Das Hobby zum Beruf gemacht: Heinrich Vesper ist seit 20 Jahren Bürgermeister in Willingshausen

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In Wasenberg hat er sein Zuhause, den Traumberuf und sein Familienglück gefunden: Willingshausens Bürgermeister Heinrich Vesper. 1998 zog es den Korbacher in das „Herz der Schwalm“, wie Vesper seine Gemeinde nennt. Seither hat sie ihn nie wieder losgelassen.

Als Heinrich Vesper 1997 erstmals nach Willingshausen kam, ahnte er: „Hier könnte ich mich wohlfühlen.“ Dass aus dem kurzen Besuch eine lange berufliche Karriere und eine glückliche Ehe entspringen würden, konnte der gebürtige Korbacher damals aber natürlich nicht absehen.

Willingshausen-Wasenberg. Mit einem breiten Grinsen öffnet Sonja Vesper die Tür zu ihrem Wohnhaus und bittet uns freundlich herein. Kaffee und Kräppel stehen schon bereit. Heinrich Vesper hat es sich bereits in der Essecke bequem gemacht. Anlass unseres Besuchs ist eigentlich Vespers 20-jähriges Dienstjubiläum. Doch unser Gastgeber zeigt sich zunächst ganz privat. Seit 1998 ist der schlachsige Zwei-Meter-Mann nun schon Bürgermeister der Gemeinde Willingshausen. Der Rückblick auf seine vergangenen Amtsjahre kann warten. Zuerst wird gefachsimpelt – über Gartenanlagen, Bäume, Büsche und Sträucher, über Häuser und Einrichtungsgegenstände.

Als Heinrich und Sonja Vesper erfahren, dass unser Redakteur einen Neubau plant, bieten sie spontan eine Führung durch ihre privaten Räume an. Schnell wird klar: Vesper, gebürtiger Waldecker, und Ehefrau Sonja, gebürtig aus Großropperhausen, fühlen sich in der Schwalm längst heimisch. Vespers identifizieren sich mit der Region und mit der Gemeinde Willingshausen. Zu jedem Bild und jeder Skulptur, die Heinrich Vesper von Künstlern abgekauft hat, die in Willingshausen ausgestellt haben, erzählt er eine Geschichte – wir erfahren, wie der Bürgermeister den jeweiligen Künstler kennengelernt hat, wie dessen Ausstellung angenommen wurde und warum sich Vesper ausgerechnet dieses oder jenes Bild ins Haus geholt hat.

Der Rathaus-Chef gerät ins Schwärmen, wenn er von der Willingshäuser Künstlerkolonie – einer der ältesten Europas – erzählt. Nur mit der Schwälmer Tracht wolle es nicht so recht klappen. Kein Wunder: Eine Tracht für einen zwei Meter und zwei Zentimeter großen Mann zu finden, dürfte nicht leicht sein. Von Schwälmer Schuhen in Größe 50 ganz zu schweigen. Immerhin tragen Sonja Vesper und Tochter Elisa ihre Schwälmer Tracht zu besonderen Anlässen mit Begeisterung. Sogar Angela Merkel sei schon auf Sonja Vespers Tracht aufmerksam geworden. Heinrich Vesper sei da nur die Nebenrolle geblieben – kein Problem für den eher zurückhaltenden 63-Jährigen. Gutes Gefühl bei erstem Besuch in Willingshausen

Was hatte Vesper 1997 eigentlich dazu bewogen, sich auf das Bürgermeisteramt in Willingshausen zu bewerben? „Manfred März aus Zella hat mich damals über die anstehende Wahl informiert.“ Daraufhin sei der spätere Rathaus-Chef zweimal in Willingshausen gewesen, habe sich seine Kandidatur gründlich überlegt und kurzerhand potentielle Unterstützer angesprochen.

„Mein erster Kontakt war der Gasthof Bechtel. Ich hatte sofort das Gefühl: Hier könnte ich mich wohlfühlen.“ Es war der Beginn einer politischen und persönlichen Erfolgsgeschichte. Denn in der Schwalm lernte Vesper seine heutige Frau kennen und lieben. Sonja Vesper begleitet ihren Mann bis heute zu vielen Terminen. „Das ist doch interessant“, bringt sie es auf den Punkt. Heinrich Vesper befindet sich inzwischen in seiner vierten Amtszeit – wohl auch, weil er sich der unerschöpflichen Unterstützung durch Frau und Kind sicher sein kann.

