Neue Geschäftsführer für Schrecksbacher Edeka-Markt

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Ruth und Horst Gissmann aus Schrecksbach übergeben den Lebensmittelladen Ende des Jahres an ihre Nachfolger.

Schrecksbach. Mal eben schnell noch etwas einkaufen – in dringenden Fällen auch noch nach Ladenschluss? Im Schrecksbacher Edeka Markt Gissmann ist das möglich.

Geschäftsinhaberin Ruth Gissmann und Ehemann Horst stehen hier täglich von morgens bis abends zwischen den Regalen nah bei ihren Kunden. Denen erfüllen sie so ziemlich jeden Wunsch. Zumindest noch bis Ende des Jahres. Denn am 31. Dezember öffnet Ruth Gissmann zum letzten Mal die Tür ihres charmanten Lebensmittelmarktes: "Ich werde den Kundenkontakt schon sehr vermissen", blickt sie wehmütig voraus. Mit gerade einmal 21 Jahren machte sich Gissmann selbstständig. Mehr als 40 Jahre lang betrieb sie ihren Laden mit Herz und Seele. Da fällt es schwer loszulassen.

Kaum vorzustellen, dass die 62-Jährige schon bald zum letzten Mal das Licht im Laden ausknipst. "Uns liegen der Laden und die Kunden besonders am Herzen", sagen beide. Da wundert es nicht, dass das Ehepaar seinen geliebten Betrieb nicht einfach aufgibt. Intensiv haben sich Horst und Ruth Gissmann um einen potentiellen Nachfolger bemüht. Dabei war von Beginn an klar: Nicht jeder Interessent ist automatisch geeignet. Denn: "Wir haben eine hohe soziale Verantwortung unseren Angestellten und Kunden gegenüber", sagt Horst Gissmmann pflichtbewusst. Viele Stammkunden hatten Angst, dass der Laden bald für immer schließen könnte.

Es geht weiter: Nachfolger steht fest

Inzwischen aber steht fest: Es ist nicht Schluss. Es geht weiter. "Wir übergeben an gestandene Kaufleute", verspricht Horst Gissmann. Zum Jahreswechsel übernehmen Sonja Breitzke und ihr Ehemann Heinrich den Edeka Markt in Schrecksbach. Sie selbst führen bereits den Edeka Markt Buchmann in Wasenberg. Für Schrecksbach bringt das viele Vorteile mit sich: Alle Angestellten bleiben dem Betrieb erhalten.  Die Metzgerei Bechtel und die Bäckerei Brandt behalten ihre Standorte innerhalb des Edeka Marktes. "Ich freue mich, dass die Nachfolge geklärt ist. Der Edeka Markt ist für die Nahversorgung in Schrecksbach äußerst wichtig. Wir alle sind Gissmanns sehr dankbar für das, was sie geleistet haben", sagt Bürgermeister Andreas Schultheis.

Angefangen hat alles einst mit nur  einer Aushilfskraft. Inzwischen zählt das Unternehmen elf Angestellte. "Wir sind immer mit der Zeit gegangen", sagt Horst Gissmann. Das zeigt auch der großzügige Getränkemarkt, der 1997 eröffnet wurde und seither Post- und Lotto-Annahmestelle beinhaltet. Übrigens: Einfach nur aufhören und den Laden still und leise übergeben wäre gewiss nicht die Art der Gissmanns. Deshalb möchten sie im Sommer noch einmal ein großes Fest feiern und sich so bei allen Kunden bedanken.

+++ Mehr als nur ein Lebensmittelladen - ein Kommentar von Michael Seeger +++

Im ländlichen Raum drohen regelrechte Nahversorgungswüsten. Der Grund: Die Besitzer kleinerer Lebensmittel-Läden leiden sehr unter dem enormen Konkurrenzdruck der großen Discounter. Denn Supermärkte und Discounter werden immer größer. Sie konzentrieren sich auf immer weniger Standorte mit immer größeren Einzugsgebieten.

Das hat weitreichende Folgen: Es fehlen Nachfolger für immer mehr Dorfläden. Viele schließen. Für immer. Das wirkt sich natürlich auch negativ auf die betroffenen Ortschaften, deren Nahversorgung und letztlich sogar auf die dortigen Immobilienpreise aus. Das kann in Zeiten des demografischen Wandels nicht das Ziel der Bürger sein. Sogar mir sind die Entfernungen zu den Supermärkten oft zu weit. Nicht zuletzt durch die variierenden Spritpreise kaufe ich meine Brötchen lieber direkt vor Ort.

Und ich genieße den samstäglichen Einkauf mitten im Ort, quasi vor der eigenen Haustür. Denn so ein überschaubarer Lebensmittelmarkt auf dem Land ist Dreh- und Angelpunkt des dörflichen Lebens. Hier kommen sie alle zusammen – Nachbarn, Freunde, Kollegen vom Stammtisch oder aus dem Sportverein. Hier kaufen sie nicht nur ein. Sie plaudern, tauschen sich aus und berichten, was es Neues gibt. Das zeigt: Ein Laden im Dorf ist mehr als ein Lebensmittelmarkt. Er ist sozialer Ortsmittelpunkt, Zusammenkunft, Kummerkasten und Seelsorger. Uns muss bewusst sein: Mit unserem Einkaufsverhalten stimmen wir Bürger Tag für Tag über das Fortbestehen oder die Schließung solcher Läden ab!

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