Echtes Unikat: Klaus Bernhardt führt Kult-Edeka

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Der letzte seiner Art: Neukirchener Lebensmittelmarkt ist seit seiner Eröffnung nahezu unverändert.

Neukirchen. Kein riesiger Parkplatz vor der Tür, kein Piepen an der Kasse, keine automatisch öffnende Eingangstür: Lebensmittelläden wie Klaus Bernhardts Edeka in Neukirchen gibt es eigentlich gar nicht mehr. Das kleine Geschäft in der Kurhessenstraße existiert jedoch bereits seit 138 Jahren und genießt längst Kultstatus. Denn: Der "Buschelbäcker" – wie Bernhardt von seinen Kunden genannt wird – hat alles! "Das sagen jedenfalls die Kunden. Ich sage: Wir haben das größte Sortiment auf kleinstem Raum", so der Inhaber augenzwinkernd.

In der Tat: Wer zum ersten Mal den Laden betritt, staunt nicht schlecht, wieviel Ware in dem kleinen Geschäft untergebracht ist. Vor den Regalen findet immer noch ein Kistchen Platz. Wer sich nicht zurecht findet, dem helfen der Bäckermeister und seine Mitarbeiter sofort. "Bei uns geht es etwas familiärer zu. Und was wir nicht im Laden haben, wird bestellt", sagt Bernhardt. An der Kasse wird der Preis für jeden Artikel noch eingetippt. Zuvor wurde jeder einzelne per Hand etikettiert.

Lebensmittel bis vor die Haustür

Der 60-jährige Inhaber führt den Familienbetrieb in vierter Generation. Frau Edith und Bruder Frank arbeiten ebenfalls mit. Seit 108 Jahren besitzt die Familie Genossenschaftsanteile bei Edeka. "Wir sind Edeka, seit es Edeka gibt. Mein Urgroßvater hat aber auch schon vorher im kleinen Kolonialwarenladen Lebensmittel verkauft", erklärt Bernhardt.1968 wurde der Laden noch einmal ausgebaut: Zum ersten Selbstbedienungslebensmittelmarkt in Neukirchen. "Wir waren damals die ersten und hatten das größte Geschäft. Heute ist es genau umgekehrt", erinnert sich der Bäckermeister.

Im Markt bei Bernhardts gibt auch noch immer Brot, Brötchen und süße Leckereien aus der hauseigenen Backstube. "Wir sind der letzte einheimische Bäcker hier in Neukirchen", sagt der Inhaber. Über mangelnde Kundschaft könne er sich nicht beschweren. "Im Gegenteil: An unseren Angebotstagen platzt der Laden aus allen Nähten", erzählt er. Generell könne man preislich mit den großen Märkten im Ort mithalten.

Ein weiteres Standbein ist der mobile Verkauf. Mehrmals pro Woche sind Klaus und Frank Bernhardt mit einem Kleinbus in Neukirchen und den umliegenden Ortschaften unterwegs. Hier versorgen sie vor allem die ältere Generation mit Lebensmitteln. "Haben die Kunden einen besonderen Wunsch, können sie telefonisch bei uns vorbestellen", erklärt Bernhardt.

Bis zu 14 Stunden auf den Beinen

Im Januar ist Klaus Bernhardt 60 Jahre alt geworden – an Werktagen ist er bis zu 14 Stunden auf den Beinen. "Der Arbeitsaufwand ist schon enorm und mit zunehmendem Alter wird es auch anstrengender", gibt er zu. Den Spaß an der Arbeit habe er aber noch nicht verloren. "Man muss schon Feuer und Flamme für das Ganze sein."

Er selbst wolle so lange weitermachen, wie es die Gesundheit zulässt. Einen Nachfolger wird es nämlich wohl nicht geben. Bernhardt, selbst kinderlos, habe seinen beiden Neffen angeboten das Geschäft weiterzuführen. "Deren Lebensplanung sieht anders aus. Das muss man akzeptieren", so der Kult-Bäcker.

Etwas wehmütig wird das Neukirchener Urgestein dann aber doch: "Auch der Buschelbäcker bleibt nicht ewig. Wir sind leider ein Auslaufmodell. Dann gibt es in Neukirchen ein Original weniger." Vielleicht das letzte in der Knüllstadt.

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