Läufer Florian Orth aus Treysa verzichtet auf EM-Teilnahme in Belgrad

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Dicke Luft beim Deutschen Leichtathletikverband (DLV): Mittel- und Langstreckenläufer Florian Orth verzichtete auf eine Teilnahme an der Hallen-Europameisterschaft der Leichtathleten in Belgrad. In einem offenen Brief erklärt der Treysaer nun die Gründe für seine Entscheidung. Dabei bekommt der DLV sein Fett weg.

Der vergangene Freitag hätte ein großer Tag für Florian Orth werden können. Bei der Hallen-Europameisterschaft in Belgrad wäre der Leichtathlet und mehrfache Deutsche Meister aus Treysa gern an den Start des 3.000-Meterlaufs gegangen – Orths Parade-Disziplin. Der 27-Jährige aber verzichtete auf die EM-Teilnahme. In einem offenen Brief erklärte er die Gründe für seine Entscheidung und seinen Frust über den Deutschen Leichtathletikverband (DLV).

Orth hat, nach eigener Ansicht, während der Hallen-DM in Leipzig mehr Starts absolvieren müssen als ursprünglich geplant. So habe er trotz eines zweiten Platzes in internationaler Norm über 3.000 Meter am folgenden Tag noch einen Leistungsnachweis über 1.500 Meter erbringen müssen. Durch die hohe Belastung leide er unter muskulären Problemen.

Zum Hintergrund: Im Qualifikationszeitraum zwischen Januar 2016 und März 2017 war Orth mit 7:51,04 Minuten schnellster Deutscher auf der 3.000-Meter-Strecke. Weil Zeiten aus dem Vorjahr grundsätzlich aber nachrangig behandelt werden, ging er vorsichtshalber auch bei der Deutschen Hallenmeisterschaft in Leipzig am 18. und 19. Februar an den Start – trotz muskulärer Probleme. Orth lief die 3.000-Meter-Distanz und kam als zweiter ins Ziel, blieb dabei sogar innerhalb der internationalen Norm für die Hallen-EM in Belgrad.

Doch dann die Hiobsbotschaft durch den DLV: Orths gezeigte Leistungen reichen nicht für eine EM-Teilnahme aus. „Ein zweiter Platz bei einer Hallen-DM mit internationaler Norm – für andere Nationen würde das allein schon reichen – reicht dem DLV nicht als Bestätigung für die bereits erfüllte deutsche Norm aus dem Vorjahr“, klagte der Treysaer.

Trotz erfüllter Norm: Orth reiste nicht nach Belgrad

Weil der Zahnmediziner kein Kind von Traurigkeit, dafür aber überzeugter Läufer mit großem Sportlerherz ist, spurtete er nur einen Tag nach dem 3.000-Meter-Lauf in Leipzig auch gleich noch im 1.500-Meter-Finale fast allen Konkurrenten davon. Hinter Marius Probst wurde Orth Zweiter – „mit punktgenau erfülltem Leistungsnachweis“, wie er später sagte. Statt sich allerdings von dem Zeitpunkt an uneingeschränkt auf Belgrad zu freuen, begann Orth zu zweifeln. Wollte er nach dem Hin und Her, den verstörenden Signalen in Leipzig jetzt überhaupt noch bei der Hallen-EM an den Start gehen?

Nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen mit Familienangehörigen, Trainern und Freunden stand der Entschluss des Treysaers schließlich fest: Orth blieb zu Hause, nahm nicht an der Europameisterschaft in Serbien teil. „Ich muss ganz ehrlich feststellen, dass ich für einen Verband, der mir als Athlet weder vertraut noch meine Leistung respektiert, und ein Land, das mich nach meinem besten Jahr 2016 dank ,Spitzensportreform’ sowohl für Trainingslager, Sporthilfe als auch Verdienstausfall in meiner dualen Karriere nicht mehr für förderungswürdig hält, vorerst nicht mehr an den Start gehen möchte“, erklärte der Mittel- und Langstreckler im sozialen Netzwerk Facebook. „Mir ist auch bewusst, dass mein Verzicht kein Erdbeben, keine Lawine, keinen Tsunami auslösen wird, vielleicht nicht mal einen kleinen Steinschlag, dafür bin ich ein zu kleiner Stern am großen Leichtathletikhimmel“, vermutete Orth. Dennoch aber fordert der Treysaer ein Umdenken im DLV.

Orth fordert ein Umdenken vom DLV

Der DLV hat inzwischen Stellung zu Orths Vorwürfen bezogen. Direktor Idriss Gonschinska lässt in einer Mitteilung verlauten: „Wenn man einen Leistungsnachweis einbringt, muss man diesen in einer messbaren Sportart wie der Leichtathletik auch beschreiben.“

Bei der Nominierung habe grundsätzlich der Meister mit Normerfüllung Vorrang. Orth hätte wissen müssen, dass neben der Meisterschaftsleistung auch der Verlauf der aktuellen Saison bewertet werde. Der Treysaer habe allerdings vor der Deutschen Meisterschaft in Leipzig kein Hallen-Rennen absolviert. Stattdessen habe er sich in Südafrika in Form gebracht. Orth wiederum kündigte auf seiner Facebookseite eine erneute Stellungnahme zu den Vorwürfen Gonschinskas an.

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