Grippeschutzimpfung in der Corona-Pandemie - für wen und wann?

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Alexander Kessler (re.), Leiter der Krankenhaushygiene der Asklepios Schwalm-Eder-Kliniken und sein Kollege Krankenhaushygieniker Olaf Bensch raten dazu, sich gegen Grippe impfen zu lassen. So fand kürzlich in den Asklepios Schwalm-Eder-Kliniken eine Grippeschutzwoche statt, bei der sich alle Mitarbeiter impfen lassen konnten.

Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen oder nicht? Diese Frage beschäftigt jetzt im Herbst viele. Bislang haben Experten vor allem Menschen ab 60 Jahren und chronisch Kranken empfohlen, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Doch gilt das auch in diesem Jahr?

Region. Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen oder nicht? Diese Frage beschäftigt jetzt im Herbst viele. Die Hauptsaison der echten Grippe, auch Influenza genannt, steht bevor. Influenza-Viren, die die Grippe hervorrufen, zirkulieren nach Angaben des Robert-Koch-Instituts RKI) schon im Herbst. Grippewellen – also eine erhöhte Influenza-Aktivität – beginnen aber meist erst im Januar und dauern drei bis vier Monate. Bislang haben Experten vor allem Menschen ab 60 Jahren und chronisch Kranken empfohlen, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Doch gilt das auch in diesem Jahr?

Diese und weitere Fragen rund um das Thema „Grippeimpfung“ beantworten Alexander Kessler, Leiter der Krankenhaushygiene der Asklepios Schwalm-Eder-Kliniken und sein Kollege Krankenhaushygieniker Olaf Bensch.

Herr Kessler, sollte sich unter den aktuellen Umständen in diesem Jahr jeder gegen Grippe impfen lassen?

Kessler: Da man nicht genau sagen kann, wie sich die Infektionszahlen von COVID19 in den nächsten Wochen entwickeln, ist es gerade jetzt sinnvoll sich impfen zu lassen. Vor allem um in der Grippewelle schwere Verläufe weitestgehend zu verhindern und damit evtl. Kapazitäten in Krankenhäusern zu blockieren, die beispielweise für COVID19 Patienten vorgesehen sind.

Für wen ist eine Grippeschutzimpfung unerlässlich?

Kessler: Menschen die über 60 Jahre alt sind. Aber auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer bekannten Immunsuppression. Außerdem sollte das medizinische Personal in Einrichtung durch den vermehrten Kontakt geimpft werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte kürzlich die Empfehlung ausgesprochen, alle Kinder gegen Grippe impfen zu lassen, mit dem Verweis darauf, dass bei Kindern ein höheres Übertragungsrisiko bestehe. Was halten Sie davon?

Bensch: Die Impfung von Kindern wird auch von der Gesellschaft der Pädiatrie empfohlen. Kinder haben je nach Lebensalter noch ein naives Immunsystem und können sich auch aufgrund ihres kindlichen Verhaltens untereinander schnell infizieren. Infizierte und kranke Kinder können so die Infektion mit Grippeviren schnell in ihre häusliche Umgebung verteilen. Auch kennt man bei erkrankten Kindern heftige Krankheitsverläufe. Empfehlungen, welcher Impfstoff in welchem Lebensalter geeignet ist oder über mögliche Kontraindikationen, kann man in den Fachgesellschaften für Pädiatrie, der STIKO oder bei den Herstellern von Impfseren erfragen oder nachlesen. Allerdings wird man sich insgesamt, bei möglichen Engpässen von Impfstoffdosen , auf besonders gefährdete Personengruppen konzentrieren müssen.

Wann sollte man sich gegen Grippe impfen lassen?

Kessler: Am besten vor Beginn der Grippewelle. Der genaue Zeitpunkt ist schwer festzuhalten. Vorzugsweise zwischen Ende September bis November.

Kann man trotz Impfung eine Grippe bekommen?

Kessler: Eine Impfung bietet tatsächlich keinen 100-prozentigen Schutz. Möglichkeit wäre das der Betroffene sich kurz vor oder nach der Impfung angesteckt hat, bevor der Wirkstoff überhaupt erst wirkt. Falls es dennoch nach der Impfung zu einer Grippe-Infektion kommen sollte, verläuft diese erfahrungsgemäß milder ab.

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