Als sich Vesper 1997 erstmals auf das Bürgermeisteramt bewarb, war er kein Neuling in der Kommunalpolitik. Als Vorsitzender der FDP-Fraktion in Lichtenfels (Kreis Waldeck-Frankenberg) hatte der gebürtige Korbacher nützliche Vorerfahrungen gesammelt. „Gewissermaßen habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht“, bringt es Vesper auf den Punkt. Und tatsächlich strahlt der langjährige Verwaltungschef eine authentische und beneidenswerte Zufriedenheit aus. Selbst die Nachteile, die sein Job mit sich bringt, scheint er mit Leichtigkeit zu ertragen. „Wenn ich eine negative Stimmung bemerke, gehe ich in den Brennpunkt – dorthin, wo diskutiert wird. Die Probleme lassen sich dann meist klären. Die Erfahrungen in den letzten Jahren haben mich natürlich geprägt. Aber ich habe nie die Lust an einer gesunden Streitkultur verloren“, erklärt Vesper.

Ein Talent in drei Bereichen

Die Tätigkeit des Bürgermeisters schließe drei Funktionen ein: die Repräsentation, die Verwaltung und die Politik. Alle drei Kernaufgaben seien wichtig. Nur eine davon zu beherrschen, sei auf Dauer zu wenig. „Es reicht nicht, ein guter Verwaltungsmann zu sein, wenn man nicht repräsentieren kann. Denn Repräsentation heißt immmer auch Kommunikation, also Bürgergespräche zu führen. Die Politik ist natürlich auch wichtig. Ich muss den politischen Gremien Informationen bieten und Überzeugungsarbeit leisten. Und die Verwaltung ist erst recht nicht zu unterschätzen. Ich bin als Bürgermeister zwar Dienstvorgesetzter, aber eben immer nur so erfolgreich, wie meine Verwaltung“, weiß Vesper. Wenn man an der Spitze stehe, dann gebe es nicht immer nur Wohltaten zu verteilen. Am wichtigsten sei es immer, die Mitarbeiter immer wieder motivieren zu können.

Kein Internet bei Amtsantritt

Als Vesper 1998 das Bürgermeisteramt übernahm, gab es im Rathaus kein Internet und keine EDV-Ausstattung. „Nur eine Online-Verbindung zum Finanzwesen nach Kassel“, erinnert sich Vesper. Mit der Jahrtausendwende sei dann die EDV eingeführt und das gesamte Rathaus vernetzt worden. „Vorher gab es bei uns und in anderen Kommunen viele Diskussionen darüber. Wir haben schon immer fortschrittliche Entscheidungen getroffen – zum Beispiel auch bei der automatisierten Liegenschaftskarte. Im IT-Bereich gilt: glotzen statt kleckern“, sagt Vesper.

Wenn seine vierte Amtszeit abläuft, wird Vesper 67 Jahre alt sein. Ans Aufhören denke er aber noch längst nicht: „Die Altersgrenze ist gefallen. Ich fühle mich gesund und fit. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, zu Hause zu bleiben.“ Und dann hat auch Tochter Elisa noch ein Wörtchen mitzureden: „Ich möchte dich wenigstens einmal wählen dürfen“, schiebt sie ihren Wunsch nach.

EXTRA-Info ZUR Person:

Heinrich Vesper wurde 1954 in Korbach (Landkreis Waldeck-Frankenberg) geboren. Seit 20 Jahren ist er Bürgermeister der Gemeinde Willingshausen. Nach seiner Ausbildung zum Landwirt, studierte Vesper Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Gießen. 1997 bewarb sich der Diplom-Betriebswirt erstmals auf das Bürgermeisteramt in Willingshausen.

Im Juli 2015 wurde der Freidemokrat, der als unabhängiger Kandidat angetreten war und von CDU, BGL/FWG und FDP unterstützt wurde, mit 70,4 Prozent Stimmanteil in seine vierte Amtszeit gewählt.

Vesper ist mit Ehefrau Sonja verheiratet. Sie haben eine gemeinsame Tochter (Elisa, 11 Jahre). Vespers Hobbys sind Natur und Garten. In seiner Freizeit joggt der 63-Jährige und fährt gern Fahrrad.

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