Kunst in der VR Bank: Reinert Schmidt stellt in Treysa aus

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„Wenn ich meinen Mann zum Mittagessen rufe, dann kommt es schon mal vor, dass er nicht reagiert“, sagt Annemarie Schmidt schmunzelnd. Das ist immer dann der Fall, wenn Reinert Schmidt gerade wieder akribisch an einem seiner Gemälde arbeitet. Zu sehen ist ein Auszug seines Schaffens aktuell in der Treysaer Filiale der VR Bank HessenLand.

Das kann sich sehen lassen: Noch bis zum 10. Januar zieren Gemälde von Reinert Schmidt aus Großropperhausen die Wände der Schalterhalle in der VR Bank Filiale in Schwalmstadt-Treysa.

Der Treysaer Marktplatz grenzt direkt an den Schwarzwald. Das ist zumindest in den Räumen der Treysaer VR Bank-Filiale der Fall. Denn dort zieren rund 30 Gemälde die Wände der Schalterhalle. Zu sehen sind größtenteils Landschaftsmotive, die den Schwälmern bestens bekannt sein dürften. Gespickt ist die Ausstellung zudem mit Bildern von Ostsee, Schwarzwald und abstrakten Personen. Neben vielen Ölgemälden finden sich auch wenige Aquarelle.

Der Mann hinter der Kunst ist Hobbymaler Reinert Schmidt aus Großropperhausen. Der heute 82-Jährige malte bereits als Kind gern. Die spätere Vertreibung aus seiner Heimat und seine Tätigkeit als Rinderklauenpfleger in Mittelhessen ließen keine Zeit mehr, seinem kreativen Hobby nachzugehen. Schmidts Tochter Sonja Vesper war es schließlich, die die einstige Leidenschaft ihres Vaters wieder entfachte – und das, obwohl Schmidt Jahrzehnte keinen Pinsel mehr in der Hand hielt.

Zum 70. Geburtstag schenkte Vesper ihrem Vater die Teilnahme an einem Malkurs in Willingshausen. Zunächst skeptisch, ahnte der noch nicht, dass es der Auftakt einer ganzen Reihe von Malkursen sein sollte. „Das macht mir einfach Spaß. Seit über zehn Jahren tausche ich mich regelmäßig in Kursen aus. So lerne ich dazu und entwickle mich weiter“, erklärt der 82-Jährige. Dabei sei auch ein gewisser Ehrgeiz entstanden: „Ich will mich nicht mit dem Einfachen begnügen, sondern mich herausfordern, Neues ausprobieren und besser werden.“ Doch der begeisterte Maler bleibe dabei auch immer seinen Prinizpien treu.

Einmal habe er beispielsweise mit dem bekannten Berliner Künstler Ben Kamili malen dürfen. „Seine Farbeimer stehen auf dem Boden. Er taucht seine Finger tief hinein und schmiert die tropfende Farbe auf die Leinwand. Mir ist das zu verschwenderisch. Da bin ich zu sparsam für“, sagt Schmidt, dessen Leben ihn vor allem Bescheidenheit geleert hat. Bemerkenswert ist Schmidts Vorgehen bei der Wahl seiner Motive. Die findet er entweder im Urlaub oder in der heimischen Region, quasi direkt vor der Haustür. Dabei entwickelt sich die Idee zum Bild oft spontan.

So habe der Künstler einmal ein Foto vom Ziegenhainer Schützenwald in der Zeitung gesehen. Prompt sei er hingefahren, habe die Fotoperspektive selbst eingenommen und begonnen zu malen. Und auch an die mit Birken gesäumte Straße zwischen Obergrenzebach und Großropperhausen habe er sich gesetzt und lange innegehalten, um sie schließlich auf Leinwand zu bringen. Weitaus zügiger sei ihm der Storchenteich im Loshäuser Naturschutzgebiet von der Hand gegangen. Den habe er noch schnell vor Ausstellungsbeginn gemalt. Natürlich kommt auch der Wohnort des Malers nicht zu kurz.

In Schmidts Reihe sehenswerter Bilder dürfen natürlich auch die Schwalm selbst und die Burgruine Großropperhausen nicht fehlen. So vertraut diese Motive auch sind, so befremdlich wirkt ein ganz anderes. „Die Dame ohne Namen“ sticht aus dem Ensemble idyllischer Naturmotive hervor. Abstrakt und düster lehnt sie leger ihren rechten Arm an, die linke Hand in die Hüfte gestemmt. Schmidt kann nicht nur realistisch und romantisch-verträumt, er kann auch abstrakt und zum Nachdenken anregend.

Die Ausstellung, die passenderweise den Titel „Aufgelesen“ trägt, ist noch bis einschließlich Freitag, 10. Januar, in den Räumen der VR Bank HessenLand in Treysa zu sehen. Die Laudatio zur Eröffnung hatte Kunsthistoriker Dr. Friedhelm Häring aus Friedberg gehalten. Unterstützt wird Schmidt bei seinem Wirken von seinen Nachbarn, den Künstlern Ernst Groß und Kristina Fiand.

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