Ein neues Kapitel Fußballgeschichte: Der Pfostenbruch von Wiera

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Da war es passiert: Nach intensivem Kampf um den Ball geriet Maximilian Krähling vom TSV Mengsberg II in die Maschen und riss es dabei um.

Wie einst im Estadio Santiago Bernabéu in Madrid: Auf dem Sportplatz in Wiera ist  am Sonntag ein Tor gefallen - beziehungsweise ein Pfosten gebrochen.

Was haben das Estadio Santiago Bernabéu in Madrid und der Sportplatz in Wiera gemeinsam? An beiden Orten wird Fußball gespielt. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn während Fans aus aller Welt in der spanischen Hauptstadt Fußball auf allerhöchstem Niveau bestaunen, ist der kleine Schwalmstädter Stadtteil Wiera nicht gerade ein Wallfahrtsort für Fußballästheten, sondern eher etwas für bescheidene Patrioten, die ihren Dorfclub im 650-Seelen-Ort aus Überzeugung unterstützen – zur Not auch bis in die unterste Liga.

Warum also überhaupt einen Vergleich zwischen dem spanischen Fußballtempel und dem nordhessischen Sportplatz ziehen? Weil beide Spielstätten seit vergangenem Wochenende um eine Gemeinsamkeit reicher sind. Sowohl in Madrid als auch in Wiera ist bereits ein Tor gefallen – und zwar im wörtlichen Sinn. 1998 sorgte der Torfall von Madrid für Aufsehen in der Sportwelt, als noch vor Anpfiff der Champions-League-Partie zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund das Tor umknickte.

„Falls Sie erst jetzt einschlaten sollten: Ein Tor ist bereits gefallen“ und „Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan wie heute“: Moderator Günther Jauch und Kommentator Marcel Reif wurden für ihre unterhaltsame Berichterstattung beim Torfall in Madrid sogar Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Zuschauer hattten zuvor den Zaun hinter dem Tor bestiegen und ihn zu Fall gebracht. Der Zaun riss dabei das gesamte Tor mit sich.

Am Sonntag ereignete sich Ähnliches in Wiera, bloß war dort die Kreisliga-A-Begegnung zwischen dem heimischen TSV Mengsberg II und dem FC Homberg II bereits im vollen Gang. Nach einem Distanzschuss, der sein Ziel nur knapp verfehlte und gegen die Latte prallte, kämpfte der Mengsberger Maximilian Krähling mit Feind und Freund um den Ball. Was folgte, wird für immer in die Schwälmer Fußballgeschichte eingehen. Aus dem Getümmel heraus flog Krähling in die Tormaschen, wo er sich festhielt, um nicht umzufallen. Der Verteidiger blieb stehen. Das Tor aber nicht. Der rechte Pfosten gab der Wucht des Verteidigers nach und brach.

Seither gibt es neben dem Torfall von Madrid auch den Pfostenbruch von Wiera. Aus Sicht der Mengsberger war die Situation zwar bereinigt, ein weitaus größeres Problem aber geschaffen. Was nun? Spieler und Trainer guckten sich verdutzt an. Zuschauer rieben sich die Augen oder lachten gar Tränen.

Auch für Joachim Gies, der die Partie als Schiedsrichter leitete, war es eine außergewöhnliche Situation. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Da muss man erst mal ruhig bleiben. Bloß nicht in Hektik verfallen. Dann das Ganze in Ruhe anschauen“, erklärt der Neustädter gegenüber unserer Zeitung. Ihm sei dann klar geworden: „Wenn der Pfosten abgemacht wird, können wir nicht weiterspielen.“ Doch als der Unparteiische die Begegnung gerade abbrechen wollte, schritten die Spieler zur Tat. „Die waren sich gleich einig, weiterspielen zu wollen. Und sie würden das hinbekommen. Ich war gespannt“, erinnert sich Gies, der noch heute beim Erzählen der noch jungen Anekdote in herzhaftes Lachen gerät.

Andre Ruhland hatte die pfiffigste Idee des Tages: Der Homberger Spieler wollte die Reste des Tors mit einem Winkelschleifer entfernen, ein wenig Erde auf die Grasnarben schütten und ein Trainingstor genau dort aufstellen, wo vorher das ursprüngliche Tor wegknickte. Gesagt, getan. In der Nachbarschaft war schnell eine Flex besorgt und schließlich Hand angelegt. „Ich habe geguckt, ob Höhe und Länge des Tores stimmen. Für mich war das in Ordnnung. Und so habe ich nach einer halben Stunde Unterbrechung wieder angepfiffen“, sagt Schiri Gies.

Übrigens: In Madrid wurde die historische Partie einst mit satten 76 Minuten Verspätung angepfiffen. So gesehen ist die Kreisliga A Schwalm-Eder sogar schneller als die Champions League – zumindest was die Problematik mit defekten Toren angeht.

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