Kapelle Schönberg in Röllshausen bekommt Glockenläut-Anlage

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Zum letzten Mal überhaupt legten Gerhard Dickel (li.) und Heinz Diehl Hand an. Sie läuteten am Samstag die Glocken der Schönberg-Kapelle im Rahmen einer Hochzeit. Jetzt weicht die manuelle Anlage einer neuen, elektrischen. Foto: Privat

Die über 1.000 Jahre alte Kapelle Schönberg in Röllshausen bekommt nun eine automatische Läutanlage.

Röllshausen. Auf dem Schönberg in Röllshausen ist es ruhig geworden. Nach dem Tod von Glöckner Heinz Geisel (wir berichteten), läutet niemand mehr regelmäßig die Glocken der Kapelle. 14 Jahre lang schritt Geisel die 124 Stufen bis in den Glockenturm hinauf. Jeden Tag. Ohne Ausnahme. Hier oben zog er kräftig an den dicken Seilen und brachte so die Glocken zum Läuten. Immer pünktlich um 11 und um 18 Uhr. Darauf konnten sich die Bewohner des Schönbergs und Röllshausens verlassen – bis zu Geisels Tod im Februar dieses Jahres.

"Wir hätten gern mit Hand weiterläuten lassen. Aber wir haben, trotz mehrfachem Ansprechen, niemanden gefunden, der das machen möchte", erklärt Heinz Diehl vom Förderverein Kapelle Schönberg im Gespräch mit dem SCHWÄLMER BOTE. Und so muss eine neue, vollautomatische Glockenläut-Anlage her. Die kostet rund 17.000 Euro. Zwar ist ein großer Teil der Anlage bereits finanziert, doch hofft der Förderverein für die ausstehenden Zahlungen noch auf Spendenbeiträge (Extra-Info). Bis die neue Glockenläut-Anlage installiert ist, herrscht vorerst Ruhe auf dem Schönberg. Am Samstag vergangener Woche haben Heinz Diehl und Gerhard Dickel zum letzten Mal die Glocken per Hand geläutet. Eine Hochzeit gab den Anlass.Nun soll möglichst schnell die neue Anlage her.

Den Umbau übernimmt die Firma HEW (Herforder Elektromotoren-Werke GmbH & Co. KG). Die Glocken wurden bereits im Laufe dieser Woche abgehängt. In einem zweiten Schritt werden nun die Holzjoche abgebaut und neu beschlagen. Zur Sicherung der elektrischen Läutung muss ein neuer Balken eingezogen werden. Durch die vermehrte Vibration der elektrischen Anlage müssen die schweren Glocken neu gelagert werden. "Bis zum Tag des Denkmals, am zweiten Sonntag im September, sollte der Umbau – wenn möglich – fertig sein. Das wäre zumindest schön", sagt Diehl.

Ein Gotteshaus mit langer Geschichte

Die Kapelle Schönberg ist über 1.000 Jahre alt. Das Gelände rund um die Kirche diente einst als Begräbnisstätte. Noch heute sind 120 alte Grabdenkmäler Zeugen ihrer Zeit. Um 1990 war die Kapelle baufällig. Aufgrund morscher Trägerbalken und drohendem Einsturz musste die Kapelle geschlossen werden. Infolgedessen wurde 1994 ein Förderverein gegründet. Dessen Aufgaben: Die Restauration und Instandsetzung des Gebäudes. Die fälligen Kosten übernahmen Landeskirche, Denkmalpflege, Gemeinde und Förderverein. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nach umfassenden Renovierungsmaßnahmen und mehreren Bauabschnitten öffnete die Kapelle im Jahr 2001 wieder ihre Pforten.

Inzwischen ist das historische Gebäude in alltäglichem Gebrauch. Es gilt als eines der Wahrzeichen der Schwalm. Eigentümer ist die Gemeinde Schrecksbach. Kanzelrecht hat Pfarrer Thomas Lux.

Das Amt des Glöckners hatten während des 20. Jahrhunderts Johan Jost Roth, Peter Dickel, Roman Selentschick, Franz Lukes, Johannes Dietz und zuletzt Heinz Geisel inne.+++ Extra Info +++

Sie können spenden!

Der Förderverein Kapelle Schönberg bittet um finanzielle Unterstützung. Wer spenden möchte, kann folgendes Spendenkonto angeben: Förderverein Kapelle Schönberg, IBAN: DE54520521541241320157, Kreissparkasse Schwalm-Eder. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt.

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