Flüchtling schließt Bäckerlehre in Treysa erfolgreich ab

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Bei der Arbeit: Mohamed Abdifatah Aided hat im Bäckerberuf seine Leidenschaft gefunden.

Somalier Mohamed Abdifatah Aided ist vor fünf Jahren nach Deutschland geflüchtet. Vor Kurzem hat er seine Bäckerausbildung vorzeitig erfolgreich abgeschlossen.

Treysa. Fünf Jahre ist es bereits her, als Mohamed Abdifatah Aided im Alter von 15 Jahren von Somalia über Italien nach Deutschland floh und letztendlich in Treysa landete. „Am Anfang hätte ich weinen können, weil ich niemanden kannte und es hier nichts zu tun gab“, erinnert er sich. Mittlerweile steht er fest im Berufsleben, hat eine Wohnung angemietet und sogar ein eigenes Auto gekauft. Die positive Wende begann vor zweieinhalb Jahren, als er die Chance bekam, seine Bäckerlehre bei Möller in Treysa zu beginnen.

Wie es der Zufall wollte, war der Onkel von Bäckereiinhaber Jörg Möller der direkte Nachbar von Mohamed. Die beiden trafen sich regelmäßig auf der Straße und unterhielten sich über alltägliche Dinge. Nachdem Mohamed seinen Realschulabschluss an der Carl-Bantzer-Schule in Ziegenhain erfolgreich abschloss, wollte er sich auch bei Möller Bäcker bewerben. „Ich wusste nicht, dass mein Nachbar der Onkel des Firmeninhabers ist. So war es ein Glücksfall, denn er konnte mich bei der Bewerbung unterstützen.“

Gutes Team: Mohamed Abdifatah Aided (Mitte) hat in Gaby Möller (Personalmanagerin), Jörg Möller (Bäckermeister und Inhaber) sowie Jens Mittelstädt (Produktionsleiter, vl.) Unterstützer und Förderer gefunden.

Nach einem Gespräch zwischen Jörg Möller und Mohamed war die Sache geregelt. „Es gab ein paar negative Gerüchte über Mohamed, aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass man über den Tellerrand hinausschauen muss. Als wir uns unterhalten haben wusste ich, dass ich ihn ausbilden möchte.“

Sprache war zu Beginn eine Hürde

Nach rund zweieinhalb Jahren in Deutschland konnte sich Mohamed zwar verständigen, für die tägliche Arbeit reichte es aber noch nicht aus. „Zu Beginn gab es manchmal Missverständnisse. Aber ich wollte unbedingt lernen und habe deshalb immer nachgefragt, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Mit Nachhilfe und der Unterstützung von Herrn Möller und dem Produktionsleiter Jens Mittelstädt habe ich mich schnell entwickeln können“, sagt Mohamed. Kulturell gab es ebenfalls viel zu lernen für den jungen Somalier. „In Deutschland läuft vieles anders als in Somalia. Ich musste beispielsweise erst verstehen, dass man Anweisungen des Chefs sofort ausführen muss“, so Mohamed. „Und er musste lernen, dass auch Frauen Vorgesetzte sein können. Aber auch das hat er schnell verstanden“, ergänzt Möller.

Große Ziele für die Zukunft

Als ehrlich, zielstrebig, fleißig und zuverlässig beschreiben ihn seine Kollegen und der Chef persönlich. Wegen seiner guten Leistungen konnte Mohamed seine Gesellenprüfung verkürzen und nach nur zweieinhalb Jahren seinen Abschluss machen. „Wir schätzen ihn sehr. Deshalb war für uns klar, ihn zu übernehmen“, sagt Möller. „Ich freue mich, hier weiterhin arbeiten zu dürfen. Mein Ziel ist es, weiter an meinen sprachlichen Fähigkeiten zu arbeiten und dann eventuell noch den Meister zu machen“, sagt Mohamed.

Er sei dankbar für die vergangenen Jahre und die Unterstützung, die er von seinen Kollegen, aber auch durch die Betreuer erfahren hat, die ihn seit seiner Ankunft in Deutschland begleitet haben. „Ich kann nur jedem Flüchtling raten, sich kulturell anzupassen und Chancen zu ergreifen, die einem geboten werden. Ganz wichtig ist dabei, nicht den Mut zu verlieren. Auch ich hatte schwierige Phasen und sprachliche Missverständnisse führten dazu, dass ich mich beleidigt fühlte. Aufgegeben habe ich aber nie.“

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