"Liberaler Spatenstich" der FDP an der A49 in Neuental 

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Machten sich ein Bild von den aktuellen Bauarbeiten bei Neuental-Schlierbach und setzten dann zum symbolischen Spatenstich an: einige Mitglieder der FDP Schwalm-Eder.

Seit gut 20 Jahren ist wieder Bewegung am aktuellen Ende der A49 in Neuental. Es rollen wieder die Baufahrzeuge. Die FDP Schwalm-Eder nahm das zum Anlass für einen "Liberalen Spatenstich". Das wäre eigentlich Aufgabe der Landesregierung gewesen. 

Neuental. „Dieser Spatenstich hätte der Landesregierung gut getan. Aber wenn die es nicht tut, dann machen wir es eben“, sagte Staatsminister a.D. Dieter Posch am Mittwoch vergangener Woche kämpferisch. Gemeinsam mit der FDP Schwalm-Eder hatte er zum „Liberalen Spatenstich“ an den Bauabschnitt „VE 20“ der A49 bei Neuental-Bischhausen eingeladen.

Schon vor gut drei Jahren hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den Weg für den Lückenschluss der Bundesautobahnen 49 und 5 bereitet, indem es die Klagen von zwei Naturschutzverbänden gegen die Planungen der letzten beiden Bauabschnitte abwies. Nach der Planfeststellung und dem Baurecht für die gesamte Strecke ist seit Juli 2015 auch die Finanzierung gesichert: Die Kosten für den ersten Abschnitt bis zur künftigen Anschlussstelle Schwalmstadt-Treysa wird von Bund, Land, Schwalm-Eder-Kreis und Landkreis Marburg-Biedenkopf getragen.

Neuentals Bürgermeister Kai Knöpper.

Der zweite und dritte Bauabschnitt bis Gemünden werden unter der Beteiligung von privaten Investoren in einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) realisiert. Bei solchen Projekten finanziert ein privates Unternehmen den Bau, entlastet so den Bund und betreibt die Strecke für etwa 30 Jahre. Dafür überlässt der Bund dem Betreiber die Einnahmen aus der LKW-Maut.

Bauarbeiten in Neuental sind im vollen Gange

Seit März rollen die Baufahrzeuge bei Neuental. Hier entsteht ein zwei Kilometer langes Teilstück mit insgesamt vier Brücken. Veranschlagte Bauzeit: Zwei Jahre. Für den dortigen Baustellenverkehr war zuvor extra eine Staße errichtet worden. Dadurch sollen die Einwohner des Ortsteils Schlierbach so wenig wie möglich von den Baufahrzeugen gestört werden. Neuentals Bürgermeister Kai Knöpper lobte am Mittwoch die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Firma „Bickert-Bau“.

FDP will die Öffentlichkeit informieren

Dieter Posch, von 1999 bis 2003 und von 2009 bis 2012 Hessischer Verkehrsminister, stellte klar: „Die FDP ist die einzige Partei, die immer zu hundert Prozent hinter dem Projekt stand“. Für ihre Forderung, die A49 schnellstmöglich von ihrem aktuellen Ende in Bischhausen bis zur A5 bei Homberg (Ohm) auszubauen, ernteten die Liberalen in den vergangenen Jahren nicht nur Beifall.

Staatsminister a.D. Dieter Posch

Dass es nach gut 20 Jahren Stillstand im Bauabschnitt „VKE 20“ wieder vorangeht, freut Posch ganz besonders. Eines aber stört ihn gewaltig: „Die Landesregierung macht bei so einem wichtigen Projekt keinen Spatenstich. Aber die Allgemeinheit hat doch ein Recht zu erfahren, was hier passiert.“

Und so packten Posch und Co. ihre Spaten und pflanzten als symbolische Gegenleistung einen Apfelbaum. „Auch wer einen Baum pflanzt, muss zuerst ein Loch graben. Ich komme dann irgendwann zur Ernte wieder“, sagte Posch.

Knöpper: Mehr Unternehmen wollen sich ansiedeln

Zuvor hatte Knöpper noch auf die ersten positiven Auswirkungen des A49-Weiterbaus für seine Gemeinde hingewiesen. „Seit dem Bau haben wir im Rathaus mehr Anfragen von Unternehmen, die sich hier ansiedeln möchten. Und ohnehin gibt es für das Bauprojekt 95 Prozent Zuspruch in der Bevölkerung“, so der Neuentaler Bürgermeister.

