Gilserberg: Rinners räuchern Luxus-Lachse für prominente Kunden

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Wie der Vater, so der Sohn: Uwe Rinner (li.) übernahm die Lachsräucherei vor sechs Jahren von Heinz Rinner (Mi.). Der Firmengründer hatte die Geschäftsidee und die Rezeptur einer Fischerfamilie einst von einer Norwegen-Reise mitgebracht. Am 30. April verabschiedete sich Heinz Rinner offiziell in den Ruhestand. Ihn vertritt seither Nancy Slooten. Im kommenden Jahr feiert die Lachsräucherei Rinner ihren 30. Geburtstag.

Wer vermutet schon ernsthaft einen Spitzenbetrieb von europaweitem Renommee im beschaulichen Gilserberger Ortsteil Sachsenhausen? Die Lachsräucherei Rinner beweist: Auch in der Provinz verarbeitete Produkte finden den Weg in die weite Welt.

Gilserberg. Knapp 400 Einwohner, keine Geschäfte und kaum Verkehr – wer die Ruhe im ländlichen Raum schätzt, wird das beschauliche Sachsenhausen lieben. Aber wohl niemand würde im kleinen Gilserberger Ortsteil ernsthaft einen Spitzenbetrieb von europaweitem Renommee vermuten. Die hier ansässige Lachsräucherei Rinner aber beweist: Auch in der Provinz verarbeitete Produkte finden den Weg in die weite Welt.

Rinners Steckenpferd ist die Zubereitung des „Salmo Salar“ – eines atlantischen Lachses, dessen Muskulatur durch die Atlantik-Strömung begünstigt wird. Der schmackhafte Fisch entwickelt eine besonders edle Konsistenz und Struktur. Weil der Wildfang in der EU verboten ist, stammt der „Salmo Salar“, den Rinners verarbeiten, aus speziellen Aquakulturen in Irland und Schottland. „Norwegen produziert nur noch auf Masse. Das ist nicht unser Ding“, sagt Geschäftsinhaber Uwe Rinner.

„Das ist nciht so einfach, wie es aussieht.“ – Mit der ihm eigenen Hingabe filetiert Uwe Rinner den Lachs in der Küche seines Betriebs. Vier Tage zuvor schwamm der Edelfisch noch in einer Aqua-Kultur in Irland.

Dass der Edel-Lachs nicht nur einen klangvollen Namen trägt, sondern auch köstlich schmeckt, wissen die Vorstandsetagen der europäischen Industrie. Sie beziehen ihre Fischplatten zu besonderen Anlässen, Meetings und Konferenzen direkt aus Sachsenhausen. Welche prominenten Kunden ihren Fisch bei Rinners kaufen, soll in der Presse lieber nicht erwähnt werden, so der Wunsch des Unternehmens. Klar, der Familienbetrieb steht auch für Diskretion. Nur so viel sei verraten: Einigen Ministerpräsidenten, Fernsehmoderatoren und Vorstandsvorsitzenden von Großkonzernen dürfte das Wasser im Mund zusammenlaufen, wenn man sie auf das kleine Örtchen Sachsenhausen anspricht.

Massig Auszeichnungen und Auftritte im Fernsehen

Sogar das Fernsehen holt sich immer wieder Rat bei Rinners. So war Uwe Rinner vor Kurzem als Lachs-Experte im ZDF-Magazin „Wiso“ zu sehen. Die Branchen-Zeitschrift „Der Feinschmecker“ bezeichnet die Gilserberger Lachsräucherei als „einen der besten Betriebe Deutschlands ihrer Art“. Der Excelsior Business Club vergibt jährlich seine Goldene Servicekrone nach Sachsenhausen. Und auch ansonsten hat der dortige Fisch-Betrieb jede Menge Auszeichnungen eingeheimst.

