Interview zur Wärmewende: Was tun mit meiner Ölheizung?

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Sollen aus deutschen Kellern verschwinden: alte Ölheizungen mit hohem CO2-Ausstoß.

Über fünf Millionen Ölheizungen existieren in deutschen Kellern. Alten Exemplaren, die viel CO2 ausstoßen, soll es nun an den Kragen gehen. Verbraucher stellen sich die Frage, ob sie ihre Heizung jetzt modernisieren oder noch abwarten sollen. Innungs-Obermeister Arno Hucke gibt Antworten.

Der Grundsatzbeschluss der Bundesregierung zur sogenannten „Wärmewende“ sorgt für Diskussionen. Umstritten ist vor allem das geplante Verbot neuer Ölheizungen ab 2026. In den deutschen Heizungskellern existieren noch insgesamt 4,8 Millionen Ölheizungen mit Heizwerttechnik und weitere 650.000 mit Brennwerttechnik. „Was tun?“, fragen sich betroffene Verbraucher. Arno Hucke, Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Schwalm-Eder, spricht über die Auswirkungen des neuen Klimapaketes.

Sofern der vom Kabinett beschlossene Entwurf im Rahmen des „Klimapakets“ Gesetz wird, dürfen ab 2026 keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden. Wie bewertet die Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Schwalm-Eder das Eckpunktepapier der Bundesregierung?

Grundsätzlich begrüßen wir die Maßnahmen des neuen Klimaschutzprogramms der Bundesregierung. Viele unserer Forderungen, wie beispielsweise die steuerliche Förderung energetischer Sanierungen oder aber eine Austauschförderung für alte Feuerstätten, finden sich in dem Eckpunktepapier wieder. Allerdings sind die Maßnahmen längst überfällig.

Arno Hucke, Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Schwalm-Eder.

Wir haben einen enormen Sanierungsstau in unseren Heizungskellern. Wenn wir es mit dem Klimaschutz wirklich ernst meinen, müssen wir konkrete Anreize für den Austausch alter Heizungsanlagen schaffen. Das wird hoffentlich jetzt mit der Gesetzesinitiative geschehen. Selbst der geplanten CO2-Bepreisung können wir Positives abgewinnen. Allerdings müssen die Einnahmen hieraus auch tatsächlich in konkrete Fördermaßnahmen fließen.

Nicht einverstanden sind wir hingegen mit dem Verbot von Ölheizungen ab 2026. Verbote führen beim Verbraucher in der Regel zu einer erheblichen Verunsicherung oder besser gesagt zu einer Schockstarre. Das spüren unsere Innungsbetriebe schon jetzt. Deswegen muss der Gesetzgeber hier schnellstmöglich Klarheit schaffen.

Was bedeutet denn das Verbot konkret? Darf der Hauseigentümer ab 2026 überhaupt noch Ölheizungen einbauen lassen ? Und wie sieht es mit Gasheizungen aus?

Bis Ende 2025 können Hauseigentümer wie bisher bei der Heizungsmodernisierung ein Öl-Brennwertgerät einbauen und bekommen sogar noch bis Ende des Jahres über die KfW- Bank einen Investitionskostenzuschuss von bis zu 15 Prozent.

Ab 2026 ist der Einbau dann voraussichtlich nur noch zulässig, wenn erneuerbare Energien mit eingebunden werden. Man spricht in diesem Fall von sogenannten Hybridsystemen, die das Ölbrennwertgerät zum Beispiel mit Solarthermie- oder aber auch mit einer Wärmepumpenanlage ergänzen. Gas-Brennwertheizungen können hingegen auch ohne Einschränkungen weiterhin eingebaut werden.

Der Ersatz „klimafreundlicherer Modelle“ soll vom Bund mit 40 Prozent bezuschusst werden. Welche Modelle sind zukünftig förderfähig und welche nicht?

Die Beschlüsse des Klimakabinetts sehen eine Austauschprämie für alte Heizungen vor, die ausschließlich mit fossilen Energieträgern betrieben werden. Die Umstellung auf Heizsysteme mit erneuerbaren Energieträgern soll mit bis zu 40 Prozent unterstützt werden.

