Der Mann an der Spitze des Erfolgs: Wir treffen Eintracht Stadtallendorf-Boss Reiner Bremer

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Stellte sich unter der Woche den Fragen von Redakteur Michael Seeger: Eintracht-Vorsitzender Reiner Bremer (li.).

Er ist maßgeblich am Höhenflug des TSV Eintracht Stadtallendorf in der Regionalliga Südwest beteiligt: Vereinsboss Reiner Bremer. Wir trafen den charismatischen Vorstandschef unter der Woche zum Interview.

Stadtallendorf. Er ist die sympathische Spitze eines Vereins, der innerhalb von fünf Monaten ganz Fußball-Hessen entzückte. Er führt seinen Verein in Zeiten stürmischer Euphorie mit beachtlicher Gelassenheit, wie sie nur jemand haben kann, der anderen immer zwei Schritte voraus ist.

Und er scheint beim Trubel um seine Spieler, Trainer und die eigene Person, das Wesentliche nie aus den Augen zu verlieren: Reiner Bremer ist Präsident des Regionalligisten TSV Eintracht Stadtallendorf und maßgeblich am größten Erfolg in der Vereinsgeschichte beteiligt - dem Aufstieg in die Fußball-Regionalliga.  Hier überwinterte der Liga-Neuling nach 21 Spielen und 30 Punkten auf dem 9. Tabellenplatz. Eine echte Überraschung für Fans, Spieler, Gegner, Außenstehende – und für den Vereinsboss selbst.

Unter der Woche traf unsere Redaktion den charismatischen Vereinsboss in seinem Büro im Stadtallendorfer Rathaus. Hier leitet der so besonnene Bremer in seiner beneidenswert ruhigen Art den Fachbereich Freizeit und Sport. In der Ecke liegt ein Fußball. Zwei Wimpel zieren die Wand seines bescheidenen Büros. Das eine – wie könnte es anders sein – von seiner Eintracht. Das andere vom KSV Hessen Kassel. Bremer respektiert Gegner und Traditionsclubs.

Als er erfährt, dass unser Redakteur aus Schrecksbach stammt, schwelgt der Eintracht-Boss spontan in Erinnerungen. Er schwärmt von gemeinsamen Zeiten mit dem viel zu früh verstorbenen Horst Steinbrecher. Es fallen auch Namen wie Hans Schweigert. Neben den Anekdoten rund um den VfB Schrecksbach darf der SC Neukirchen natürlich nicht unerwähnt bleiben. „Wir hatten schon immer gute Verbindungen in die Schwalm“, sagt Bremer. Stimmt! In den vergangenen Jahren haben immer wieder begnadete Kicker aus Schwalm und Knüll ihre Schuhe für die Eintracht geschnürt. „Wir geben gerne Spielern eine Chance, die sich in der Region bewährt haben“, sagt Bremer.

Aktuell sind mit Mittelfeld-Staubsauger Mo Arifi und Cheftrainer Dragan Sicaja zwei Treysaer maßgeblich am Stadtallendorfer Fußballmärchen beteiligt. Abheben kommt dennoch nicht in Frage: „Unser oberstes Ziel ist der Klassenerhalt. Dafür ist es wichtig, dass wir gut aus der Winterpause kommen.“

Sollten Spieler und Trainer ähnlich konzentriert sein, wie ihr Chef, dürfte Stadtallendorf auch in der Rückrunde wieder viele Favoriten ärgern können. Was ist eigentlich das Geheimrezept hinter dem Eintracht-Höhenflug? Eine konkrete Antwort auf diese Frage finden wir weder bei Bremer noch in Spielerkreisen. Und genau darin dürfte der Erfolg begründet sein: Die Stadtallendorfer sind bodenständig und schlichtweg dankbar dafür, Teil der Regionalliga sein zu dürfen.

„Es ist ein Abenteuer, das wir einfach gewagt haben“, bringt es Bremer auf den Punkt. Dabei vergisst der Eintracht-Chef nicht, die Gegebenheiten zu erwähnen, die zugunsten seines Vereins liefen. „Wer weiß, wo wir jetzt stünden, wenn wir Relegation hätten spielen müssen“, sagt er demütig. Zu seinem Selbstverständnis gehört auch, dass Bremer zu den Auswärtsspielen mit seinem Auto fährt. Noch ehe die Spieler ankommen, überzeugt er sich davon, ob alles vorbereitet ist.

„Ich will vermeiden, dass die Spieler durch Unvorhergesehenes aus der Konzentration gebracht werden.“ Auffällig ist auch, wie oft Bremer seine Vorstandskollegen lobend erwähnt. Allein der Name Wolfgang Schratz fällt unzählige Male. Bremer weiß: Es geht nur zusammen. Eines haben wir bei unserem Besuch in Stadtallendorf gelernt: Wenn der Chef mit gutem Beispiel vorangeht, zieht der Rest voller Begeisterung mit.

Wir fragen - der Vereinsboss antwortet:

Für viele ist Stadtallendorf das Überraschungsteam in der Liga. Für Sie auch?

Ja. Das hätte nur ein Wahrsager voraussehen können. Ich bin mehr als zufrieden. Aber der Traum vom Klassenerhalt soll gewahrt werden. Das wäre dann noch höher anzusiedeln, als der Aufstieg.

Sie sind im Winter nicht wie andere Mannschaften in den warmen Süden geflogen. Wie hat die Eintracht die Pause genutzt? 

Nach der ganzen Anspannung vor dem Aufstieg, bei der Frage, ob wir in der Regionalliga mithalten können und nach dem riesigen Aufwand, den alle im Verein betrieben haben, mussten wir erst einmal abschalten. Alle Beteiligten hatten ein hohes Maß an Konzentration erbracht.

Danach haben Dragan Sicaja und sein Team wieder richtig Gas gegeben, um die Grundlagen für die Rückrunde zu schaffen. Wir haben hervorragende Trainingsbedingungen vor Ort. Zwei- oder dreimal, als Schnee lag, ist die Mannschaft in den Kraftraum gegangen.

Was macht die Eintracht aktuell besser als viele andere Traditionsclubs? 

Ich will nicht sagen, dass wir etwas besser machen. Vielleicht läuft bei uns nur vieles anders. Wir haben keinen hauptamtlichen Geschäftsführer, keinen hauptamtlichen Manager, keine Geschäftsstelle mit besonderen Öffnungszeiten. Aber wir haben ein eingespieltes Team. Jeder wusste schon vor der Saison, was der Trainer meint. Niemand musste sich aneinander gewöhnen. Die Verantwortlichen, Trainer, Betreuer und jeder im Umfeld macht etwas mehr, um das Projekt Regionalliga zu schultern.

Wo sehen Sie den Verein in fünf Jahren? 

Wir arbeiten so, dass wir auch in fünf Jahren in Hessen eine gute Rolle spielen. Ob das dann den Südwesten Deutschlands beinhaltet, muss man sehen. Wichtigstes Ziel ist der Klassenerhalt. Und dann ist die Herausforderung, auch im zweiten Jahr in der Regionalliga zu zeigen, was Verein und Stadt leisten können. Das ist eine reizvolle Aufgabe.

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