Motorradsattel statt Kirchenbank hieß es beim Biker-Gottesdienst auf Ziegenhainer Paradeplatz

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Zahlreiche Biker aus der Region kamen am vergangenen Samstagnachmittag auf dem Ziegenhainer Paradeplatz zusammen um zum Saisonabschluss beim Openair-Gottesdienst der tödlich verunglückten Motorradfahrer zu gedenken.

Schwalmstadt. Für gewöhnlich laden die Motorradfreunde Leimsfeld jeweils zu Beginn und gegen Ende der Saison zum Treffen mit Korso und Gedenkgottesdienst ein. In der Vergangenheit lockte das, gerade bei schönem Wetter, mehrere Hundert Motorradfahrer aus ganz Nordhessen ans Clubhaus. Der Saisonstart im Frühjahr fiel coronabedingt bereits aus und auch das Herbsttreffen in seiner bisherigen Form musste abgesagt werden. Pfarrer Reinhard Natt hatte die Idee, wie zumindest das Gedenken der tödlich verunglückten Motorradfahrer stattfinden könnte. Am Samstagnachmittag bauten fleißige Helfer den Altar und eine Lautsprecheranlage vor der Ziegenhainer Schlosskirche auf, Burkhard Beneke besetzte das E-Piano und sorgte gemeinsam mit Natt am Saxophon für den musikalischen Rahmen.

Nach und nach füllte sich der Paradeplatz mit Motorrädern, als erster positionierte Bodo Kummert seine ausrangierte Polizei-BMW in entsprechendem Abstand zum Altar. Weitere Maschinen neben ihm bildeten quasi die erste „Bankreihe“ der Open-Air-Kirche. „Wenn hier schon etwas los ist, wollen wir auch hin“, sagten Vivien und Peter Dunkel aus Linsingen, die auch sonst immer zu den Veranstaltungen nach Leimsfeld kamen. Uwe Grund musste sich mit seinem Moto-Guzzi-Gespann erst eine Lücke in der Platzumrandung suchen, bevor er mit seiner sechsjährigen Nichte Valentina in die Mitte des Ovals kam. Horst Nickel hatte mit seinem Trike das gleiche Problem, doch auch der Dorheimer schaffte es auf den Platz.

Zu Beginn des Gottesdienstes standen schließlich an die 50 Maschinen auf dem hellen Split. „Ich bin zutiefst erfreut, dass ihr alle gekommen seid“, begrüßte der Pfarrer seine ungewöhnliche Gemeinde. Statt Talar trug der begeisterte Biker seine Motorrad-Kombi, dazu trug er um den Hals ein helles Holzkreuz. Für seine Ansprache hatte er Walnüsse aus seinem Garten mitgebracht, die auch an die Teilnehmer verteilt wurden. „Mit Corona haben wir eine echte Nuss zu knacken“, sagte Natt, „allerdings sollten wir sie möglichst behutsam öffnen und nicht mit dem Motorradstiefel drauf treten, sonst ist der Kern kaputt“, gab er zu bedenken.

Anschließend wurden fünf Kerzen entzündet, eine davon für den kürzlich verstorbenen Pfarrer Berthold Kraft, der sich im Raum Kassel unter anderem um die Gottesdienste für Motorradfahrer gekümmert hatte. Nach dem Segen lud Natt zum gemeinsamen Saisonstart im kommenden Jahr ein, „wir sehen uns am Samstag nach Ostern in Leimsfeld wieder“, rief er den Bikern voller Optimismus zu. Im Anschluss starteten fast alle zeitgleich ihre Maschinen, mit dröhnenden Motoren verließen sie den Paradeplatz in alle Himmelsrichtungen.

Rubriklistenbild: © Köser

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