Grippewelle in Ziegenhainer Kita: Hälfte der Kinder krank - Diskussionen um Entscheidung des Gesundheitsamtes

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Wurde unweigerlich zum Brutkasten für Influenza-Viren: die Kindertagesstätte Regenbogen im Ziegenhainer Fünftenweg.

Die Grippewelle hat die Kindertagesstätte Regenbogen in Schwalmstadt-Ziegenhain fest im Griff. Etwa die Hälfte der betreuten Kinder und mindestens sieben Erziherinnen sind krank. Bei zwei Kindern wurde die Schweine-Grippe diagnostiziert.

Jedes Jahr wenn sich der Winter langsam seinem Ende neigt, haben die Immunsysteme der Menschen wochen- und monatelange, harte Arbeit hinter sich. Die Abwehrkräfte reichen oftmals nicht aus, überall schnieft und hustet es. Viele sind bereits mit Grippeviren infiziert, wissen es womöglich aber noch nicht.

Das Problem: Sie infizieren auch andere Menschen. Denn Betroffene können schon einen Tag vor Ausbruch der Grippe ansteckend für andere sein und bis zu einer Woche nach dem Auftreten der ersten Symptome. So kann sich – wie aktuell der Fall – eine rasante Grippe-Welle verbreiten. Dem Robert-Koch-Institut in Berlin wurde nun der bisherige Höchstwert der aktuellen Influenza-Welle gemeldet: deutschlandweit 17.990 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle.

Die Krankheitswelle macht dabei auch vor dem Schwalm-Eder-Kreis nicht Halt. Sichtbar werden ihre Auswirkungen vor allem in der Kindertagesstätte (Kita) Regenbogen in Ziegenhain. Die dortigen Gruppenräume sind ungewohnt leer. Etwa die Hälfte der 120 betreuten Kinder ist krank. Die genaue Zahl schwankt täglich. Hinzu kommen sieben Erzieherinnen, die grippebedingt ausfallen. Das bestätigten auf Nachfrage von lokalo24.de Stephan Bürger, Pressesprecher des Schwalm-Eder-Kreises, und Schwalmstadts Bürgermeister Stefan Pinhard.

Gesundheitsamt war am Dienstag in Ziegenhain

Wie unsere Redaktion unter der Woche erfuhr, waren einige betroffene Kinder so stark erkrankt, dass deren Eltern sie von Ärzten untersuchen ließen. Zwei Kinder infizierten sich nachweislich am Influenza-Virus des Typs A/H1N1, der sogenannten Schweinegrippe.

 Um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen, stattete das Gesundheitsamt der Kita Regenbogen am Dienstagmorgen einen Besuch ab. „Von Seiten des Gesundheitsamtes ist es bisher nicht erforderlich, die Einrichtung zu schließen“, ließ uns Stephan Bürger noch am selben Tag wissen. Stattdessen habe die zuständige Gesundheitsaufseherin bestimmte Hygiene-Maßnahmen auferlegt.

Die verriet Schwalmstadts Bürgermeister am Mittwochmorgen auf unsere Nachfrage: „Erkrankte müssen bei Auftreten erster Symptome wie Husten, Fieber oder Schnupfen zu Hause bleiben. Kinder, die sich beim Auftreten erster Symptome in der Kita befinden, müssen von ihren Eltern abgeholt werden. Beim Husten und Niesen sollen Mund und Nase mit der Ellenbeuge bedeckt werden.“ Außerdem müssten Kinder und Erzieherinnen regelmäßig ihre Hände desinfizieren, so Schwalmstadts Bürgermeister. Das Gesundheitsamt des Schwalm-Eder-Kreises empfehle ein begrenzt viruzides oder viruzides Hände- und Flächendesinfektionsmittel. Es seien Merkblätter verteilt worden.

Kontroverse Diskussionen über Weiterbetrieb

Das Thema sorgte für reichlich Diskussionsstoff. Nicht wenige Eltern kritisierten den Weiterbetrieb der Einrichtung. Es werde dadurch verhindert, dass die Räumlichkeiten in der Kita vollständig desinfiziert werden könnten. Sie gaben auch zu bedenken, dass das Verständnis junger Kinder nicht ausreiche, um beim Niesen den Unterschied zwischen Ellenbeuge und Handinnenfläche zu begreifen. Viele Eltern hatten auf eine zwei- oder dreitägige Kita-Schließung und eine gründliche, virenvernichtende Reinigung aller Räume gehofft. Das könne nur bei geschlossener Einrichtung geschehen. Um die Ansteckungsgefahr zu mindern, ließen manche Eltern ihre Kinder auch vorsorglich zu Hause.

Andere Eltern hingegen beharrten darauf, dass ihre Kinder ein Recht auf Betreuung haben. Nicht jeder Berufstätige könne die Betreuung seiner Kinder zu Hause gewährleisten. Auf die Frage, ob die Grippe-Welle auch in anderen städtischen Einrichtungen so sehr zugeschlagen habe, wie in der Kita Regenbogen, antwortete Pinhard: „Wir haben ansonsten die der Jahreszeit und Witterung entsprechenden Ausfallzahlen.“ Das Stadtoberhaupt versicherte aber auch: „Natürlich haben wir sämtliche Einrichtungen besonders im Fokus. Wir beobachten die Entwicklung ganz genau.“

EU fordert zur Grippe-Impfung auf:

Angesichts der akuten Grippewelle ruft die Europäische Kommission zum Impfen auf. "Ich appelliere an alle Bürger in der Europäischen Union, sich selbst und ihre Kinder impfen zu lassen. Damit schützt man nicht nur die eigene Person, sondern auch die Mitbürger", sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis der Zeitung "Die Welt". Er forderte, den „Mythen und Fehleinschätzungen über Impfungen nicht zu glauben". Impfungen seien eine "wichtige Maßnahme zur Erhaltung der öffentlichen Gesundheit und sollten eine Selbstverständlichkeit sein".

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Schutzimpfung in erster Linie älteren Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranken mit Grundleiden wie Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, medizinischem Personal und Schwangeren.

Die beste Zeit für eine Grippe-Impfung sei der Zeitraum zwischen September und November. Aber auch später sei eine Grippe-Impfung noch sinnvoll. Wichtig sei allerdings zu beachten, dass der Impfstoff seine Wirkung nicht etwa sofort, sondern erst nach zehn bis 14 Tagen voll entfaltet.

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