Verdacht auf Medikamententests an Hephata-Heimkindern unbestätigt

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Hephata-Vorstandssprecher Maik Dietrich-Gibhardt (l.) und Peter Göbel-Braun, Ansprechperson für ehemalige Hephata-Heimkinder, suchten in alten Akten nach Hinweisen auf mögliche Medikamententests. Die Recherchen haben den Verdacht nicht erhärtet.

Nach Recherchen von Hephata-Verantwortlichen gibt es keinen Verdacht auf Medikamententests an Heimkindern.

Treysa. Die Prüfung von mehreren hundert Krankenakten aus dem Archiv der Hephata Diakonie hat keinen Hinweis auf einen möglichen Medikamententest an Heimkindern ergeben. „Entgegen anderslautender Medienberichte gibt es auch im Archiv des Pharmaherstellers Merck keinen Beleg für eine Bestellung von Test-Präparaten durch eine Hephata-Ärztin oder gar für eine in Hephata durchgeführte Studie“, heißt es in einer Pressemitteilung der Diakonie.

Angestoßen hatte die Recherchen ein wissenschaftlicher Aufsatz der Pharmazeutin Sylvia Wagner über Medikamententests an Heimkindern in den 1950er bis 1970er Jahren (lesen Sie auch Hephata: Verdacht auf Medikamententests bei Heimkindern).

In ihrem Quellenverzeichnis hatte Wagner neben etlichen anderen Heimen, Kliniken und Ärzten die Stichworte „Hephata, Treysa“ genannt, die sie in einem Dokument im Archiv der Firma Merck entdeckt hatte. Jenes Dokument – ein Schreiben von Merck aus dem Dezember 1957 an eine seinerzeit in Hephata tätige Ärztin – ist weiterhin der einzige Anhaltspunkt dafür, dass in Hephata ein Medikament eingesetzt worden sein könnte, das zum fraglichen Zeitpunkt zwar in seinem Wirkstoff bereits regulär im Handel, allerdings in der Darreichungsform als Tropfen noch nicht auf dem Markt gewesen ist. In dem fraglichen Schreiben kündigt Merck an, 20-mal zehn ccm Tropfen des Medikaments Decentan mit separater Post zu liefern.

„Es gibt weder einen Beleg dafür, dass diesem Schreiben eine Bestellung vorausgegangen ist, noch dafür, dass die Lieferung tatsächlich erfolgt und das Medikament entgegengenommen worden ist“, erklärt Maik Dietrich-Gibhardt, Vorstandssprecher der Hephata Diakonie. Dennoch hatte er die genaue Prüfung von 399 Krankengeschichten beauftragt, die Personen im Alter von damals unter 21 Jahren betreffen, die zwischen 1957 und 1963 in Hephata lebten. Ergebnis: Ein Hinweis auf eine Verordnung und Vergabe von Decentan ist nicht zu finden.

Zweimalige Akteneinsicht bringt keine neuen Hinweise

Auch eine nochmalige Durchsicht aller Akten zum Medikament Decentan im Archiv der Firma Merck hat keine neuen Hinweise zu Tage gebracht. „Die Firma Merck hat uns zweimal bereitwillig Einsicht in alle vorhandenen Dokumente gewährt, wofür wir sehr dankbar sind“, betont Dietrich-Gibhardt. Auch Sylvia Wagner habe die Hephata Diakonie bei den weiteren Recherchen durch Tipps und Hintergrundinformationen unterstützt.

Mögliche Zeitzeugen können sich nach wie vor melden

„Obwohl sich der durch den Brief von Merck im Raume stehende Verdacht weiterhin nicht erhärten lässt, sind wir nach wie vor an Rückmeldungen von möglicherweise Betroffenen oder Zeitzeugen interessiert“, betont Dietrich-Gibhardt. Bislang hätten sich elf Personen gemeldet. Einige von ihnen lebten in Heimen anderer Träger und wurden dorthin weiterverwiesen.

Die Kontakte mit denjenigen Personen, die in Hephata lebten, brachten keine Hinweise auf einen Medikamententest. „Der Einladung zu einer Anhörung zu diesem Thema am 9. März im hessischen Landtag folge ich gerne“, erklärt Dietrich-Gibhardt. Hephata sei sehr daran interessiert zu erfahren, ob sich durch Nachforschungen zu Medikamententests an Heimkindern an anderen Stellen – etwa bei Heimträgern, Behörden oder in Kliniken – neue Erkenntnisse ergeben haben. „Sollte es dabei irgendeinen Hinweis geben, der auf Hephata hindeutet, werden wir dem unbedingt nachgehen.“

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