EXTRA-INFO: Welche Ziele verfolgt der A49-Weiterbau?

Ziel des A49-Weiterbaus ist die Verbindung des ländlichen Raums zwischen den Oberzentren Kassel und Gießen. Damit sollen auch Kapazitätsengpässe auf der A7 und A5 abgebaut werden. Der Lückenschluss soll zudem die Unfallgefahren auf den verbundenen Autobahnen reduzieren.

Das nachgeordnete Netz, insbesondere die Ortsdurchfahrten, sollen vom überregionalen Verkehr deutlich entlastet werden. Ausgehend vom heutigen Bauende bei Bischhausen soll die A49 künftig durch die Landkreise Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg nach Gemünden-Fulda, Nähe Homberg (Ohm), führen. Dort soll sie an die bestehende A5 angeschlossen werden.

Die geplante rund 43 Kilometer lange Verbindung ist in drei Abschnitte beziehungsweise Verkehrskosteneinheiten (VKE) aufgeteilt. Der erste, bereits im Bau befindliche Abschnitt, führt von Bischhausen nach Treysa. Ein weiterer von dort nach Stadtallendorf und der dritte bis nach Gemünden-Felda.

Es muss endlich verlässliche Antworten geben! - ein Kommentar von Michael Seeger

Klar, beim Thema Lückenschluss der Autobahnen 49 und 5 gehen die Meinungen stark auseinander. Die einen sehen in der Anbindung des ländlichen Raums an die Oberzentren Kassel und Gießen eine Entwicklungschance für die Region. Die anderen erkennen im A49-Weiterbau einen Nachteil: Die Realisierung des Bauprojekts könnte die Kaufkraft aus Mittelzentren wie Schwalmstadt ziehen – nämlich dann, wenn die dort lebende Bevölkerung auf schnellstem Weg in die Oberzentren gelangt. Wie sich der südliche Schwalm-Eder-Kreis künftig entwickeln wird, ist spekulativ.

Redakteur Michael Seeger

Nur eines ist schon jetzt klar: Dieses Gezerre und politische Hin und Her um die A49 nervt – vor allem die betroffenen Anwohner. Denn die hängen in der Luft. Sie wissen nicht endgültig: Kommt die A49 nun oder kommt sie nicht? Und wenn sie kommt, wann ist mit ihr zu rechnen? Viele Menschen gucken in die Röhre – in Frankenhain etwa. Der dortige A49-Tunnel wurde mithilfe von Steuermitteln gebaut, als die Autobahn-Finanzierung noch gar nicht geklärt war. Jetzt liegt das riesige Bauwerk da – eingebettet in die idyllische Landschaft zwischen Gilserberger Hochland und Schwalmstadt-Treysa. Von einer dazugehörigen Autobahn ist nicht viel zu sehen. Wie schleppend das Projekt vorangeht und wie zäh das Thema um die A49 ist, merken auch Pressemitarbeiter, wenn sie sich auf den aktuellen Stand der Dinge bringen wollen. Da wird man hin- und herverbunden. Verlässliche Antworten sind Mangelware.

Nur soviel: Wenn die Wirtschaftlichkeitsprüfung der ÖPP-Projekte durch die Firma Deges in Berlin abgeschlossen ist, soll es eine öffentliche Ausschreibung geben. Wann aber genau mit einer Vergabe zu rechnen ist, beziehungsweise wann und ob überhaupt die Finanzierung der letzten beiden A49-Abschnitte zwischen Stadtallendorf und Gemünden abschließend geklärt wird, ist unklar. „Es ist noch überhaupt nichts in trockenen Tüchern“, heißt es aus dem Hessen Mobil-Büro in Marburg. „So etwas dauert einfach lange“, sagt Mitarbeiterin Claudia Friebertshäuser. Ich halte das für eine Frechheit gegenüber der Bevölkerung.

Was ist eigentlich konkret passiert, seit die Klagen von BUND und NABU gegen die zwei letzten Bauabschnitte vor gut drei Jahren vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig abgelehnt wurden? Nichts! Egal ob nun Befürworter oder Gegner des Autobahn-Lückenschlusses – die Bürger sollten endlich verlässliche Antworten und Auskünfte bekommen, die nach der Bundestagswahl im September nicht wieder gekippt werden. So jedenfalls darf sich niemand über die vorherrschende Politikverdrossenheit wundern.

Ihre Meinung? Leserbriefe an: michael.seeger@mb-media.de

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