Fotografie ist sein Leben

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Karl-Manfred Menzel übernahm vor über 50 Jahren das Fotogeschäft seines Vaters und machte damit sein Hobby zum Beruf.

Neukirchen. Fotos knipsen, Menschen ablichten, die Natur für immer archivieren: Karl-Manfred Menzel kann alles genommen werden, nur nicht seine größte Leidenschaft, die Fotografie. Er gehört zu den wenigen Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen konnten.

1960 übernahm der heute 79-Jährige das Fotogeschäft seines Vaters Martin Menzel in der Kurhessenstraße in Neukirchen. Bereits 1931 wurde es eröffnet. Vor allem das Fachwissen, das Menzel an den Tag legt, überzeugt die Kunden, die auch von den umliegenden Orten bis nach Neukirchen fahren. "Ich habe früher noch selbst koloriert, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen". Menzel hat sich dafür die Augenfarben der abgelichteten Personen aufgeschrieben, ob  jemand einen rötlichen Teint hatte oder viel Rusch auftrug. "Das habe ich dann alles berücksichtigt". Und auch heute im digitalen Zeitalter liegt dem Fotografen sehr viel daran, dass die Gesichter auf den Bildern ansprechend sind. Dafür lässt er manche Falten auch mal verschwinden, ohne die Person zehn Jahre jünger wirken zu lassen.

Neben Passbildern, Portraits und Fotoentwicklung bieten Menzel und seine Frau aber auch andere Produkte an. Zahnpasta, Taschentücher, Parfüm, Hustensaft, Insektenbekämpfungsmittel: Einfach alles ist in dem Laden erhältlich. Außerdem gibt es im Nebenzimmer eine große Auswahl an Kindersachen. Obwohl das Ehepaar daran nicht viel verdient, macht es Karin Menzel zu viel Freude, als dass sie bereit dazu wäre, diesen  Geschäftszweig aufzugeben.

Einen Nachfolger gibt es nicht. Die einzige Tochter ist im Bankwesen beschäftigt und hat nicht vor, das Geschäft der Eltern zu übernehmen. Darüber ist das Ehepaar aber auch nicht traurig. "Gestern war gestern und heute ist heute" ist das Motto von Karl-Manfred Menzel. Deshalb hat er sich auch vollkommen von den alten Kameras abgewendet und fotografiert ausschließlich mit seiner Nikon Spiegelreflexkamera. Und zwar alles, was ihm vor die Linse kommt. "Wenn ich spazieren gehe, habe ich die Kamera immer dabei." Da können auch einmal Mülltonnen oder andere alltägliche Dinge abgelichtet werden. Mit seinen Schnappschüssen entwirft er eigene Postkarten, die er dann verkauft.

Obwohl die Menzels in einem Alter sind, in dem andere schon längst ihre Rente genießen, machen sie so lange weiter, bis sie nicht mehr können oder sich ein Käufer findet. Seit Jahren versuchen sie das 1735 errichtete Fachwerkhaus an den Mann zu bringen. "Das ist gar nicht so einfach", erzählt Karin Menzel. "Hier müsste ein Liebhaber rein, eine Großfamilie. Aber vor allem jemand, der handwerklich begabt ist." Sie selbst haben damals 200.000 DM in eine Restaurierung gesteckt. "Einfach die Tür zumachen geht nicht, denn die Versicherungen fressen uns auf". Deshalb führen sie die Tradition des Fotogeschäfts erst einmal fort. Unglücklich scheinen sie darüber nicht zu sein. "Wo wir zusammen sind, ist alles gut".

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