501 Kilometer auf dem Goldsteig: Borkener Extrem-Läufer Markus Heppe musste kurz vorm Ziel aufgeben

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Viele fanden sein Vorhaben verrückt: Doch Markus Heppe wollte beim Laufen den Moment der Glückseligkeit finden. Dafür bewältigte er 500 Kilometer des Goldsteigs zusammen mit Mischlingshund „Milo“.

Borken. Es heißt, dass jeder normal sportliche Mensch einmal in seinem Leben einen Marathon gelaufen sein sollte. Für den einen scheint die Distanz von 42,195 Kilometer schier unvorstellbar zu sein, für andere aber wiederum eine große, aber machbare Herausforderung. Wie aber fühlt es sich an, wenn man in lediglich acht Tagen 50.000 Kilokalorien verbraucht, dabei zwölf Eintausender-Gipfel an einem Tag überquert, knapp 15.000 Höhenmeter auf- und wieder absteigt und eine Distanz von 501 Kilometer läuft? Das sind täglich über 60 Kilometer!

Markus Heppe ist so ein Extremläufer der vergangene Woche genau diese Zahlen für sich dokumentiert hat. Eigentlich sollten es sogar 660 Kilometer werden. Doch eine Bindegewebsentzündung am Sprunggelenk zwang den Fitnesscoach 160 Kilometer vor dem eigentlichen Ziel zum Abbruch.

Wenn man dem Borkener zuhört, wie er von seinem Erlebnislauf entlang dem Goldsteig erzählt, klingt es schon fast wie eine kleine Abenteuergeschichte: Wolfs- und Luchsspuren im Schnee, nebliges und unwegsames Gelände, riesige Felsblöcke, wurzlige Pfade. Und dann war da noch eine ungewöhnliche Verfolgung abseits jeglicher Zivilisation.

Schaut man sich sein Leistungsspektrum mal etwas näher an, so lief Heppe allein in den ersten zwei Tagen über 150 Kilometer entlang des Burgweges. Ein Gelände ähnlich dem Nordhessischen: Hügelig, leicht bergig und eine perfekte Einstimmung auf das, was ihn noch erwarten sollte: Nämlich Höhenlagen mit nahezu allen Herausforderungen, die die Natur für einen Trailrunner so parat hatte. „Es war ein sehr schöner Lauf“, erzählt Heppe. „Sehr anstrengend, manchmal einsam aber immer wieder mit neuen Herausforderungen.“ Immerhin ging es fast eine ganze Marathondistanz über Schnee und Eis. Ganz zu schweigen von den vielen Stein- und Felsenpassagen und den unzähligen Anstiegen.

Dass es nicht einfach werden würde, war sich der ehemalige Rettungssanitäter stets bewusst. Aber genau das scheint der Punkt zu sein, der einen Extremläufer ausmacht: Die Faszination des Schwer-Machbaren, die Leidenschaft für Abenteuer und der respektvolle Umgang mit der Natur.

Probleme tauchen auf

An der höchsten Erhebung des Böhmischen- und Bayrischen Waldes, dem Großen Arber, verlor Heppe aufgrund der Witterung seinen Pfad. Mit Hilfe seines GPS und der Auskunft eines Skifahrers fand er zwar schnell auf seinen Weg zurück. Vom Skifahrer erfuhr er aber, dass ein Weiterkommen über den bevorstehende Rachel und Dreisessel aufgrund der Schneemassen nicht möglich war. So musste kurzerhand eine Ausweichroute geplant werden, die den Borkener letztendlich seitlich an der unpassierbaren Route vorbei führte.

Kurz vor Passau kam es zu einer Verfolgungssituation. Ein ausgewachsener Schäferhund nahm die heimliche Verfolgung auf. „Er ließ sich einfach nicht abschütteln (…) das war schon angsteinflößend.“ Selbst bei Tempoerhöhungen auf der geraden oder in Bergabpassagen: Der Hund war immer wieder da. Über eine Strecke von 15 Kilometer verfolgte „Lupo“ den Nordhessen – am Ende mit hängender Zunge. Sein Frauchen hatte ihn schließlich geortet und auf einer Landstraße eingesammelt. Lupo hatte ein Trackerhalsband.

In Passau, beim Wechsel auf die Südroute, holten Heppe die körperlichen Probleme ein. Zwar lief er noch etliche Kilometer mit einem geschwollenen Knöchel, doch am Ende, nach 501 Kilometern, musste er abbrechen. „Der Kreislauf war nicht das Problem. Es war der Fuß“, erzählt Heppe. Überhaupt war der ganze Lauf für den Borkener eine mentale Herausforderung. „Gerade wenn du erkennst, dass du das nicht schaffst, fragst du dich, ob du dein persönliches Ziel erreicht hast. Meinen Moment der Glückseligkeit habe ich entlang der Strecke jedenfalls gefunden und bin mehr als zufrieden“.

Dem Fitnesscoach kommt es nicht so sehr auf die Quantität an. Kilometer sind ihm tatsächlich nicht so wichtig. Vielmehr ist es die Qualität, sich wohl zu fühlen, Spaß am Laufen zu haben und auch mal über seinen Schatten springen zu können. Und das wird er schon bald wieder tun. Die nächsten Pläne des Ultraläufers sind Anfang Juni der Hochkönigman in Maria Alm und im Juli der Großglockner Berglauf.

„Das sind nur 75 Kilometer“, erzählt Heppe und fügt mit einem Lachen hinzu, „Aber 4.000 Höhenmeter!“ Wer auch einmal mit dem Fitnesscoach trainieren möchte, sollte den 43-Jährigen kontaktieren. Dabei ist die Lauferfahrung Nebensache. Wichtig ist, dass man Spaß hat und bereit ist, für seinen Körper etwas zu tun.

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