"Massive Risse und Hohlräume": Einsturzgefahr an Schulen in Neukirchen

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Während der Sanierungsarbeiten fielen die statischen Mängel am Gebäude G der Astrid-Lindgren-Schule auf. Weil mehrere Gebäude auf dem Schulgelände zur gleichen Zeit in 1963 und auf gleiche Bauart entstanden sind, wurden sie sofort und vorsorglich geschlossen. Aktuell werden alle Gebäude auf Mängel untersucht.

In den Augen der meisten betroffenen Schüler mag es eine gute Nachricht gewesen sein. In ihren Eltern hingegen rief es Besorgnis hervor. Die Astrid-Lindgren-Schule und Teile der Steinwaldschule in Neukirchen mussten geschlossen werden. Statiker stuften es als nicht standsicher ein.

Während die hessischen Schüler ihren Sommerferien entgegenfiebern, hatten einige wenige von ihnen schon unter der Woche frei. Die Astrid-Lindgren-Schule (Grundschule) und Teile der Steinwaldschule (Gesamtschule) auf dem Neukirchener Hasselberg wurden am Mittwoch kurzerhand geschlossen. Betroffen waren rund 600 Schüler der Klassen 1 bis 8. Grund für den plötzlichen Unterrichtsausfall waren statische Mängel, die eher zufällig aufgefallen waren.

Doch der Reihe nach: An einem der Gebäude der Astrid-Lindgren-Schule finden aktuell energetische Sanierungsarbeiten statt. So werden beispielsweise Fenster, Türen und die Dachdämmung erneuert. Kaum aber wurden die nötigen Arbeiten aufgenommen, da folgte die Hiobsbotschaft. „Es wurden massive Rissbildungen und Hohlräume festgestellt“, so Landrat Winfried Becker während eines kurzfristig anberaumten Pressegesprächs am Donnerstagmorgen in der Homberger Kreisverwaltung.

Landrat Winfried Becker.

Die Schäden seien am Mittwoch an der Fassade, insbesondere im Bereich der Fensterstürze und unterhalb der Traufen festgestellt worden. „Die zuständige Baubetreuerin wurde durch die Schäden veranlasst, genauer hinzuschauen“, so Becker. Zum Glück, wie sich später herausstellen sollte. Nachdem im Innenbereich einige Heizkörper zurückgebaut wurden, kamen weitere Schäden an den Innenwänden zum Vorschein.

Zwei Experten, ein Statiker und ein Prüfstatiker, wurden hinzugezogen. Sie stuften das Schulgebäude G (siehe Lageplan) als nicht standsicher ein. Sofort ließ Landrat Becker die Astrid-Lindgren-Schule und Teile der Steinwaldschule – nämlich jene Gebäude, die vom selben Architekten, zur gleichen Zeit und auf gleiche Bauart entstanden sind – und rief unmittelbar eine Kommission zusammen. Wie es überhaupt zu solch erheblichen statischen Mängeln kommen konnte, darüber ließ sich am Donnerstag nur mutmaßen.

Die Kommission um Winfried Becker gab allerdings bekannt, dass bei Entstehung des Gebäudes G im Jahr 1963 ein Fenster mehr verbaut wurde, als es die Statik vorgesehen hatte. Seither kam es zu einem veränderten Lastabtrag. Auf Fragen zur Wahrscheinlichkeit eines Einsturzes wollte Becker nicht eingehen: „Vielleicht hätte das Gebäude auch noch 50 Jahre lang gestanden. Das sind alles reine Spekulationen.“ An der Richtigkeit seines schnellen Entschlusses, Grund- und Teile der Gesamtschule sofort zu schließen, ließ der Landrat keinen Zweifel: „Sicher ist sicher.“

Im ständigen Austausch mit den Statikern, dem staatlichen Schulamt und den Leitern beider Schulen wurden Lösungen gesucht – und gefunden. „Die Schulgebäude werden jetzt genau untersucht. Wir erwarten die Ergebnisse Ende nächster Woche. Für den Neubau (gemeint ist der Gebäudeteil A, der in 2011 saniert wurde und das Atrium beinhaltet, Anm. d. Red.) besteht keinerlei Gefährdung. Auch nicht für die Turnhalle. Für die Steinwaldschüler kann hier der Unterricht weiter erteilt werden“, erklärte Becker am Donnerstagmorgen.

Von Montag, 18. Juni, bis Donnerstag, 21. Juni, finde auch wieder Unterricht für die Klassen 1 bis 4 statt – allerdings in Form von Wandertagen und Ausflügen. „Für Kinder, die aufgrund der Berufstätigkeit ihrer Eltern betreut werden müssen, richten wir einen Bustransfer zur ehemaligen Grundschule in Seigertshausen ein. Wir gehen dabei von 20 bis 40 Kindern aus, die das Angebot nutzen werden“, so Becker.

Nach den Ferien wird in Containern unterrichtet

Erst wenn die Ergebnisse der Gebäude-Untersuchungen vorliegen, werde abzusehen sein, wie die Sanierungsarbeiten fortgeführt und wann sie schließlich abgeschlossen werden können.

„Das werden wir aber nicht bis zum Ende der Sommerferien schaffen“, prognostizierte Becker. Der Unterricht soll dann aber wieder nahezu uneingeschränkt für alle Schüler weitergehen. Die Lösung: Mobile Klassenzimmer, sogenannte „Klassencontainer“, die auf dem Schulgelände platziert werden sollen.

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