Manfred Liebertz spielt mit 64 Jahren für den SC Riebelsdorf

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Für den FC Köln reichte es nicht. Aber die rot-weiße Farbe des SC Riebelsdorf steht Manfred Liebertz ebenso gut. Zum 60. Geburtstag bekam der Kreisliga-Oldie ein FC-Trikot von seinen Teamkollegen.

Aufhören kommt für ihn nicht infrage, denn Fußball halte ihn jung.

Neukirchen-Riebelsdorf. Es ist Sonntag, kurz vor Mittag. Die meisten Rentner nehmen jetzt einen gemütlichen Platz auf ihrem Sofa ein und legen bequem die Füße hoch – nicht aber Manfred Liebertz. Der 64-Jährige packt seine Tasche. Radlerhose, Schienbeinschoner, Fußballschuhe. Schnell noch ein Küsschen für Ehefrau Inge und dann nichts wie ab zum Treffpunkt.

Die Reservemannschaft des SC Riebelsdorf hat ein Heimspiel. Und wie es bei einem Dorfverein schon mal üblich ist, ist die Personaldecke hauchdünn. Wohl dem, der jetzt noch einen Manni zu seinem Verein zählen darf. „Wenn Not am Mann ist, helfe ich aus. Das ist doch klar“, lässt Liebertz keinen Zweifel an seiner Treue zum SC. Dabei störe es ihn nicht, dass er mit 64 Jahren meist mit großem Abstand ältester Spieler auf dem Rasen ist. „Es geht doch darum, dem Verein zu helfen – ganz egal, wie alt man ist.“

Wenn „Slibo“ – wie sie ihren Manni in Riebelsdorf auch nennen – nicht selbst spielen muss, dann steht er am Spielfeldrand. Er ist immer in Aktion, zur Not als Linienrichter, Betreuer oder einfach als mitfiebernder Fan. Liebertz ist Rheinländer. Sein Herz schlägt für den FC Köln. Und seit seiner Bundeswehrzeit auch für Schwalm und Knüll. In der Region fühlte er sich von Beginn an wohl. „Bei der Firma Elastic habe ich Arbeit gefunden. Über die Kollegen bin ich dann zum Fußball gekommen“, erinnert sich „Slibo“. Erstmals überhaupt schnürte der Fußball-Neuling im gestandenen Alter von 20 die Fußballschuhe. Damals noch für den SC Neukirchen. Doch statt Regionalliga-Partien mit der ersten Mannschaft, grätschte Liebertz für die dritte Mannschaft um Punkte in den untersten Kreisklassen. 15 Jahre lang streifte er sonntags das blau-weiße SCN-Trikot über. Drei Jahre lang spielte er in Olberode und ähnlich lang in Seigertshausen. „So genau weiß ich das alles nicht mehr. Aber mit 43 Jahren bin ich dann nach Riebelsdorf gewechselt. Das ist jetzt auch schon wieder über 20 Jahre her“, sagt Liebertz.

Eigentlich wollte er im Neukirchener Stadtteil lediglich bei den Alten Herren mitkicken. „Aber wie das so ist: Man macht ein bisschen Training, lässt sich ab und an blicken und dann ist man wieder voll dabei.“ Zwei oder drei Jahre lang habe er sogar erste Mannschaft spielen dürfen. „Dann bin ich wieder in die zweite Mannschaft gerutscht. In den letzten Jahren haben wir dann viele junge Spieler hinzubekommen. Und dann merkst du, wie langsam die eigene Leistung nachlässt. Es geht nicht mehr wie früher“, gibt der passionierte Sportler zu.

Achillessehnen-Riss mit 50 Jahren stoppte ihn nicht

Auf die Frage nach Verletzungen sagt Liebertz: „Ich weiß es noch wie heute. Wir hatten ein Punktspiel in Gilserberg. Ich ging zum Kopfball-Duell hoch. Ich habe es gewonnen. Aber beim Aufkommen riss meine Achillessehne. Ich war 50 und dachte: Jetzt höre ich auf.“ Nur sieben Wochen später klingelte „Slibos“ Handy. Wieder dünne Personaldecke. „Na gut. Ich probier‘s nochmal, dachte ich. Das ging dann auch ganz gut. Und es hat richtig Spaß gemacht. Fußball hält eben jung.“ Und so komme der Fußball-Senior bis heute nie ganz von seinem liebsten Hobby los. Das liege auch an der guten Kameradschaft in Riebelsdorf. Und an den Anekdoten, die er seinen jungen Mitspielern zu gern erzählt. „Einmal hat ein Torwart vor Anpfiff gesagt: Wenn der alte Mann ein Tor gegen mich schießt, schmeiß ich meine Schuhe in den Müll.“ Das sei Ansporn genug für den ehrgeizigen Stürmer gewesen. „Slibo“ traf prompt. Der Schiri pfiff, zeigte auf den Mittelkreis, lief anschließend zum Torwart und bat ihn, die Schuhe abzugeben.

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