Uwe Rinner stellt jedoch klar: „Titel und Preise haben für uns wenig Relevanz. Die wichtigste Auszeichnung ist die Zufriedenheit unserer Kunden. Wir sind stolz auf deren Treue. Manche begleiten uns schon seit unseren Anfängen in 1988“. Typisch Rinners möchte man sagen. Denn die gesamte Familie kommt völlig bodenständig daher, möchte den Rummel um die Personen des Hauses so gering wie möglich halten. Ein Beispiel: Mit einer Geschäftsverlagerung in ein Ballungszentrum würde ganz sicher auch deutlich mehr Umsatz erzielt werden, ist sich Rinner sicher. „Wir bleiben trotzdem hier. Wir wollen kein Schickimicki.

Wenn unsere Kunden uns besuchen, staunen sie über das bäuerliche Flair“, erzählt der Unternehmer. Da störe es auch nicht, dass der Betrieb zu 90 Prozent vom Versandhandel lebt. Das Unternehmen habe kaum Kunden aus der Region – zu erlesen, zu extravagant und zu hochpreisig für die meisten.

Traditionelles Räuchern nach Art der Wikinger

Der Fisch aus der Gilserberger Lachsräucherei hat sich längst als exquisites Präsent bewährt. Da hat es sich angeboten, die eigene Produktpalette zu erweitern. „Wir haben uns darauf spezialisiert, Feinschmecker-Pakete zusammenzustellen – meist für Manager“, sagt Seniorchef und Firmengründer Heinz Rinner. Seit einigen Jahren führt sein Betrieb auch Spirituosen wie Cognac, Grappa und natürlich Weine im Sortiment – „selbstverständlich nur in Spitzenqualität“, ergänzt Uwe Rinner. Hauptgeschäft bleibt allerdings der Lachs. Der entstammt ausschließlich kleinen Zuchtbetrieben.

Das Team hinter den Edelprodukten: Geschäftsinhaber Uwe Rinner (mi.) mit seinen Eltern (li.) und Mitarbeitern der Lachsräucherei Rinner in Sachsenhausen.

Von der Haltung und Qualität der Fische überzeugt sich Uwe Rinner höchst persönlich. Regelmäßig reist er gen Norden, um die dortigen Familienbetriebe und seine künftigen Lachse zu begutachten. „Wir kaufen bei den besten und teuersten Züchtern“, verspricht der Experte. Nur aus guter Ausgangsqualität könne das beste Endprodukt entstehen. Klar ist: Mit Durchschnitt geben sich Rinners nicht zufrieden – auch nicht bei der Verarbeitung des Fisches.

Der wird nach seiner Ankunft in Sachsenhausen drei Tage lang gesalzen. Das dient dem Geschmack und der Haltbarkeit. Dann wandern die Lachse für drei weitere Tage in die Räucherkammer. Buchenholzscheite und -späne aus heimischen Wäldern sorgen für das charakteristische Raucharoma. „Wir arbeiten absolut klassisch wie die Wikinger vor hunderten von Jahren. Geräuchert wird in der aus Lehm gebauten Räucherkammer bei 24 Grad Celsius“, erklärt Uwe Rinner. Die Rezeptur der einzelnen Kräuter, mit denen der Lachs zuvor bestrichen wird, bleibt natürlich ein Geheimnis der Familie. Nur so viel dazu: Am Ende schmeckt der Fisch unverschämt gut.

Besichtigung samt Verkostung

Wer sich einmal selbst von den Produkten aus der Gourmet-Räucherei Rinner überzeugen möchte, sollte sich die angebotenen Führungen durch den Betrieb nicht entgehen lassen. Gruppen ab zehn Personen können nach Voranmeldung nicht nur die Räume des Betriebs erkunden, sondern auch gleich die Spitzenprodukte aus dem Hause Rinner genießen. So warten auf Interessierte leckere Champagner und andere Aperitifs, Edelfisch-Feinschmeckersuppen, Räucheredelfisch-Arrangements, mehrgängige Edelfisch-Dinner sowie Spirituosen- und Weinverkostungen. Anmeldungen und Infos unter Tel. 06696-389.

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