Politischer Aschermittwoch in Treysa nahm Bundespolitiker auf die Schippe

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Er gehört zum Schwalmstädter Karneval wie die Prinksitzungen, Herrensitzung und der Weiberfasching: der politische Aschermittwoch, den jedes Jahr der SPD-Stadtverband ausrichtet. Ziel des heiteren Karnevalsabschlusses ist lockerer Austausch und zwanglose Gespräche.

Vor allem aber gibt der Aschermittwoch im Treysaer Haus für Gemeinschaftspflege immer auch einen anderen Blick auf das politische Alltagsgeschäft. „Man merkt, das kommt gut an“, brachte es Sebastian Vogt auf den Punkt. Der stellvertretende SPD-Stadtverbandschef leitete durch den Abend, weil der Vorsitzende aus beruflichen Gründen fehlte. Patrick Gebauer büffelte parallel in Südhessen um die Berufsbezeichnung „Bankbetriebswirt“. Vertreter aus Politik und Wirtschaft tummelten sich unter den Gästen.

Darunter unter anderem Wilhelm Bechtel von der Stadtsparkasse Schwalmstadt, Jochen Helwig vom Arbeitskreis für Toleranz und Menschenwürde, Hans Merle vom Stadtgeschichtlichen Arbeitskreis, Peter Reuter vom Schwälmer Heimatbund, André Heide von den Eisenbahnfreunden Treysa, Kreistagsabgeordneter Helmut Balamagi, die Ex-Bürgermeister Birger Fey (Frielendorf) und Wilhelm Kröll (Schwalmstadt) und die beiden Stadträte Lothar Ditter und Armin Happel. Burkhardt Walz (Geschäftsführer des SPD-Stadtverbands) und Margot Schick (Kassiererin des SPD-Stadtverbands) sorgten für den reibungsfreien Ablauf des Abends. Wie gewohnt lauschten aber auch wieder einige politische Mitbewerber dem Treiben im Gemeinschaftshaus: Marcus Theis (CDU), Dr. Jochen Riege (Grüne), Thomas Kölle (FWG) und Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Linke).

Schwalmstadts Bürgermeister Stefan Pinhard verglich die Große Koalition mit einer Ehe: „Die Eheleute CDU und SPD befinden sich im Trennungsjahr. Ein Scheidungstermin steht bereits fest. Da kommen auf einmal die Freunde an und sagen: Das könnt ihr nicht machen. Denkt an die Kinder, das Haus und den Hund.“ Und prompt folge auf den Scheidungs- ein neuer Hochzeitstermin. Pinhard hoffe sehr auf ein Zustandekommen dieser Ehe. Neuentals Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm stellte sich als neuer Nachbar Schwalmstadts vor, schwärmte vom Verantwortungsbewusstsein und von der Debattenfreudigkeit der Sozialdemokraten auf Bundesebene und scherzte über die FDP. Die Liberalen seien eine One-Man-Show, bestehend aus Christian Lindner. Die Inhalte der FDP seien so wichtig, wie Holland für eine Fußball-WM.

Dr. Edgar Franke stellte fest, dass es zum ersten Mal überhaupt in der Nachkriegszeit bis Ostern keine Regierung geben werde: „So etwas kennt man nur aus Italien.“ Der Bundestagsabgeordnete nutzte seinen Auftritt vor allem, um Kontakt zur Parteibasis zu halten und mahnte: „Den Hilfsintellektuellen im Parteivorstand fehlt der Realitätsbezug. Wenn die Menschen das Gefühl bekommen, dass es Politikern nur noch um Posten geht, dann wird das zur Gefahr für unsere Demokratie.“

Vorläufiger Höhepunkt am Aschermittwoch war der Auftritt von Udo Lohr. Der Treysaer schlüpfte in die Rolle des Bundestag-Hausmeisters und verzichtete als einziger auf das Mikrofon: „Ich hatte schon immer eine große Klappe.“ Lohr – der zum zehnten Mal den politischen Aschermittwoch prägte – nahm die Bundespolitiker nach allen Regeln der Kunst auf die Schippe. Da war beispielsweise die Rede von Alexander Dobrindt und Horst Seehofer: „Es gibt eben Menschen, die furchtbar einfach und einfach furchtbar sind.“ Und auch der FDP-Bundesvorsitzende bekam sein Fett weg: „Was ist glitschiger als Schnee? Herr Lindner von der FDP!“

Die AFD-Abgeordneten bezeichnete Lohr als Parlament-Arier. Beim Blick über den großen Teich machte Lohr natürlich auch Halt bei Donald Trump und dessen nukleares Kräftemessen mit Nordkorea: „Spätestens wenn eine Stechmücke auf deinem Hoden landet, dann merkst du, dass man Probleme nicht mit Gewalt löst.“

Jürgen Kaufmann versuchte vor allem die jungen Genossen zu beruhigen. „Regt euch nicht so sehr auf“, so der Appell des Vize-Landrats. In der Vergangenheit habe es schon häufig „Chaostage“ innerhalb der SPD gegeben. Die Kurve aber habe die Partei immer gekratzt.

Als „krönender Abschluss“ angekündigt, trat dann auch noch Landtagsabgeordnete Regine Müller ans Mikrofon. Sie nutzte die Gelegenheit, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Immerhin steht im Oktober die Landtagswahl an. In ihrem authentischen Plädoyer setzte sich die Ziegenhainerin für eine solidarischere Haltung in der Gesellschaft ein. Bemerkenswert: Bei keinem der vorigen Redner war es so leise im Saal wie bei Müller. Sie schien den Nerv ihrer Zuhörer zu treffen. 

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