Nach Todesfall: Hundebesitzer machen Tierärzten schwere Vorwürfe - Klinik dementiert

Die dreijährige Hündin starb unerwartet und mit ihr zwölf ungeborene Welpen.

Gilserberg-Heimbach. Vor einem Jahr berichteten wir über die erfolgreiche x-Mechelaar-Zucht von Sabine und Harald Hrovat aus dem Gilserberger Ortsteil Heimbach (lesen Sie auch: Familie Hrovat züchtet seltene Hunderasse x-Mechelaar). Vor drei Wochen brachte Hündin Luzi wieder zehn gesunde Welpen zur Welt. Es hätte sogar das doppelte Babyglück werden können, denn auch Hündin Amy war tragend. Doch unerwartet starben nicht nur die werdende Mutter, sondern auch all ihre ungeborenen Welpen. „Es fing mit einer Magenschleimhautentzündung an, die mit einer Vitaminspritze und Antibiotika behandelt wurde. Ansonsten ging es Amy gut“, sagt Sabine Hrovat. Als die dreijährige Hündin in der folgenden Nacht apathisch auf der Seite lag, handelte die Besitzerin schnell und brachte sie in eine Tierklinik in Heskem (Kreis Marburg-Biedenkopf).

Untersuchungen blieben ohne Befund

Trotz vieler Untersuchungen, gab es keinen erkennbaren Grund für den schlechten Gesundheitszustand: Blutwerte und Ultraschall seien in Ordnung, die Welpen alle vital gewesen. Röntgenaufnahmen von Brustkorb, um eventuelle Probleme an Herz und Lunge auszuschließen, ergaben ebenfalls keine Ergebnisse. „Die Ärzte tappten völlig im Dunkeln. Ein Notkaiserschnitt war auch nicht möglich, weil Amy instabil war“, sagt Hrovat. Alleine lassen wollte sie ihre Hündin in dieser Zeit nicht. „Der Klinikleiter reagierte allerdings unverständnisvoll und sagte, die Einrichtung sei kein Mutter-Kind-Hotel“, so Hrovat. Mit einem schlechten Gefühl sei sie dann nach Hause gefahren.

Hündin Amy bei einem Spaziergang im Dezember.

„Gegen 14.30 Uhr rief mich die Klinik an. Da wurde mir gesagt, dass Amy stabil sei, aber noch zur Beobachtung da bleiben sollte. Um 18 Uhr sollte sich entscheiden, ob ich sie abholen kann oder sie über Nacht in der Klinik bleiben muss.“ Doch als die besorgte Besitzerin drei Stunden später anrief, war es bereits zu spät. „Amy war wohl gerade gestorben. Die Ärzte haben noch vergeblich versucht, sie zu reanimieren. Sie haben nicht mal versucht, die Welpen zu retten, weil sie angeblich nach 54 Tagen im Mutterleib nicht lebensfähig gewesen wären“, so Hrovat. Ein Skandal für die 54-Jährige.

Sie sei davon überzeugt, dass die Hunde eine reelle Überlebenschance gehabt hätten. Ihre Vermutung: „Es war brechend voll im Wartezimmer. Wahrscheinlich haben sie sich einfach nicht die Zeit genommen. Wenn eine schwangere Frau stirbt, versucht man doch auch alles, um das ungeborene Kind zu retten.“ Warum Amy sterben musste, weiß Familie Hrovat bis heute nicht. „Wir wollten sie nicht in die Pathologie geben, weil wir die Erfahrung gemacht haben, unseren Hund nicht mehr zurückzubekommen. Ich wollte sie einfach nur nach Hause holen und sie im Garten beerdigen.“ Trauer treffe derzeit auf Wut, denn: „Wir haben die Vermutung, dass die Ärzte Amy einfach in ein Zimmer abgestellt und gar nicht richtig nach ihr geschaut haben, weil die Klinik total überfüllt war. Wäre jemand bei ihr gewesen, hätte man früher reagieren und vielleicht noch etwas tun können“, so Harald Hrovat. „Eins steht fest: Mit unseren Hunden setzen wir keinen Fuß mehr in diese Klinik.“

Das sagt Klinikleiter Dr. Wolfram Lemmer

Dr. Wolfram Lemmer, Leiter der Tierärztlichen Klinik für Kleintiere in Heskem, bedauert den Vorfall und weist die Vorwürfe zurück. „Amy wurde von uns permanent überwacht. Als sie Schnappatmung bekam, konnten wir deshalb auch sofort reagieren und haben mit der Reanimation begonnen“, erklärt Lemmer. Die Hündin wurde zuvor ausführlich untersucht, aber es gab keinen pathologischen Befund. „Als sie am Morgen in die Klinik kam, schwebte sie in Lebensgefahr. Ihr Zustand war dauerhaft kritisch. Deshalb wollten wir sie auch nicht mit den Besitzern nach Hause schicken. Ich habe Frau Hrovat erklärt, dass wir in unserer Klinik nicht wie in einem Mutter-Kind-Hotel agieren können. Wir haben auf der Intensivstation, auf der Amy untergebracht wurde, keinen Platz für die Besitzer der Tiere. Außerdem benötigen diese Ruhe und die Keimbelastung müssen wir auch bedenken“, sagt Lemmer.

Als Amy gegen 17.30 Uhr verstarb, hätte es keinen Sinn ergeben, die Welpen herauszuholen, da sie nicht lebensfähig gewesen wären. „Nach 54 Tagen sind die Lungen noch nicht reif, es gibt keinen Saug- und Schluckreflex. Wie qualvoll sie gestorben sind, ist natürlich schwer nachzuvollziehen, aber sobald das Muttertier stirbt, sterben auch die ungeborenen Welpen“, so der Klinikleiter. „Wir haben in bester Absicht gehandelt. Medizinisch kann ich meinen Mitarbeitern und mir nichts vorwerfen. Wir haben alle Untersuchungen gemacht, die möglich waren. Ihr ging es bereits am Abend bevor sie in unsere Klinik kam schlecht. Vielleicht kam sie auch einfach zu spät zu uns.“

Sie hätten zwar Amys Kreislauf zwischenzeitlich stabilisieren, damit aber nicht die eigentliche Ursache bekämpfen können. Woran Amy gestorben ist, könne Lemmer nur vermuten. „Es könnte eine Embolie oder eine Blutvergiftung gewesen sein. Uns lag viel daran herauszufinden, weshalb sie sterben musste. Wir wollten Licht ins Dunkle bringen. Wir haben den Besitzern zweimal vorgeschlagen, Amy in die Pathologie zu geben. Das haben sie aber abgelehnt. Mir ist auch nicht bekannt, dass man sein Tier nach den pathologischen Untersuchungen nicht mehr zurück erhält. Es ist eine furchtbare Tragödie. Wir sehen es auch nicht gerne, wenn Tiere sterben und geben uns deshalb immer große Mühe, Leben zu retten.“

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