In Frage kommen dabei zum Beispiel Wärmepumpensysteme oder aber auch eine Brennstoffzellenheizung. Sind diese Systeme aufgrund technischer Besonderheiten nicht realisierbar, sollen voraussichtlich auch Gas- Hybridsysteme gefördert werden, wenn diese anteilig erneuerbare Energie einbinden. Für die bereits erwähnten Ölbrennwertgeräte mit kombinierten Hybridlösungen wird es hingegen keine Förderung geben.

Neben der Austauschprämie für alte Heizungsanlagen möchte die Bundesregierung für energetische Sanierungen auch steuerlich Anreize schaffen. Wie sehen diese konkret aus und wie erfolgt die steuerliche Abschreibung?

Deutschland ist das Land der Steuersparer. Wir nutzen gerne steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten. Ab dem kommenden Jahr werden voraussichtlich auch energetische Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden steuerlich gefördert.

Hierunter fallen auch Einzelmaßnahmen, wie die Sanierung einer Heizungsanlage. Noch nicht bekannt ist, ob an die steuerliche Förderung weiter Anforderungen geknüpft werden – wie etwa die erforderliche Einbindung von erneuerbarer Energie. Von den Gesamtinvestitionskosten der Sanierung kann der Steuersparer 20 Prozent seiner Steuerschuld, über drei Jahre verteilt, abziehen.

Was empfehlen Sie einem Kunden, der die Modernisierung seiner Heizungsanlage aktuell in Erwägung zieht. Die richtige Entscheidung ist bei den ganzen Technologien und Förderungen für den Kunden alles andere als einfach. An wen kann sich der Kunde wenden?

Gott sei Dank haben wir diese Technologievielfalt. Das ermöglicht für alle individuellen Anforderungen und Möglichkeiten die richtige Lösung.

Allerdings gebe ich zu, dass die richtige Wahl ohne eine professionelle Beratung für den Laien extrem schwierig ist. Da helfen auch keine schlauen Ratschläge aus dem Internet. Eine professionelle Beratung sollte daher durch einen Fachbetrieb der Innung erfolgen. Nur dann kann der Kunde auch die jeweiligen Vor- und Nachteile wirklich gegeneinander abwägen und abschätzen, was am Ende, trotz einer Förderung, auch finanziell machbar ist.

Viele Maßnahmen des Klimapakets sind noch nicht beschlossen. Sollten Kunden daher eher abwarten oder schon jetzt tätig werden? 

Das muss jeder für sich entscheiden. Wer aber seine Heizungsanlage konventionell mit dem Einbau einer Gas- oder Ölbrennwertheizung sanieren möchte, der sollte das jetzt tun und zwar mit den aktuell bestehenden Förderprogrammen.

Die Anforderungen für die zukünftige Austauschprämie sind nämlich schon sehr hoch und die Mehrkosten für die Einbindung der erneuerbaren Energie müssen bei der Entscheidung hinreichend berücksichtigt werden.

EXTRA-INFO: Das Ziel des Klimapakets

Das Klimapaket der Bundesregierung wurde am 15. November vom deutschen Bundestag angenommen. Jetzt muss es noch vom Bundesrat bestätigt werden. Parallel werden in den Fachministerien noch die genauen Regelungen zur Umsetzung in die Praxis erarbeitet. 2020 sollen erste Ergebnisse aus dem Klimapaket bei den Bürgern ankommen.

Das Paket zielt unter anderem darauf ab, Heizungen mit besonders hohem CO2-Ausstoß auszutauschen. Das betrifft insbesondere alte Ölheizungen. Deshalb werden fossile Energieträger künftig durch einen Preisaufschlag pro freigesetzter Tonne CO2 verteuert.

Gefördert werden hingegen alle Heizungen, die erneuerbare Energien nutzen – beispielsweise Wärmepumpen oder solarunterstützte Gas-Brennwertheizungen. Um den Wärmebedarf von Häusern zu senken, werden zudem energetische Sanierungsmaßnahmen steuerlich absetzbar. Verbraucher sollen so ermutigt werden, in den Klimaschutz zu investieren.

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