"Gele" geht: Nach 63 Jahren im Schwalmstädter Fußball verabschiedet sich Gerhard Orth

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Kehrt „Gele“ Orth seinem zweiten Zuhause, dem Herbert-Battenfeld-Stadion in Ziegenhain, den Rücken? Nicht ganz. Denn die Finger kann er nicht komplett vom Schwalmstädter Fußball lassen.

Seit 63 Jahren ist er Teil des Schwalmstädter Fußballs – als Spieler, Trainer und Betreuer. Das Herbert-Battenfeld-Stadion in Ziegenhain ist längst sein zweites Zuhause. Doch damit ist jetzt Schluss. „Gele" zieht sich zurück. Ganz kann er die Finger aber nicht vom Fußball lassen.

Der kleine Bambini-Kicker kennt und schätzt ihn ebenso wie der Altherren-Fußballer. Er ist das Gesicht des Vereins. Wer ihn beiläufig in der Stadt sieht, denkt zwangsläufig an den FCS: Jahrzehntelang war Gerhard Orth Spieler, Trainer und Betreuer in Schwalmstadt.

Die meiste Zeit war „Gele“ – wie sie ihn nennen – für den TuSpo Ziegenhain aktiv. Er trainierte aber auch fünf Jahre lang den SV Rörshain, den SV Niedergrenzebach und Allendorf/Landsburg. Nachdem der TuSpo Ziegenhain 2003 seine Kooperation mit dem ESV Jahn Treysa aufgenommen hatte, begann Orths Engagement für den neugegründeten 1. FC Schwalmstadt.

Woche für Woche tigert „Gele“ aufgeregt durch die Fußballstadien der Region. Er kümmert sich um alles, was rund um die Fußballspiele des FCS geregelt werden muss. Das Herbert-Battenfeld-Stadion in Ziegenhain wird zu seinem zweiten Zuhause.

Wenn andere Feierabend hatten, ging seine Arbeit noch lange weiter...

Auch die Spieler wissen seine Anwesenheit zu schätzen, sorgt er doch immer zuverlässig für einen reibungsfreien Ablauf des Spieltags und für die Erfüllung von so manchem speziellen Spieler-Wunsch. Doch damit ist jetzt Schluss. „Gele“ hat sich in den wohlverdienten Fußball-Ruhestand verabschiedet – nach 63 Jahren aktiver Laufbahn als Spieler, Trainer und Betreuer.

Wie so oft, wird auch hier klar: Man weiß erst, was man an jemandem hat, wenn er nicht mehr zur Verfügung steht. Doch komplett die Finger von den Arbeiten rund um den Schwalmstädter Fußball kann der gebürtige Leimsfelder doch nicht lassen. 

lokalo24.de traf den 69-Jährigen, der im zarten Alter von sechs Jahren erstmals seine Fußballschuhe schnürte, unter der Woche auf dem Rasenplatz in Ziegenhain. Dort packte er schon wieder mit an, steckte gerade auf dem Nebenplatz ein Spielfeld ab. „Fußball war immer mein Steckenpferd. Und das wird es auch bleiben“, lässt Orth keinen Zweifel an seiner größten Leidenschaft. Und eine Leidenschaft schafft eben oft auch Leiden. Wer einmal eine wichtige Partie des FCS gesehen hat, wird Orth in seinem Element erlebt haben – manchmal schimpfend, hadernd, hoffend, dabei immer herzlich und sich mit Eifer für die Sache einsetzend.

Am Ende jedes Spiels sahen ihn die Fans und Aktiven dann doch immer wieder lächeln – auch nach den bittersten Niederlagen. Ehrgeizig ist er immer gewesen, nie aber verbissen. Und vor allem hat „Gele“ immer ein Auge auf diejenigen gehabt, die nicht im Vordergrund standen.

Die Unterschiede von früher zu heute

„Mir lag immer besonders viel an der zweiten Mannschaft und den Jugendspielern. Von ihnen lebt jeder Verein", sagt er. Die seien im Übrigen heute anders als damals, in den guten alten 70er und 80er Jahren, als der TuSpo Ziegenhain noch für fußballerische Furore sorgte. „Anders, aber nicht schlechter“, schiebt Orth sofort nach. Wenn ein junger Spieler heute nicht jeden Mitwirkenden grüßt, dann sei das nicht böse gemeint. Die Generation unterscheide sich eben von den vorigen.

... „Gele“ Orth kümmerte sich jahrelang auch um die Trikots des 1. FC Schwalmstadt

„Früher kamen alle Jungs von hier. Sie waren einheimisch. Und die meisten Familien hatten mehrere Kinder, darunter meist zwei oder drei Jungs, die unbedingt Fußball spielen wollten. Das hat sich geändert. Außerdem hatten wir früher kein breites Sportangebot. Es kam nur Fußball, Tischtennis und Turnen in Frage. Heute ist die Auswahl größer. Und die Jungs haben oft auch moderne Lebenswege.“

Die habe es früher in der Art selten oder gar nicht gegeben. Viele Seniorenspieler seien heutzutage unter der Woche studienbedingt an einem ganz anderen Fleckchen in Deutschland zu Hause. Oder sie arbeiten lange, müssen abends noch erreichbar sein. „Das führt dazu, dass sie eine andere Einstellung zum Mannschaftssport haben, als wir das noch hatten. Und natürlich wurden vorige Generationen oft auch disziplinarischer erzogen“, weiß Orth. Das ändere aber nichts an der Tatsache, dass „die Jungs heute alle durchweg in Ordnung sind.“

Dass gerade die junge Generation das Schwalmstädter Urgestein zu schätzen wissen, hat sich auch bei Orths Verabschiedung gezeigt. Zum Dank hatten ihm die FCS-Kicker ein Trikot mit seiner eigenen Nummer und Karten für ein Spiel des FC Schalke 04 – Orths Lieblingsverein – geschenkt.

Und plötzlich gerät „Gele“ noch einmal ins Schwärmen. Als sein Blick von der Tribüne im Herbert-Battenfeld-Stadion in die Ferne schweift, schwelgt er in Erinnerungen. Er spricht von Pokalschlachten mit dem SV Rörshain („Wir haben den SC Neukirchen, der damals Tabellenführer in der Landesliga war, geschlagen“) und von den Partien des FCS am Böllenfalltor („Wir hatten Darmstadt 98 am Rande der Niederlage“).

Eines wird klar: Orth wird dem Fußball fehlen. Auch wenn er sagt, sich auf mehr Zeit für sich selbst zu freuen, scheint er nicht ganz loslassen zu können: „Bei Heimspielen gehe ich schon ab und zu nochmal in die Kabine. Einfach, um den Jungs ,Hallo’ zu sagen“.

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