Georg Ide führt eigenständige Tankstelle in Loshausen

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„Ich bin bekannt wie ein bunter Hund“, sagt Georg Ide von sich selbst, als lokalo24.de den sympathischen Loshäuser an seiner Kult-Tanke trifft.

Ohne Druck durch Mineralöl-Konzerne: Georg Ide aus Willingshausen-Loshausen führt eine freie und eigenständige Tankstelle.

Willingshausen-Loshausen. Es ist Wochenstart, als schon in den frühen Morgenstunden etliche Autos durch Loshausen rollen. Viele Berufstätige pendeln auf dem Weg zur Arbeit über die K 104, den Zubringer zwischen Schwalmstadt und Alsfeld. Nahezu jeder von ihnen dürfte Georg Ide kennen und mindestens schon einmal ein Schwätzchen mit ihm gehalten haben. Der 79-Jährige ist Besitzer der Loshäuser Tankstelle „Sebastian Ide“.

Seit mehr als 80 Jahren existiert die Schwälmer Kult-Tanke. Sie ist gewissermaßen eine Besonderheit. Denn die Zapfstelle ist nicht, wie die meisten anderen, einem großen Mineralöl-Konzern verpflichtet. „Ich bin eigenständig. Ich kann frei einkaufen und frei verkaufen. Ganz ohne Druck von oben“, sagt Ide mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. 50 Jahre lang habe er Geschäfte mit dem Mineralöl-Konzern „Esso“ gemacht. „Dann war der von uns zu leistende Mindestumsatz von zwei Millionen Liter pro Jahr nicht mehr zu erreichen“, erklärt der Tankwart. Macht nichts – denn seither macht Ide sein eigenes Ding. Und die Arbeit macht ihm merklich Spaß. „Ich fühle mich frei“, bringt er es auf den Punkt.

Die Preise bleiben lange Zeit konstant

Während die meisten Tankstellen-Pächter mehrmals am Tag ihre Spritpreise angleichen müssen, bleiben die Zahlen in Loshausen konstant. „Ich kaufe wöchentlich ein. Der Preis bleibt dann auch mindestens eine Woche lang stehen“, erklärt Ide. Seine Unbekümmertheit spüren auch die Kunden – kaum einer kommt dem Loshäuser davon, ohne nicht noch einen guten Spruch mit auf den Weg zu bekommen.

Den meisten gefällt das. Viele scheinen gerade deshalb ihr Auto am liebsten im kleinen Loshausen zu betanken. Wenn Ides Kunden mit ihrem Auto an die Zapfsäule müssen, nutzen sie auch gleich die Gelegenheit, eine Anekdote loszuwerden. Nicht selten wird aber auch über das aktuelle Weltgeschehen diskutiert, meist mit einem Augenzwinkern. „Dann geht es um Gott und die Welt. Oder einfach nur um Donald Trump“, sagt Ide.

Auch der sympathische Tankwart hat einige Geschichten auf Lager. Am liebsten erzählt er von seinem Vater Sebastian, der die Tankstelle 1936 eröffnete. „Durch den Krieg kam dann eine schwierige Zeit, ehe die Tankstelle wieder voll florierte“, erinnert sich der 79-Jährige, der schon 1948 mit gerade einmal zehn Jahren in der Zapfstelle aushalf.

Hier wird das Tanken zur Zeitreise

Ein Besuch in Ides Tankstelle wirkt tatsächlich wie eine kleine Zeitreise. Keine modernen Anzeigentafeln, die ständig neu aufblinken. Keine lästigen Fragen nach Bonus-Karten oder Treue-Punkten. Keine App, die Smartphone-Nutzern schon während der Fahrt verraten, wie teuer der Sprit gerade in Loshausen ist. Autofahrer, die hier tanken, machen automatisch eine Pause vom hektischen Alltag. Und sie merken, wie schön es sein kann, frei zu sein.

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