Grippewelle: Ziegenhainer Kita Regenbogen wird geschlossen

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Vorübergehend geschlossen: Die Kita Regenbogen soll professionell gereinigt und desinfiziert werden.

Nachdem die Eltern das Gespräch mit Schwalmstadts Bürgermeister Stefan Pinhard gesucht haben, hat er die Schließung der Kita veranlasst.

Schwalmstadt. „Wir sind aufgebracht, sauer, enttäuscht und fühlen uns im Stich gelassen. Wir sorgen uns einfach um unsere Kinder“, hieß es am Montagmittag im Sitzungssaal des Treysaer Rathauses. Schwalmstadts Bürgermeister Stefan Pinhard stellte sich vielen Vorwürfen. Ihm gegenüber saßen sechs besorgte Mütter, deren Kinder die Kita Regenbogen in Ziegenhain besuchen – normalerweise. Denn seit einigen Tagen bleiben sie lieber zu Hause oder werden bei Verwandten und Bekannten betreut.

Der Grund: Die aktuelle Grippewelle hat die Kindertagesstätte im Ziegenhainer Fünftenweg fest im Griff (Lesen Sie auch: Grippewelle in Ziegenhainer Kita). Bisheriger trauriger Höhepunkt: die Abwesenheit von über 100 Kindern (insgesamt sind 120 Kinder in der Kita Regenbogen angemeldet) und zehn Erzieherinnen. Wie viele der aktuell zu Hause betreuten Kinder erkrankt sind und wie viele von ihnen vorsorglich der Kita fernbleiben, um sich nicht anzustecken, ist nicht bekannt.

Stellvertretend für den Großteil der Elternschaft warfen einige Mütter dem Schwalmstädter Bürgermeister am Montag fehlendes Verantwortungsbewusstsein und mangelnde Informationspolitik vor. Sie gaben zu bedenken, dass die Influenza-Viren im schlimmsten Fall gar den Tod zur Folge haben können. Während des laufenden Betriebs könne die Kita Regenbogen und deren Inventar nie gänzlich von Viren befreit werden. Das habe zur Folge, dass sich die anwesenden Kinder und Erzieherinnen immer wieder untereinander anstecken. Die besorgten Mütter forderten vehement die Unterbrechung des Infektionszyklus. Das gehe nur, wenn die Kita für einige Tage geschlossen und professionell gereinigt und desinfiziert werde.

Pinhard verwies auf die Experten-Einschätzung des Gesundheitsamtes. Das war am Dienstag vergangener Woche vor Ort gewesen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Eine Gesundheitsaufseherin empfahl Richtlinien zur Einhaltung hygienischer Maßnahmen und hielt die Schließung der Einrichtung nicht für notwendig. „Alles, was das Gesundheitsamt fordert, ist eingehalten“, sagte Pinhard am Montag.

Das widerlegten die Mütter. So fordere das Gesundheitsamt, dass Kinder, die erste Symptome wie Husten, Fieber und Schnupfen zeigen, sofort von ihren Eltern abzuholen seien. Eine Benachrichtigung an alle Eltern, dass die Grippe grassiert, erkrankte Kinder zu Hause bleiben und sich Eltern darauf einstellen müssen, ihre Kinder gegebenenfalls abholen zu müssen, habe es nicht gegeben. „Und erklären Sie mal einem Zweijährigen, dass er in die Armbeuge niesen und sich regelmäßig die Hände desinfizieren soll“, führte eine Mutter die Empfehlungen des Gesundheitsamtes ad absurdum.

Pinhard sorgt für schnelle Lösung

Den Vorwurf, Pinhard würde Kompromissbereitschaft vermissen lassen, wollte Schwalmstadts Bürgermeister so nicht stehen lassen. Er versprach, sich umgehend ein weiteres Mal mit dem Gesundheitsamt in Verbindung zu setzen und eine professionelle Reinigung der Kita-Räume und des Inventars möglich zu machen. Und das Stadtoberhaupt ließ Taten folgen: Schon am nächsten Morgen gab Pinhard ein Ergebnis bekannt. „Die Kita bleibt am Donnerstag geschlossen.

Am Freitag ist Konzeptionstag und aus diesem Grund ohnehin kein Kita-Betrieb. Somit ist die Einrichtung inklusive Wochenende vier Tage lang zu“, so der Verwaltungschef auf unsere Nachfrage. Parallel zu unserem Redaktionsschluss arbeiteten Pinhards Verwaltungsmitarbeiter noch intensiv an der Umsetzung des Vorhabens. Sie schrieben Elternbriefe, suchten und beauftragten eine Fachfirma, die die Kita professionell reinigen und desinfizieren wird. Pinhard stellte währenddessen noch einmal klar: „Es handelt sich um ein wirklich sensibles Thema. Wir nehmen die Ängste und Befürchtungen der Eltern sehr ernst. Deshalb diese Maßnahmen.“

+++ Extra Info +++

Bislang drei Todesfälle im Kreis

Aus gegebenem Anlass gibt die Kreisverwaltung seit Montag täglich einen Zwischenstand zur aktuellen Grippewelle bekannt. Bislang seien insgesamt 75 Influenza-Infektionen (Typen A und B, darunter auch die sogenannte Schweine-Grippe) beim Schwalm-Eder-Kreis gemeldet worden – allein 13 davon am Montag.

Bislang seien im Kreis drei Todesfälle gemeldet worden. Eine 62-Jährige und ein 65-Jähriger seien im Asklepios Klinikum Schwalmstadt verstorben, eine 58-Jährige im Hospital zum heiligen Geist in Fritzlar. Alle drei Patienten hätte auch an Vorerkrankungen gelitten.

Neben der Kita Regenbogen in Ziegenhain haben sich sieben weitere Kindertagesstätten an das Gesundheitsamt gewandt: Einrichtungen in Willingshausen, Remsfeld, Guxhagen, Borken, Nassenerfurth und Kleinenglis. Viele weitere Kitas, darunter auch die Einrichtung im Schrecksbacher Schlossgarten, baten Eltern um deren Solidarität. Weil auch viele Kita-Mitarbeiter erkrankt sind, werden vielerorts Eltern, denen es möglich ist, ihre Kinder zu Hause zu betreuen, gebeten, ihre Kinder nicht in die Kitas zu bringen.

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