Scheunenschätze in Gilserberg: Heinrich Wickert restauriert Hela-Traktor und Varimot

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Ein Liebhaber und sein Schätzchen: Heinrich Wickert zeigt seinen Schlepper D24 der Kult-Marke Hela Hermann Lanz Aulendorf.

Das Erbe von Hermann Lanz hat es ihm angetan: Heinrich Wickert ist stolzer Besitzer zweier Hela-Fahrzeuge. Heute zeugen nur noch wenige Exemplare vom einstigen Erfolg des Landmaschinen-Pioniers aus Oberschwaben. Zwei davon nennt Wickert sein Eigen: einen D24 Schlepper und einen Varimot.

Gilserberg-Moischeid. „Da steckt einfach Qualität drin“, schwärmt Wickert, als wir ihn und seine beiden Schätzchen im Gilserberger Hochland besuchen. Und der Moischeider muss es wissen. Immerhin hat der gelernte Landmaschinen-Schlosser seine Lehre in der Firma Fritz Thiel in Densberg absolviert. Die war ihrerzeit Hela-Werksvertretung.

Mit 18 Jahren entfachte Wickerts Liebe zu Traktoren und Baufahrzeugen der Firma Hela. Damals nämlich nahm der Hochländer an einem Lehrgang im Firmen-Werk in Baden-Württemberg teil. „Einmal Hela, immer Hela“, sagt Wickert voller Überzeugung als er sein erstes Scheunentor öffnet. Uns strahlt ein D 24 Schlepper, Baujahr 1956, an. Das glanzpolierte Schmuckstück hat 24 Pferdestärken und einen Zweizylinder Motor, wassergekühlt, und ein eigenes Getriebe. „Das Teil wurde insgesamt nur 892-mal gebaut“, weiß Wickert. Sein Wissen bezieht er unter anderem aus Fachbüchern, seiner Lehre und aus vielen Oldtimer-Treffs. Bei denen ist Wickert meist der einzige Hela-Besitzer.

Als der 64-Jährige das zweite Scheunentor öffnet, schwingt er sich sofort und ohne ein Wort zu sagen auf seinen Varimot, ein Universal-Baustellenfahrzeug. Er startet den Motor und bewegt die 22 PS laut knatternd Richtung Hof. Wickert strahlt. Dann bringt er das Fahrzeug, das vor seinem Kauf in 2015 noch im Gleisbau aktiv war, zum Stehen. „Zwei Zylinder, luftgekühlter MWM-Motor, Panzerlenkung, permanenter Allrad-Antrieb, die Kraft wird von Vorder- auf Hinterräder mit zwei Ketten übertragen“, sagt der Oldtimer-Liebhaber.

Seine beiden Fahrzeuge sind das Ergebnis aufwendiger Restaurationsarbeit und das Produkt liebevoller Hingabe. Seinen Traktor beispielsweise hat Wickert komplett in Einzelteile zerlegt. Den Motor hat der begeisterte Tüftler erneuert, die Einspritzanlage überholt, die Zylinderköpfe geschweißt, Laufbuchse und Kolben erneuert.

Die Arbeitsstunden waren nicht zu zählen

Auf die Frage, wie viele Arbeitsstunden er damit verbracht habe, kann Wickert nur schmunzeln. Denn die habe er nicht alle zählen können. „Es war so ziemlich jede freie Minute“, sagt seine Frau Marianne. Die habe ihren Mann immer abends, wenn es dunkel wurde ins Haus gerufen. Sonst hätte Wickert wohl nie ein Ende gefunden.

Übrigens: Mit dem Ergebnis seiner Restaurationen ist der Hobby-Tüftler zufrieden. Immer wenn der fünffache Großvater Besuch von seinen Enkeln hat, werden die Schmuckstücke spazierengefahren. Das lieben die Kinder. Staunende Gesichter machten auch Wickerts Gleichgesinnte beim Oldtimer-Treffen 2016 in Bad Wildungen-Odershausen. Da war sein Kult-Schlepper Teil der längsten Traktor-Parade der Welt.

Trotz des Erreichten schwirrt aber immer noch ein Traum in Wickerts Kopf: Er sucht den Hela-Traktor D 260 A mit 60 PS. „Davon wurden nur 33 Exemplare gebaut“, erklärt der Moischeider begeistert.

EXTRA-INFO: Über die Firma Hela

Die Firma Hela Hermann Lanz Aulendorf war Hersteller von Landmaschinen aus Aulendorf (Oberschwaben). Die Firma wurde 1888 gegründet. 1979 verkaufte Familie Lanz die Firma an die IBH-Holding. Die Fertigung von Traktoren wurde eingestellt, die Produktionsstätte in 1995 abgerissen.

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