Diskussionen um geplante Hähnchenmast in Neukirchener Stadtteil

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Will sich – neben seinem Milchviehbetrieb – ein zweites Standbein aufbauen: Junglandwirt Christopher Dietz aus Seigertshausen.

Die geplante Errichtung eines Hähnchenmast-Betriebs in Seigertshausen sorgt für Diskussionen im Neukirchener Stadtteil.

Neukirchen-Seigertshausen. Bereits für den 16. März hatte die Knüllstadt zu einem Informationsabend in das Gasthaus „Jägerhof“ eingeladen. Dort stellten Andreas Suender vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich und Architekt Christopher Denhof das Bauprojekt vor.

Eine sachliche Auseinandersetzung mit der geplanten Hähnchenmast war an jenem Abend aber kaum möglich. Die Emotionen kochten über. Im Nachhinein kritisieren die Projekt-Gegner, nicht ausreichend zu Wort gekommen zu sein. „Bedenken, sachliche Einwände und Gefahrenhinweise aus der Bevölkerung konnten nur begleitet von Maßregelungen durch Bürgermeister Olbrich vorgebracht werden“, kritisiert Wolfram Bauer von der kürzlich gegründeten Bürgerinitiative „Pro Seigertshausen“.

Geplant ist ein Stall für maximal 29.900 Tiere

Aber was gibt eigentlich den Ausschlag für die kontrovers geführten Diskussionen in Seigertshausen? Geplant ist die Errichtung eines Hähnchenmaststalls für bis zu 29.900 Tiere auf 90 mal 20 Quadratmetern. Bauherr ist Christopher Dietz. Vor zwei Jahren hat der Seigertshäuser Landwirt den Hof seines Großvaters übernommen. Den Bestand von einst 18 Milchkühen hat er in kürzester Zeit auf 43 Tiere aufgestockt.

Nebenbei hat der 22-Jährige seine landwirtschaftliche Nutzfläche verdoppelt und die Technikerschule besucht. „Ich kann aber trotzdem nur schlecht davon leben. Der Milchpreis lag im vergangenen Jahr durchschnittlich bei 22 Cent pro Liter. So funktioniert das einfach nicht“, bringt es der Junglandwirt im Gespräch mit lokalo24.de auf den Punkt.

Um wirtschaftlich überleben zu können, entschied Dietz, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Die Hähnchenmast soll das finanzielle Risiko mindern, das der Landwirt mit seinem Milchviehbetrieb eingeht. „Zum Tierwohl will ich einen um 100 Quadratmeter größeren Stall bauen, als es gesetzlich gefordert ist“, sagt der Seigertshäuser.

Dennoch regt sich teils heftiger Widerstand gegen seine geplante Hähnchenmast. So hat sich inzwischen auch eine Bürgerinitiative gebildet. Die verteilt Flyer und macht auf das Projekt aufmerksam. Nach eigenen Angaben setzt sich die Bürgerinitiative für den Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität in Seigertshausen ein.

Die Initiatoren betonen, es gehe ihnen um den Erhalt der bäuerlich geprägten Struktur des Ortes und nicht um deren Abschaffung. Sie befürchten unter anderem starke Geruchsbelästigungen, Feinstaubbelastungen, eine nicht tiergerechte Haltung und einen Wertverlust ihres Wohneigentums im Dorf.

Wolfram Bauer, Pressebeauftragter der Initative, bemängelt aber vor allem, dass bislang keine Bürgerversammlung unter Hinzuziehung von unabhängigen Sachverständigen stattgefunden habe.

Das soll sich nun ändern. Wie Neukirchens Stadtverordnetenvorsteher Willi Berg auf unsere Nachfrage verrät, wird es eine solche Versammlung entweder am Donnerstag, 20. April, oder am Freitag, 21. April, geben. Hierzu sollen auch Gesundheits-, Agrar- und Immobilienexperten eingeladen werden.

Christopher Dietz aber lässt schon jetzt wissen, dass er an dieser Versammlung nicht teilnehmen wird. Er habe schon genug verbale Angriffe, die teils unter die Gürtellinie gegangen seien, verkraften müssen. Unabhängig davon, ob die Genehmigung für seinen geplanten Standort durch die Bauaufsicht des Schwalm-Eder-Kreises erteilt wird, prüfe der Landwirt aktuell einen zweiten möglichen Standort für seine Hähnchenmast.

Sie können uns Leserbriefe zum Thema senden: michael.seeger@mb-media.de

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