die Fahrt nach Stadtallendorf muss ebenfalls barrierefrei durchgeführt und organisiert werden. „In Berlin angekommen, wollen wir dann in der Zentrale der Bahn das gemeinsame Gespräch mit dem Bahnvorstand suchen, um dort zu schildern, wie diese Fahrt verlaufen ist“, schildern die Bürgermeister und Landrat Becker ihr Ziel.

Unser Redakteur Michael Seeger hat einen Kommentar zum Thema geschrieben. Lesen Sie hier seine Meinung.

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