Hospiz Kellerwald in Gilserberg nimmt seit Februar Gäste auf

+
Sie schenken den Gästen nicht nur ein Zuhause, sie fühlen sich selbst wie daheim (v.l.): Erika Karama, Christa Schmidt, Beate Göring, Nadine Langner, Anita Kirschner und Anja Happel verbringen gerne Zeit im Wohnzimmer des Hospiz Kellerwald.

Seit circa acht Wochen nimmt das Hospiz Kellerwald in Gilserberg schwerstkranke Menschen auf, um sie auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten.

Gilserberg. Es sind die kleinen Details, wie die frischen Blumen in der Vase, die weiche Bettwäsche und der gemütliche Sessel, die die Zimmer im Hospiz Kellerwald in Gilserberg so heimisch machen. Die Terrassentür führt in den großen Garten mit Blick auf den Kellerwald. Es wird die letzte Wohnung für die Gäste sein, denn sie ziehen ein, um zu sterben. Doch von der bedrückenden und tristen Atmosphäre, die viele hier erwarten, fehlt jede Spur. Dieser Ort strahlt Ruhe und Geborgenheit aus.

Seit Februar nehmen Hospizleiterin Erika Karama und ihre Mitarbeiter Gäste auf, um sie auf ihrem letzten Lebensweg Tag und Nacht zu begleiten. „Wir wissen nie, wie lange sie bleiben. Manche sind nur 36 Stunden hier. Das ist sehr schade, denn Hospizarbeit beginnt eigentlich vor der Sterbephase“, sagt Karama.

Erinnerungen bleiben erhalten: Das Gästebuch im Eingangsbereich ist gefüllt mit liebevollen Worten über die Verstorbenen. 

Der Tod begleitet sie jeden Tag. Im Eingangsbereich ist ein Gedenktisch aufgebaut. Ein weißer Engel schaut wachsam auf das Gästebuch, das mit liebevollen Worten über die Verstorbenen gefüllt ist. Der Tod ist präsent und trotzdem steckt viel Leben in diesen Räumen.

Als Karama einen Bewohner in seinem Zimmer besucht, ist ihr Gespräch vertraut. „Diesen Ort gibt es nur einmal. Etwas besseres hätte mir nicht passieren können“, sagt er über das Hospiz. Er weiß, dass er sterben muss. Doch scheint er seine Lebensfreude nicht verloren zu haben. „Wir machen hier viel Spaß. So bin ich abgelenkt“, erklärt er. Auf seinem Tisch liegt ein Umschlag mit Bildern aus dem vergangenen Spätsommer. Erinnerungen an den Besuch von Freunden, die er mit Karama teilt. „Wir wollen kein Familienmitglied ersetzen, aber unseren Gästen ein Zuhause schenken. Deshalb ist es selbstverständlich, dass wir uns Zeit für jeden einzelnen nehmen“, sagt Karama.

Erinnerungen helfen den Verlust zu verarbeiten

Die Mitarbeiter wissen, dass sie Beziehungen zu Menschen aufbauen, von denen sie sich schon bald wieder verabschieden müssen. Nicht nur die Angehörigen verlieren einen wichtigen Menschen. „Auch wir brauchen unsere Rituale, um zu trauern und den Verlust zu verkraften. Schließlich gehen wir diesen Weg mit unseren Gästen gemeinsam und sind für sie da“, erklärt Karama.

Stirbt ein Mensch, bleibt er so lange in seinem Zimmer, bis ihn der Bestatter abholt. Die Pflegekräfte bereiten ihn dort zur Leichenschau vor. Sie kleiden den Verstorbenen an, richten das Zimmer her, legen Blütenblätter auf die Bettdecke und zünden eine Kerze an. Vor dem Zimmer wird eine Laterne aufgestellt und eine Blume niedergelegt.

Karama und ihre Mitarbeiter sprechen regelmäßig über die Verstorbenen. Sie erinnern sich an Eigenheiten, schöne, lustige, aber auch traurige Momente. Im Raum der Stille werden personalisierte Steine aufbewahrt. Auf ihnen stehen der Name, der Geburts- sowie der Todestag jedes Verstorbenen. „Wir planen zwei bis drei Gedenkfeiern pro Jahr, zu denen auch die Angehörigen eingeladen werden. An diesen Tagen bekommen die Steine einen Ehrenplatz im Garten“, sagt Karama. Auf diese Weise bleiben alle Gäste auch über den Tod hinaus in Erinnerung und Teil des Ortes, der ihnen bis zum Schluss ein Zuhause war.

+++ Extra Info +++

Auf Spenden angewiesen

Die Kosten des Hospiz werden nur zu 95 Prozent durch die Krankenkassen getragen. Fünf Prozent der Ausgaben müssen durch Spenden finanziert werden. Durch eine Mitgliedschaft im Förderverein wird die Hospizarbeit unterstützt. Den Antrag gibt es auf hospiz-kellerwald.org. Ebenso sind Einzelspenden auf folgende Konten möglich:

KSK Schwalm-Eder IBAN: DE39 520 521 541 235 021 399 BIC: HELADEF1MEG

VR Bank HessenLand IBAN: DE50 530 932 000 001 050 230 BIC:GENODE51ALS

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

KRV der Schwalm lädt zum Reitturnier "Schwalm Klassiker" ein

Auch in diesem Jahr findet der Schwalm Klassiker des Kreisreitervereins der Schwalm an zwei Wochenenden statt.
KRV der Schwalm lädt zum Reitturnier "Schwalm Klassiker" ein

Viele Aktionen beim Moonlight Shopping in Treysa

Bis Mitternacht können die Besucher des Moonlight Shoppings wieder
Viele Aktionen beim Moonlight Shopping in Treysa

Fehler am Bau: Wasserschaden im Hospiz Kellerwald in Gilserberg

Nachlässige Arbeit der Bauarbeiter: Ein nicht fachgerecht angebrachtes Waschbecken sorgte für einen Wasserschaden.
Fehler am Bau: Wasserschaden im Hospiz Kellerwald in Gilserberg

Johannisfest lockte viele Besucher an die Treysaer Totenkirche

In diesem Jahr fand das beliebte Johannisfest an der Treysaer Totenkirche und nicht auf dem Marktplatz statt.
Johannisfest lockte viele Besucher an die Treysaer Totenkirche

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.