Aus dem Knüll nach Afrika: Annika Arndt aus Neukirchen leistete ein Jahr lang Freiwilligendienst in Ghana

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Von der behüteten Schwalm in die große, weite Welt: Annika Arndt aus Neukirchen verschlug es in das rund 7.200 Kilometer entfernte Vakpo im Süden Ghanas. Schon in der Mittelstufe stand für die heute 19-Jährige fest, dass sie nach dem Abitur die Welt entdecken und dabei Gutes tun möchte.

Seit einem halben Jahr hat Annika Arndt nun schon wieder deutschen Boden unter den Füßen. „Bald fliege ich aber wieder runter – für ein Praktikum auf einer Palmöl-Plantage“, sagt die Neukirchenerin voller Vorfreude. Nach dem Abitur hat die 19-Jährige fast ein Jahr lang Freiwilligendienst in Ghana geleistet. An einer Schule in Vakpo (Volta Region) hat sie – zusammen mit zwei weiteren Freiwilligen – während der unterrichtsfreien Zeit Jugendliche und junge Erwachsene gefördert. Ihre Schüler lernten dabei nicht nur Lesen und Schreiben.

Beliebt waren vor allem Arndts Kunst- und PC-Kurse. „Wir haben auch einen Teenage-Pregnancy-Talk (Gespräche über Schwangerschaften im Jugendalter, Anm. d. Red.) angeboten. Das ist ein großes Thema in Ghana. Wir hatten einen offenen Umgang mit Tabu-Themen. Das war wichtig“, resümiert Arndt. Bei ihrem Besuch in unserer Redaktion schwelgt die 19-Jährige in Erinnerungen an ihren Afrika-Aufenthalt: „Wir haben mit den Schülern auch ein Upcycling-Projekt gestartet. Aus vielen alten Flaschen-Packs entstand am Ende ein neues Netz für ein Fußballtor.“ Arndts Schüler waren zwischen 13 und 20 Jahre alt – einige also älter als ihre Lehrkraft selbst.

Den lang gehegten Traum zur Erfüllung gebracht

Die Idee, nach dem Abitur aus der behüteten Schwalm in die weite Welt zu gehen, war schon früh entstanden. „In der Mittelstufe war klar, dass ich ins Ausland möchte. Aupair und Work and Travel waren mir aber zu mainstream“, erklärt Arndt. Über die Organisation „Weltwärts“ war sie schließlich fündig geworden. Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst hatte Arndts Interesse geweckt.

Doch bevor der Flieger gen Süden abhob und sich Arndts Traum erfüllen sollte, besuchte die Neukirchenerin noch einige vorbereitende Seminare. Dabei lernte die neugierige Schulabsolventin auch ihre beiden Mitfreiwilligen kennen. Auf die Frage, ob der Gedanke ans Allein-Reisen – ganz ohne Schulfreundinnen, Bekannte und Verwandte – nicht auch ein wenig Besorgnis erregte, antwortet Arndt: „Wenn man jemanden mitnimmt, den man kennt, dann öffnet man sich nicht für neue Bekanntschaften.“

Und wie reagierte die eigene Familie auf Arndts Abenteuerdrang? „Die hat mich immer unterstützt. Ich habe ganz coole Eltern. Und Ghana ist ja auch eines der sichersten Länder Afrikas“, sagt Arndt. Um sich auf das Abenteuer Afrika vorzubereiten, habe Arndt viel im Internet recherchiert – zu Vorurteilen, Bräuchen, Gepflogenheiten und nützlichem Equipment, das im Reisekoffer auf keinen Fall fehlen durfte.

Die ghanaische Mentalität mit nach Hause gebracht 

Besonders positiv ist Arndt die Kirche in Erinnerung geblieben. Der Gottesdienst in Ghana sei mit unserem nicht zu vergleichen: „Die Kirche dauert dort schon mal vier Stunden. Ich bin einmal pro Monat dort gewesen. Während des Gottesdienstes wird viel gesungen, geklatscht und getanzt.“ Angetan habe es ihr aber auch der Klamottenstil der Ghanaer. „Die Kleidung darf nicht zu kurz und freizügig sein. Dafür werden aber alle Farben und Muster getragen. Ghana ist richtig bunt“, sagt Arndt.

Die Begeisterung für afrikanische Outfits habe sich rasch auf die Deutsche übertragen. Prompt habe sich Arndt einige farbenfrohe Kleider schneidern lassen. Aber nicht nur den afrikanischen Kleidungsstil hat Arndt übernommen, sondern auch die ghanaische Mentalität. „Ich bin wesentlich offener, lockerer und gelassener geworden. Man bekommt in Ghana ein ganz anderes Zeitgefühl“, sagt Arndt.

Seit ihrer Rückkehr sei sie wesentlich geduldiger – beispielsweise in Wartezimmern von Ärzten. In Ghana müsse man auch wesentlich länger warten, wenn man ein Taxi bestellt oder mit Bekannten verabredet ist. „Warum müssen wir Deutschen immer so hektisch sein? Es kann auch ohne Plan funktionieren“, gibt Arndt zu bedenken. „Die Ghanaen sind viel freundlicher und offener als die meisten Europäer. Man wird dort immer wieder herzlich zum Essen eingeladen.“ Gewöhnungsbedürftig sei es allerdings schon gewesen, als weiße Frau durch die Straßen Ghanas zu schlendern. „Da fühlt man sich, als sei man berühmt. Man wird immer angestarrt. Und Hellhäutige werden direkt mit Reichtum verbunden.“

Sei’s drum – die positiven Eindrücke überwogen. Mit strahlenden Augen sitzt Arndt in unserer Redaktion und will gar nicht mehr aufhören zu berichten. Da ist die Rede von atemberaubender Natur, tollen Bergen, dem schönen Volta-Stausee, von großen Märkten mit frischen, reif gepflückten Früchten. Als Arndt vom kulinarischen Ghana schwärmt – von Reis in allen nur denkbaren Rezepturen, von Bohnen und Kochbananen, Yam und Kassava, von Erdnuss-Soße, Waatje und Fufu – da treibt es auch uns das Wasser im Mund zusammen. Und am liebsten wollen auch wir gar nicht aufhören, zuzuhören.

EXTRA-INFO: Annika Arndt hält einen Vortrag im Schwalmgymnasium

Von ihren Erfahrungen berichtet Annika Arndt eindrucksvoll in ihremInternet-Blog ghanikablog.wordpress.com

Am Freitag, 9. Februar, hält die 19-Jährige außerdem einen Vortrag in der Mensa des Treysaer Schwalmgymnasiums. Zu hören gibt es spannende Geschichten und interessante Erfahrungen. Zu sehen sind sehenswerte und größtenteils spektakuläre Fotos. Beginn des Vortrags ist um 18 Uhr.

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