Wird Lost-Place zur Wellness-Oase? Investoren planen Nutzung der ehemaligen Neukirchener Reha-Klinik 

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Wo jetzt noch Schutt und Scherben liegen, soll schon bald ein Resort aus Hotel, Restaurant, Bar, Café, einem Ärztehaus, einer Pension und möglicherweise auch einem Wohnpark entstehen.

Seit 17 Jahren ist die ehemalige Reha-Klinik in Neukirchen nun schon verlassen und inzwischen zu einem Lost-Place verkommen. Das soll sich jetzt ändern. Investor Stefan Pfeffer will das Areal kaufen und eine Art Wellness-Resort entstehen lassen.

Neukirchen. Mehrfach hat unsere Zeitung in den vergangenen Jahren über die ehemalige Reha-Klinik im Neukirchener Urbachtal berichtet. Mal ging es um die Mystik des verlassenen und vergessenen Ortes mitten im Wald, mal um die geplante Nutzung der Gebäude als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, mal um den Schuldenberg, den der niederländische Eigentümer gegenüber der Stadt Neukirchen auftürmen ließ.

Stets wurde der völlig desolate Zustand des 60 Jahre alten Komplexes deutlich. Dieser besteht aus mehreren Gebäuden mit zwei Schwimmbädern, einer Sporthalle, diversen Therapiegebäuden und einem großen Wohnkomplex für Patienten. Die gibt es allerdings seit 17 Jahren nicht mehr – auch ansonsten keine Menschenseele. Dafür Scherben, Schmierereien, Blutkonserven, Medikamente und – kaum zu glauben, aber wahr – persönliche Dokumente.

Die ehemalige Neukirchener Reha-Klinik ist marode, unbenutzt und durch Vandalen völlig verwüstet. Jetzt aber, da es wieder ruhig geworden ist um die ehemalige Reha-Klinik, taucht ein Investor aus Büdingen auf. Der hat ein Konzept im Gepäck: Stefan Pfeffer will – zusammen mit seinem Geschäftspartner Roland Redel, einem erfahrenen Sternekoch und Hotelfachmann – das Areal erwerben. 800.000 Euro will seine noch zu gründende GmbH „The Peppers inc.“ dem jetzigen Eigentümer zum Kauf anbieten. Nach erfolgreicher Übernahme („die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss“) soll aus der einstigen Reha-Klinik das „Café Sunshine“, die Pension „Waldschlösschen“, ein Ärztehaus, das Restaurant und Hotel „Moonlight“ werden. Wie Pfeffer gegenüber unserer Zeitung erklärt, sei außerdem ein Wohnpark für Menschen ab 55 Jahren in Planung.

 

Pfeffer sieht viel Potential im Bestand: „Ein Gutachter hat festgestellt, dass sich in den Gebäuden beispielsweise kein Hausschwamm befindet. Die Dächer sind größtenteils gut erhalten. Es gibt natürlich sehr viel zu tun. Aber die Bausubstanz ist vorhanden und an sich funktioniert sie auch noch.“ Keine Frage, der 40-jährige Handelsfachwirt ist vom Areal überzeugt. Sein Konzept ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Sogar Speisekarte, Preisgestaltungen und Zimmereinrichtung stehen fest.

Pfeffer plant mit einem Umsatz von rund 600.000 Euro vor Steuern nach dem ersten Geschäftsjahr. Im Jahr darauf könnten es 2,2 Millionen Euro vor Steuern sein. Das Resort soll zunächst Arbeitgeber von 30 bis 50 Menschen werden. „Dabei ist der Wohnpark, für den noch am Konzept gearbeitet wird, nicht berücksichtigt. Natürlich sind das auch noch Mutmaßungen. Wir müssen abwarten, wie gut die Anlage überhaupt angenommen wird“, stellt Pfeffer klar. Seine geplanten Gesamtinvestitionskosten: rund 10,5 Millionen Euro ohne Wohnpark bzw. rund 26 Millionen Euro mit Wohnpark.

Kneipp-Anwendungen sollen angeboten werden

Die Stadt Neukirchen führt die Prädikate Kneippheilbad und Luftkurort. Geht es nach Pfeffer, trägt auch das Resort künftig seinen Anteil dazu bei. „Wir wollen Indoor- und Outdoor-Kneippanwendungen anbieten. Außerdem sind die Gerichte im Restaurant nach Kneipp geplant“, so der Investor. Allein das Hotel Moonlight soll über einen Wellnessbereich, eine Salzgrotte und einen Saunen-Bereich verfügen.

Aktuell führe Pfeffer Gespräche mit vier Ärzten, die sich auf dem Areal niederlassen könnten. Die erfolgreiche Umsetzung von Pfeffers Plan hängt wesentlich von zwei Faktoren ab: Der jetzige Eigentümer muss zunächst dem Kaufangebot zustimmen. Zudem müssen Fremdinvestoren bereit sein, die Hälfte der Investitionssumme – also rund 5 Millionen Euro – beizusteuern. Pfeffer sieht dem optimistisch entgegen: „Ich stehe mit einigen Neukirchener Unternehmen in engem Kontakt.“

Dann spricht der 40-Jährige noch etwas an, das vor allem Bürgermeister Klemens Olbrich erfreuen könnte: „Der holländische Eigentümer hat noch mehrere hunderttausend Euro Schulden bei der Stadt. Da möchte ich mich kooperativ zeigen.“ Ins Schwärmen für die ehemalige Reha-Klinik kam der Büdinger übrigens bei einem zufälligen Waldspaziergang durch das Neukirchener Urbachtal. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich aus einem Zufall heraus ein Geschäft entwickelt, von dem gleich mehrere Seiten profitieren könnten.

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