Mundart-Abend im Ziegenhainer Museum der Schwalm

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Lebendiges Museum: Peter Reuter (li.) und die Akteure des ersten Mundart-Abends im Kunstkabinett.

Einen Abend lang ging es im Museum der Schwalm ums Schwälmer Platt.

Ziegenhain. Das Ziegenhainer Museum verwahrt viele Schätze aus dem Leben der Schwälmer, darunter Trachten, Möbel, Bilder und weitere Alltagsgegenstände. Eines jedoch passt in keine Vitrine, Truhe oder Bilderrahmen – das Schwälmer Platt. Peter Reuter, Vorsitzender des Schwälmer Heimatbundes, hatte daher die Idee, einen Abend für die Mundart zu veranstalten.

Mit Margarete Jäckel aus Holzburg, die bereits zwei Schwälmer Wörterbücher geschrieben hat, fand er die richtige Fachfrau für das Thema. Hinzu gesellten sich Günter Brandt aus Loshausen, zwei Akteure der Zellaer Theatergruppe sowie drei Mitglieder des Verkehrsvereins Röllshausen und zu guter Letzt brachte Mundart-Lehrerin Ellen Staufenberg noch einige Kinder aus Mengsberg mit.

„Das ist heute der erste Versuch, das Platt ins Museum zu holen“, sagte Reuter bei seiner Begrüßung am Mittwochabend und freute sich über knapp 60 Zuhörer im Kunstkabinett. „Bis in die 1940er Jahre wurde in den Dörfern ausschließlich Platt gesprochen“, erklärte Walter Friedrich aus Zella, „als ich 1953 in die Schule kam, konnte ich kein Wort Hochdeutsch“. Geschriebenes Schwälmer Platt sei sehr rar, sagte er, das älteste ihm bekannte Stück sei das Loshäuser Kirmeslied aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

„Meirerche un Jonge sind heute Girls and Boys“, gab Ellen Staufenberg Einblicke in das Vokabular, „un iehkeefe heißt heute shoppen“. Auch Schwälmer Namen hatten ihre Besonderheiten. So wurde beispielsweise aus dem Johannes-Heinrich der Hannach und aus dem Klaus-Heinrich der Klusinn. Ähnlich erging es den Mädchen, die Barbara-Elisabeth wurde Barbelejs gerufen und die Anna-Katharina hörte auf Ankattreng. Cira Kuntz (10) und Emilia Seitz (11) diskutierten auf Platt übers Älterwerden und Christel Schwalm erzählte die Geschichte „E Rentner hät kö Zejt“.

Zur Begeisterung des Publikums brachte ein angehendes Schwälmer Brautpaar (Pamela Lange und Sebastian Jacobmeyer) die Standesbeamtin (Lisa Kraus) völlig aus dem Konzept und Günter Brandt trug humorvolle Gedichte aus „Kreizschwerneng, Spass muss seng“ vor. Am Ende bedankten sich die Zuschauer bei den Akteuren mit einem kräftigen Applaus. Nach so viel Schwälmer Ohrenschmaus durften sie sich anschließend sogar über Schwälmer Gaumenschmaus in Form von Apfel-, Kartoffel- und Zwiebelplatz sowie Schwälmer Bier freuen.

Mit dieser Veranstaltung endete das Jahresprogramm. An Ostern beginnt die neue Saison – nach der guten Resonanz wird es im kommenden Jahr voraussichtlich eine Neuauflage des Mundart-Abends geben.

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