Meinungen zum A49 Lückenschluss: Gewinn oder Verlust für die Region?

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Im VKE 20 rollen die Baufahrzeuge. In Neuental-Schlierbach wird aktuell die A 49 weitergebaut.

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat in seiner Sitzung am Mittwoch 1,1 Milliarden Euro für den A 49 Lückenschluss freigegeben. Der Beschluss in Berlin ruft Diskussionen im Schwalm-Eder-Kreis hervor. Auch Sie können Ihre Meinung schreiben!

Schwalm-Eder. Die Nachricht, dass der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am Mittwoch, die Finanzierung für den A 49 Lückenschluss zwischen Schwalmstadt und Gemünden in Höhe von 1,1 Milliarden Euro freigegeben hat, verbreitete sich wie ein Lauffeuer und warf erneute Diskussionen auf.

A 49-Befürworter sehen im Lückenschluss eine Entwicklungschance für den ländlichen Raum zwischen Kassel, Marburg und Gießen. Projekt-Gegner sehen in der Anbindung des südlichen Schwalm-Eder-Kreises an die Oberzentren eher einen Nachteil. Die Kaufkraft könnte gänzlich nach Kassel oder Gießen verschwinden.

Seit Ende 2015 fertig: der 900 Meter lange Tunnel bei Schwalmstadt-Frankenhain.

Unsere Redaktion erreichten viele verschiedene Meinungen zum Thema. Wir laden unsere Leser deshalb ein, hier mitzudiskutieren. Kommentieren Sie diesen Artikel oder schreiben Sie uns einen Leserbrief direkt an michael.seeger@mb-media.de

Kontroverse Meinungen haben beispielsweise auch unser Redakteur Michael Seeger und Leser Wilhelm May aus Schwalmstadt. In Seegers Kommentar und Mays Leserbrief

Kommentar: Der ländliche Raum wird zum Gewinner

Endlich Gewissheit: Die Lücke zwischen den Bundesautobahnen 49 und 5 wird geschlossen. Nachdem die Baufahrzeuge längst schon zwischen Neuental und Schwalmstadt rollen, war es unbedingt nötig, endlich auch die Finanzierung für die beiden letzten Bauabschnitte über Stadtallendorf bis zur A 5 bei Gemünden zu klären.

Wäre das Bauprojekt nicht zusammen mit privaten Investoren auf den Weg gebracht worden, wäre der Lückenschluss zwischen Schwalmstadt und Gemünden wohl in weite Ferne gerückt – möglicherweise auch gar nicht mehr realisiert worden.

Der ländliche Raum zwischen Kassel, Marburg und Gießen hätte – wenn überhaupt – nur geringen Nutzen vom A 49-Weiterbau bis Schwalmstadt gehabt. Seit Mittwoch ist ein gesamter Lückenschluss bis 2025 wieder realistisch.

Und das ist gut so. Denn neben der Entlastung der Autobahnen 5 und 7, verspreche ich mir davon ein Wirtschaftswachstum für den südlichen Schwalm-Eder-Kreis. So könnte beispielsweise das Mittelzentrum Schwalmstadt zu einem der großen Gewinner des Lückenschlusses werden. 

Leserbrief: "Die Bürger werden unter einer Abgasglocke leben"

Der „Liberale Spatenstich“ an dem Bauabschnitt VKE20 der A49 bei Bischhausen, durchgeführt von der alten FDP-Mannschaft unter Leitung des ehemaligen hessischen Verkehrsministers D. Posch zeigt einmal mehr das vergangenheitsorientierte Denken einer Partei, die auf dem Abstellgleis gelandet ist und offensichtlich nichts dazugelernt hat. Wirtschaftliche und Individualinteressen standen damals im Vordergrund und haben die bisherigen Baumaßnahmen in Gang gesetzt.

Der zögerliche Weiterbau der A 49 hängt sicherlich eng zusammen mit einem deutlichen Wandel der gesellschaftlichen Ziele in der heutigen Zeit, der auch von der derzeitigen Regierung wahrgenommen wird. Die Erhaltung unserer Lebensräume hat einen hohen Stellenwert. Klimaschutz gehört zu den wichtigsten politischen Themen.

Das Umweltbundesamt macht die Problematik unserer Verkehrsentwicklung sehr deutlich. So beträgt die tägliche Zunahme unserer Verkehrsfläche seit Jahren 22 Hektar. Davon entfallen fünf Hektar auf Hauptverkehrsstraßen und Autobahnen. Das Amt fordert: „Das Prinzip eines dauerhaft umweltverträglichen Verkehrssystems besteht darin, die Bedürfnisse nach sozialen Kontakten und Kommunikation sowie der ökonomischen Entwicklung zu befriedigen, ohne die Gesundheit von Menschen und Ökosystemen zu gefährden.“

Der Länderausschuss für Immission hat festgestellt, dass der Verkehr mit den kanzerogenen Stoffen Dieselruß, polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Benzol zu mehr als 80 Prozent zum immissionsbedingten kanzerogenen Risiko beiträgt.

Weiterhin werden Landschaften in ihren Flächen durch Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen (in unserer Region B3, A49, B254) in Kleinflächen zerschnitten und so Biotope isoliert und verinselt. Sie bieten damit nicht mehr die Voraussetzungen für einen wirksamen Arten- und Biotopschutz und naturnahe Erholung des Menschen. Die Planung der A49 im vorigen Jahrhundert hat diesen Fragestellungen keine Bedeutung beigemessen. Eine verkürzte, von Bergen verschonte Nord-Südverbindung für die Logistiker war das Kernziel! Die Trassenführung einfach auf der Westseite des Schwalmtals nahe an den Siedlungsgebieten war die Lösung.

Schwalmstadt mit seinen schonenden und kurzen Anschlüssen des Gewerbegebietes über die B 254 an die A7 nach Hamburg und A5 nach Frankfurt muss sich zukünftig in einer Ortsdurchfahrt unter hoher Belastung der Einwohner und mühsamen Kreiselverkehren den Weg zum Anschluss Frankenhain bahnen. Die Treysaer Bürger werden unter einer Lärm- und Abgasglocke von 30.000 bis 50.000 Fahrzeugen täglich leben müssen.

Gut, dass auf Grund vieler Brücken und Tunnel nur ein zweispuriger Ausbau möglich ist. Und wo bleibt unsere Zukunft: Elektromobilität (in der Eisenbahn schon vorhanden!), Sammelverkehr für Güter (Eisenbahnzüge mit regionaler Verteilung!)?

Mit freundlichen Grüßen

Wilhelm May aus Schwalmstadt

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