Sie gaben sogar ihre Jobs auf: Junges Pärchen erfüllt sich Traum vom Imkern

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Nadine Seligmann und Sebastian Steinborn gaben ihre sicheren Jobs als Krankenschwester und Informatiker auf, um Imker zu werden. Foto: Lindner

Trotz guter Jobs waren sie unzufrieden und wollten etwas Neues beginnen: Nun kümmert sich ein junges Pärchen um 50 Bienenvölker - und ist glücklich wie nie.

Edertal-Wellen/Gilserberg. Was bei vielen nur Kopfschütteln verursacht, war für Nadine Seligmann und Sebastian Steinborn aus Edertal die einzig logische Entscheidung. Das junge Paar gab seine sicheren Jobs als Krankenschwester und Informatiker auf, um Imker zu werden. Jetzt sind die beiden glücklicher als je zuvor in ihrem Leben.

Unzufrieden und ausgelaugt kam Nadine Seligmann täglich nach der Arbeit zu ihren Eltern. Als Krankenschwester würde sie nicht glücklich, das wurde ihr immer klarer. Und das, obwohl es ihr Traumberuf war. „Mein Vater hat mir dann immer wieder vorgeschlagen, zur Imkerei zu wechseln“, erinnert sich die 27-Jährige.

Nicht ohne Grund, denn ihre Eltern, Jörg und Doris Seligmann, betreiben seit 18 Jahren eine Imkerei in Gilserberg. „Die beiden sind so zufrieden mit ihrer Arbeit, das kannte ich von mir gar nicht.“ Denn die Arbeit im Krankenhaus sei heute mehr Massenabfertigung als persönliche Betreuung. „Mir fehlte einfach die Zeit“, sagt Seligmann.

In Scharen drängen sich die Bienen auf den Waben.

Auch Zeit, die sie gerne mit ihrem Partner, Sebastian Steinborn, verbracht hätte. Beide arbeiteten in Schichten, hatten  alle sechs Wochen mal ein Wochenende zusammen frei. „Wir sind dann zusammengezogen und wir dachten, dann würden wir uns öfter sehen“, erklärt Steinborn. Aber auch das habe nicht funktioniert. „Wenn ich Heim kam, musste er los und wenn ich aufstand, kam er ins Bett“, so Seligmann.

Verantwortlich für über 50 Völker

Dabei war die Lösung ständig vor ihrer Nase: Die Imkerei. Seit Anfang des Jahres kümmert sich das junge Paar mit um die circa 50 Bienenvölker von Doris und Jörg Seligmann. Außerdem haben sie auch schon zwei eigene Völker. Im Sommer will Sebastian Steinborn sich sogar selbstständig machen.

Der Imker und seine fleißigen Arbeiter: Während Sebastian Steinborn kontrolliert, wie der Stand bei den Bienenwaben ist (Foto, li.), messen die „Arbeiter“ den noch zu füllenden Freiraum aus.

 Bald übernimmt das junge Paar die Imkerei in Gilserberg komplett, den Marktstand betreiben sie schon jetzt. „Auch wenn uns viele angucken wie ein Auto – es ist uns wichtiger, glücklich zu sein“, betonen sie. Dazu gehört für die beiden Jung-Imker nicht nur das Geld, sondern vor allem Zeit. Diese können sie sich jetzt frei einteilen. „Wir können uns jetzt die Zeit nehmen, die wir sonst nicht hatten.“ Obwohl Nadine Seligmann ihre Kollegen im Krankenhaus oft vermisst.

Nach eigener Aussage waren die beiden schon immer Freigeister und sehr naturverbunden. Mit der Imkerei könnten sie dieser etwas zurückgeben, was der Mensch ihr täglich nehme. Immerhin seien Bienen gefährdet und nach Schweinen und  Rindern die drittwichtigsten Nutztiere. „Dabei geht es nicht mal um den Honig, sondern um die Bestäubungsarbeit“, erklärt Sebastian Steinborn.

Besonders schade sei aber, dass es vielen Imkereien an Nachwuchs fehle. Der Altersdurchschnitt bei Tagungen läge bei circa 60 Jahren. Dabei braucht der Mensch die Biene, wie zahlreiche Studien belegen. Ohne das gestreifte Insekt könnte auch die Menschheit nicht lange überleben, so Imker Steinborn.

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