Mali-Einsatz: Schwalmstädter unterstützt die Soldaten der Bundeswehr psychologisch

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Von Nordhessen nach Westafrika: Stabsfeldwebel Ullrich Engeland aus Schwalmstadt dient in der Division Schnelle Kräfte.

Ullrich Engeland und Markus Kutschke helfen Soldaten dabei, ihren Job psychologisch zu bewältigen - mal in Stadtallendorf, mal im 4.000 Kilometer entfernten Mali.

Schwalmstadt/Mali. Stabsfeldwebel Ullrich Engeland aus Schwalmstadt gehört der Divison Schnelle Kräfte (DSK) an. Sie ist in Teilen in der Stadtallendorfer Herrenwaldkaserne stationiert. Als Truppenpsychologie-Feldwebel unterstützt er den Truppenpsychologen Markus Kutschke bei seiner Arbeit, die sich jedoch nicht nur auf den Heimatstandort beschränkt, sondern auch bei den Vor- und Nachbereitungen für Auslandseinsätze und während der Missionen selbst zum Tragen kommt.

Ahle Wurscht und Gummibärchen: Major d.R Markus Kutschke (re.) und Stabsfeldwebel Ullrich Engeland freuen sich über die leckeren Grüße aus der Heimat.

In Stadtallendorf ist Kutschke ziviler Oberregierungsrat, doch für den Einsatz wird er Soldat und dient als Offizier der Reserve. Seit dreieinhalb Jahren sind die beiden ein Team, von August bis Oktober waren sie als Blauhelm-Soldaten in Camp Castor im malischen Gao eingesetzt, das etwa 950 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako liegt.

„Unsere Aufgaben waren ähnlich wie zu Hause“, erzählen die beiden, „dort bieten wir unter anderem Aus- und Weiterbildungen zu psychologischen Themen an, beispielsweise Stress, Umgang mit Belastungen oder Bewältigung kritischer Ereignisse“. Als „Zelle Truppenpsychologie“, so die offizielle Bundeswehrbezeichnung, stellen sie darüber hinaus psychologische Beratungen sowie Einschätzungen über die Stimmung in der eigenen Truppe und der Situation im Land zur Verfügung – diese hilft den Verantwortlichen vor Ort bei der Planung von Einsätzen.

Ein Teil des Einsatzgebietes am Niger: das Ufer des drittlängsten Flusses in Afrika.

„Einzelgespräche mit Soldaten gehören ebenfalls zu unseren Aufgaben“, lautet ein weiterer Aspekt des breitgefächerte Spektrums, „familiäre Schwierigkeiten und Beziehungsprobleme sind eine Belastung – vor allem, wenn man 4.000 Kilometer von zu Hause weg ist“. Dabei stellt Engeland in der Regel bereits im Vorfeld fest, inwieweit die Soldatin oder der Soldat an der „richtigen Adresse“ ist – das eigentliche Fachgespräch führt dann ausschließlich der Psychologe. Gegebenenfalls vermitteln sie weiter an den Sozialdienst, den Truppenarzt oder den Militärpfarrer, die gemeinsam einen Verbund bilden.

Staub, Hitze und Insekten in Afrika

Der Einsatz in dem afrikanischen Land und das Leben im Camp stellt eine besondere Herausforderung dar. „Staub, Hitze und Insekten gehörten zum Alltag“, beschreiben sie die Situation für jeden Einzelnen. Hinzu komme die hohe Bedrohungslage durch Minen und Sprengfallen außerhalb der gesicherten Militärlager. „Durch ihr professionelles und vor allem freundliches Auftreten genießen die deutschen Soldaten ein positives Ansehen“, lautet die persönliche Einschätzung des 50-jährigen Stabsfeldwebels, trotz allem müsse man immer vorsichtig sein.

Ein Teil des Einsatzgebietes am Niger: das Ufer des drittlängsten Flusses in Afrika.

„Gute Verpflegung und entsprechende Betreuungsangebote sind ein Muss“, betont der einsatzerfahrene Soldat. Sport- und Fitnesszelte, Kinoabende und einiges mehr sorgen für Abwechslung. Telefon- und Email-Kontakt zu den Lieben in der Heimat sowie die Feldpost seien dabei besonders wichtig. „Viele entdecken auch wieder das Briefeschreiben für sich oder freuen sich auf Päckchen“, ergänzt Kutschke. Die eine oder andere Ahle Wurscht als leckeren Gruß aus der Heimat gehörte zu den Highlights am Ufer des Nigers.

EXTRA INFO

Bundeswehr im Ausland

Seit den 90er Jahren beteiligt sich die Bundeswehr regelmäßig an Einsätzen der Vereinten Nationen, der NATO und der Europäischen Union, unter anderem im afrikanischen Mali, wo das Engagement vor gut fünf Jahren begann. Derzeit sind knapp 900 Soldaten in der VN-Friedensmission MINUSMA eingesetzt, etwa 150 weitere beteiligen sich an der von der EU geführten Ausbildungsmission EUTM Mali. Neben Personal für Führungs-, Aufklärungs-, Logistik- und Sicherungsaufgaben sowie dem Sanitätsdienst, kommt auch die Abteilung Truppenpsychologie zum Einsatz.

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