Gast berichtet über seine Zeit im Hospiz Kellerwald in Gilserberg

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Zur Weihnachtszeit wird es im Hospiz Kellerwald besonders gemütlich (v. l.): Walter Steiner, Theresia Schott und Christa Schmidt.

Theresia Schott ist seit September im Hospiz Kellerwald. Die 78-Jährige fühle sich vor allem wegen der liebevollen Mitarbeiter wohl.

Gilserberg. Nachdenklich, aber zufrieden sieht Theresia Schott in die Ferne. Auf dem Rollator neben ihr steht ein Gerät, dass ihr durch einen Schlauch stetig Sauerstoff zuführt. Zu sehr hat der Krebs ihrem Körper zugesetzt. Sie weiß, dass sie den Kampf gegen die Krankheit verloren hat, doch die Zeit, die ihr noch bleibt, möchte sie nutzen. I

m Hospiz Kellerwald kann sie das. Hier erhält sie Unterstützung und darf ihren Tag trotzdem so leben, wie sie gerne möchte. Stundenlang könne sie hier aus den großen Fenstern Richtung Kellerwald schauen. „Rehe kommen oft ganz nah ans Haus. Erst vor ein paar Tagen waren sechs oder sieben Tiere hier“, erzählt die 78-Jährige.

Unterstützung rund um die Uhr

Als sie im September in die Einrichtung kam, hatte sie keine Vorstellung von dem, was sie erwartete. „Es ist leider noch ein Tabuthema, obwohl der Tod zum Leben gehört. Ich wurde dann positiv überrascht. Als ich ankam, konnte ich mich das erste Mal seit der Diagnose fallen lassen. Es ist immer jemand da, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit“, sagt Schott.

Doch die ersten zwei Wochen seien trotz der liebevollen Pfleger und Ehrenamtlichen schwer gewesen. „Ich hatte am Anfang furchtbare Albträume und bin nachts schreiend aufgewacht. Und immer kam jemand und hat mich beruhigt“, sagt Schott.

Die Diagnose Krebs kam für sie überraschend. Nie sei sie in ihrem Leben ernsthaft krank gewesen. „Die Krankheit zu akzeptieren und irgendwann auch loszulassen musste ich erst einmal lernen“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Die fürsorglichen Hospiz-Mitarbeiter halfen ihr dabei, sich wieder etwas zu erholen. „Meine Kinder und ich selbst haben nicht geglaubt, dass ich länger als zwei Wochen durchhalte. Und jetzt bin ich schon so lange hier.“

Im Hospiz Kellerwald sei immer jemand für sie da und alle seien geduldig. „Auch, wenn ich zehnmal etwas benötige, bekomme ich immer das, wonach ich frage.“ Die Mitarbeiter beschreibt sie als ihre Geschwister, die respekt- und liebevoll mit jedem einzelnen Gast umgehen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Gäste haben das Gefühl, zu Hause zu sein

Sie habe die Freiheit, tun und lassen zu können, was sie möchte. „Es kommt niemand morgens um 6 Uhr rein und möchte meinen Blutdruck messen. Ich stehe auf, wann ich möchte“, sagt Schott. Auch die Tagesgestaltung liegt allein in ihrer Hand. So spielt sie beispielsweise gerne Dame oder Mühle mit anderen Gästen und ehrenamtlichen Mitarbeitern. „So lange wir das können, wollen wir das auch machen“, sagt Schott entschlossen.

Möglich machen das auch die Mitarbeiter, die nicht nur ein offenes Ohr für alle Anliegen haben, sondern auch versuchen, den Gästen das Gefühl zu vermitteln, zu Hause zu sein. „Frau Schott liebt Weihnachten und wollte gerne Bethmännchen backen, eine Frankfurter Spezialität. Ihre Tochter brachte den Teig mit und dann ging es los. Sie hat mit uns allen geteilt“, sagt Ehrenamtskoordinatorin Christa Schmidt.

Oft kämen Angehörige von ehemaligen Gäs­ten zu Besuch. Besonders zur Adventszeit haben viele selbstgemachte Plätzchen dabei. Auch Walter Steiner kommt regelmäßig vorbei und wird von Mitarbeitern und Gästen freundlich begrüßt. „Das zeigt, wie gut man es hier hat und wie dankbar auch die Angehörigen für die liebevolle Unterstützung sind“, sagt Schott.

Sie weiß, dass ihre Zeit endlich ist, doch ist sie froh, den letzten Lebensabschnitt im Hospiz Kellerwald zu erleben. „Wenn ein Gast stirbt, wird im Flur eine Kerze angezündet. Dann wünsche ich demjenigen immer eine gute Reise. Letztens habe ich einen wunderschönen Regenbogen im Garten gesehen. Da dachte ich, ‘Irgendwann möchte ich an ihm hochgehen’. Jeder hat eben seine eigene Vorstellung.“

+++ Extra-Info +++

Spenden an das Hospiz Kellerwald

Die Kosten für ein Hospiz werden zu 95 Prozent von den Krankenkassen getragen. Fünf Prozent müssen allerdings durch Spenden finanziert werden. „Man weiß nie, ob mal jemand aus der Familie auf ein Hospiz angewiesen ist. Jeder Cent kommt hier bei den Menschen an und ist eine sinnvolle Art, sein Geld zu spenden“, sagt Theresia Schott. Das Hospiz kann unter anderem durch die Mitgliedschaft im Förderverein unterstützt werden. Der Jahresbeitrag liegt bei 48 Euro. Mitgliedsanträge gibt es im Internet unter www.gilserberg.de.

Andere Spenden sind auf folgende Konten möglich:

Kreissparkasse Schwalm-Eder
Zweigstelle Gilserberg
IBAN: DE39520521541235021399
BIC: HELADEF1MEG

VR Bank HessenLand eG
Zweigstelle Gilserberg
IBAN: DE50530932000001050230
BIC: GENODE51ALS

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