Mehrere Grillhütten im Schwalm-Eder-Kreis abgefackelt: Wer ist der Feuerteufel?

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Wer macht so etwas und warum? Auch die Grillhütte in Riebelsdorf ist abgebrannt. 1976 wurde sie von 13 Vereinen aus dem Dorf erbaut und jetzt einfach abgefackelt. Seit 2013 hatte sich die Interessengemeinschaft „Alteisen“ um die Hütte gekümmert.
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Samstag um Mitternacht: Die Grillhütte des Wandervereins Schrecksbach brennt lichterloh.
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Der Morgen danach: Dort, wo ganze Generationen gefeiert haben, liegen jetzt nur noch Schutt und Asche.
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Ein Feuerteufel scheint sein Unwesen im südlichen Schwalm-Eder-Kreis zu treiben. Am Wochenende standen zwei Grillhütten in Schrecksbach und Riebelsdorf in Flammen – in den Wochen zuvor bereits in anderen Nachbarorten. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei.

Schwalm-Eder. Selbst die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Schrecksbach sind fassunglos. Es ist Samstag, kurz vor Mitternacht, als die Einsatzkräfte zu einem Kleinbrand gerufen werden. Einsatzort: die Grillhütte des Schrecksbacher Wandervereins. Als die Feuerwehr-Mitglieder am Motocross-Gelände eintreffen, trauen sie ihren Augen kaum: Was sich vor ihnen auftürmt, ist längst kein Kleinbrand mehr. Meterhoch greifen die Flammen in den Nachthimmel.

Die Schrecksbacher Feuerwehr alarmiert nach. Zur Unterstützung rücken die Feuerwehren aus Röllshausen, Holzburg, Salmshausen und Schwalmstadt an. Schnell spricht sich der Einsatz im Dorf herum. Mitglieder des Wandervereins und des Motorsportclubs eilen herbei, um ihre Hilfe anzubieten. Und dennoch: Die Grillhütte brennt vollständig ab. „Unter den Feuerwehrmännern und -frauen herrscht Fassungslosigkeit. Jeder Kamerad verbindet mit dieser Hütte einen Teil seiner Lebensgeschichte. Unzählige Veranstaltungen und Treffen fanden in dieser Hütte statt“, weiß Daniel Platte.

Auch am Tag nach dem Einsatz kann der Wehrführer noch nicht glauben, was in der Nacht passiert ist. War es Brandstiftung? Wer macht so etwas? Und vor allem warum? „So sehr uns der Verlust dieses geliebten Ortes schmerzt, umso stärker freuen wir uns, dass alle gemeinsam anpackten“, versucht Platte dem Ganzen noch etwas Positives abzugewinnen. Das Schlimme an der Sache ist vor allem: Schrecksbach ist kein Einzelfall.

Riebelsdorf: Eingebrochen und dann abgefackelt

Auch im Neukirchener Stadtteil Riebelsdorf brannte am Wochenende eine Grillhütte nieder. Einen Tag nach dem Brand in Schrecksbach, am späten Sonntagabend gegen 23.20 Uhr, bemerkte ein Zeuge von seiner Wohnung aus die Flammen. Er alarmierte sofort die Feuerwehr – doch auch hier zu spät. Denn als Polizei und Feuerwehr eintrafen, brannte die Hütte längst lichterloh.

Es gab keine Möglichkeit mehr, das Feuer zu löschen. Die Einsatzkräfte mussten die Grillhütte kontrolliert abbrennen lassen. Der geschätzte Sachschaden beträgt 75.000 Euro. Nur einen Tag zuvor, am Samstagnachmittag, sind Unbekannte in der Zeit zwischen 16 und 18.30 Uhr bereits in die Grillhütte eingestiegen. Die Täter hatten eine Fensterscheibe eingeworfen, um einbrechen zu können. Dann machten sie Beute: sechs Flaschen Whiskey im Wert von 250 Euro.

Erste Brandserie vor wenigen Wochen

Schon vor wenigen Wochen schien ein Feuerteufel sein Unwesen in der Schwalm zu treiben. Innerhalb kürzester Zeit brannten in Willingshausen, Zella, Landsburg und gleich zweimal in Wiera Grillhütten und ein Bauwagen. Auch beim jüngsten Fall am 23. Februar in Zella konnten die Einsatzkräfte der Feuerwehr den Brand nicht mehr löschen. Weil die Hütten aber von Bäumen umgeben sind, hätten sich die Brände auch rasch ausbreiten können. In allen Fällen konnten die jeweiligen Feuerwehren das jedoch verhindern.

IG will Belohnung für Hinweise zahlen

Wie Polizeisprecher Markus Brettschneider gegenüber unserer Zeitung erklärt, laufen die Ermittlungen zu den Fällen auf Hochtouren. „Wir gehen davon aus, dass die einzelnen Fälle zusammenhängen“, so Brettschneider. Mehr wollte der Polizeihauptkommissar mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. Nur soviel: „Wenn jemand aus der Bevölkerung Angaben zu auffälligen Personen oder Umständen machen kann, soll er sich bei uns melden.“

Tobias Lohre, Vorsitzender der Interessengemeinschaft „Alteisen“ in Riebelsdorf legt nach: „Wir wollen eine Belohnung für sachdienliche und zielführende Hinweise ausloben.“ Diesbezüglich stehe er auch noch mit den Betroffenen in Schrecksbach und Zella in Kontakt. „Ich empfinde blanke Wut“, bringt es Lohre auf den Punkt. Unzählige Arbeitsstunden habe man in Riebelsdorf investiert, um die 1976 erbaute Hütte in Stand zu halten. Jetzt sei sie einfach abgefackelt worden.

Wer Hinweise zu den Fällen geben kann, wird gebeten, sich an die Polizei unter Tel. 05681/774-0 zu wenden.

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