Merzhäuser Christian Weigand reist für den Meeresschutz um die Welt

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Trauriger Fund: Bei einer Strandsäuberung fand Christian Weigand neben viel Müll auch verendete Meerestiere.

Der 26-Jährige wollte nicht länger zuschauen, wie die Ozeane und Meere weiter verschmutzt und abgenutzt werden. Er gründete "Blue Awareness".

Merzhausen. Als Christian Weigand nach seinem Abitur nach Australien und Neuseeland reiste, fühlte er sich sofort mit dem Ozean verbunden. Dass er nur wenige Jahre später seine Wohnung aufgeben und seine geliebte Gitarre verkaufen wird, um sich dem Meeresschutz zu verschreiben, war ihm zu dieser Zeit aber noch nicht bewusst.

„Ich kam nach meiner Work and Travel-Zeit wieder nach Deutschland und habe erst mal BWL in Marburg studiert. Aber schon nach kurzer Zeit kam es mir bedeutungslos vor, später einfach nur zu arbeiten, um Geld zu verdienen“, erzählt der 26-jährige Merzhäuser. Die Kurve habe er dann durch seinen Masterstudiengang Environmental and Resource Economics in Kiel gekriegt.

Auf Zufälle kommt es an: Christian Weigand (l.) traf an einem Bahnhof Kevin O’Farrell, der dabei half, den Orca aus „Free Willy“ auszuwildern. 

Mit dem Meer vor der Haustür untersuchte Weigand in seiner Abschlussarbeit dessen nachhaltige Entwicklung seit 2012 in der EU. „Das Ergebnis war erschreckend. Ich ging davon aus, dass sich alles langsam, aber stetig verbessert. Doch das Gegenteil war der Fall“, so Weigand. Der entscheidende Grund für ihn, selbst aktiv zu werden und „Blue Awareness“ (deutsch etwa: blaues Bewusstsein) ins Leben zu rufen.

„Wir sind uns alle irgendwie bewusst, dass sich die Meere und Ozeane durch menschliches Verhalten negativ verändern. Aber es reicht scheinbar nicht, um sie zu schützen. Also möchte ich einen anderen Ansatz versuchen“, sagt Weigand. Er wolle die Herzen der Menschen berühren und dadurch hoffentlich viele Unterstützer finden.

Das Projekt ist sein Vollzeitjob, mit dem er aber keinen Cent verdient. Um seine erste Reise zu finanzieren, musste er deshalb einen schweren Schritt gehen. „Ich habe meine Wohnung gekündigt, meine Gitarre, alte Surfbretter und andere Kleinigkeiten verkauft. So hatte ich zwar nicht viel Geld, aber immerhin ein Grundkapital“, erinnert sich Weigand. Und dann ging sein Herzensprojekt im September los.

Interessante Menschen und ihre Projekte

Er fährt zu Menschen, die sich dem Meeres- und Naturschutz verschrieben haben. Nimmt Videos mit ihnen auf und teilt seine Erfahrungen auf Youtube. „So habe ich bisher schon viele tolle Projekte und vor allem interessante Menschen kennengelernt“, sagt Weigand.

Besonders sei ihm das Treffen mit Fergal Smith in Irland in Erinnerung geblieben. „Er ist ein ehemaliger Profisurfer, der mittlerweile eine organische Farm betreibt. Ich durfte eine Woche lang sein Leben kennenlernen und war total begeistert“, erklärt der 26-Jährige.

Eher schockiert war er dagegen, als er kurz darauf nach Grand Canaria reiste. „Ich dachte vorher an traumhafte Strände und Urlaubsgefühl. Aber das gibt es tatsächlich nur dort, wo die Touristen sind. Ansonsten sind die Insel und ihre Strände total dreckig. Überall liegt Plastik herum“, sagt Weigand. Ein Problem, das er ebenfalls in seinen Videos behandelt.

Seine Protagonisten lernt er durch Bekannte kennen und findet sie beim Surfen im Internet – oder aber am Bahnhof. „Das war wirklich ein Zufall. Ich stehe da und warte auf meinen Zug, da spricht mich einfach ein älterer Herr an. Als wir ins Gespräch kommen und ich ihm von Blue Awareness berichte, erzählt er mir auf einmal, dass er Kevin O’Farrell sei, der Mann, der dabei half, den Orca aus dem Film „Free Willy“ auszuwildern“, sagt Weigand.

Noch direkt am Bahnsteig holte er seine Kamera heraus und führte mit O’Farrell ein Interview. Der nannte Weigand darüber hinaus gleich noch weitere Kontakte, mit denen er sich in Verbindung setzen sollte. „Ich kann es bis heute nicht richtig fassen, dass mir das passiert ist. So spickt sich das manchmal zusammen“, sagt Weigand.

Nach einem Jahr möchte er Bilanz ziehen

Er möchte ein Jahr lang etwa ein Video pro Woche online stellen. „Mal stelle ich eine Person vor, dann wieder teile ich meine eigenen Erfahrungen“, erklärt Weigand. Bis zum Ende des Jahres möchte er das Projekt weiterentwickeln. Dann zieht er Bilanz. „Ich muss dann herausfinden, ob ich tatsächlich mehr Bewusstsein generiere und Blue Awareness weiterführen kann.“

Sein Wunsch ist es, sich auch in Zukunft für den Meeres- und Ozeanschutz einzusetzen und viele Unterstützer zu generieren. „Wenn jemand Lust hat, mitzureisen oder jemanden kennt, den ich unbedingt besuchen sollte, darf sich gerne mit mir in Verbindung setzen“, sagt Weigand. Sein nächstes Reiseziel hat er sich noch nicht ausgesucht. Die nächsten Wochen nutzt er dafür, um sein Projekt an Schulen und öffentlichen Veranstaltungsorten vorzustellen. So ist er beispielsweise am 24. Januar um 19 Uhr in der Waggonhalle in Marburg.

+++ Extra Info +++

Möglichkeit zur Unterstützung

Damit Christian Weigand sein Projekt weiter ausbauen kann, ist er auf Unterstützung angewiesen. Auf seiner Internetseite www.blue-awareness.com gibt es die Möglichkeit, sein Projekt mit einer Spende zu fördern. Interessierte können sich auch auf seiner Facebookseitesowie seinem Youtube- und Instagram-Account informieren. Wer direkt mit ihm in Kontakt treten möchte, kann ihm eine E-Mail an chris@blue-awareness.com senden.

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