Portrait: Konrad Nachtwey lebt für Kunst und sein Museum

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Konrad Nachtwey ist Kunsthistoriker und Museumsleiter aus Leidenschaft. Bis er seinen Traumberuf ausüben kann, musste er aber lange warten

Ziegenhain. Die Wanduhr tickt unermüdlich, auf dem Schreibtisch stapeln sich Papier, Briefe und Kunstbücher. Nur einer hat den Überblick – Museumsleiter Konrad Nachtwey. Hier, in seinem kleinen Büro im Hinterzimmer des Museums der Schwalm in Ziegenhain, plant er neue Ausstellungen und einmalige Projekte. Keiner will es so recht glauben, aber der smarte Kunsthistoriker feierte erst kürzlich seinen 80. Geburtstag.

Aber was ist das Geheimnis für ein glückliches Leben? Laut Nachtwey ist die Antwort simpel: "Man darf nie alleine aus Frust saufen, sondern nur in Gesellschaft aus einem guten Anlass", sagt das Geburtstagskind gegenüber unserer Zeitung mit einem breiten Grinsen. Wer Konny Nachtwey kennt, der weiß, dass er und die Kunst einfach zusammengehören. Dabei hat es über 60 Jahre gedauert, bis Nachtwey seine Leidenschaft tatsächlich zum Beruf machen konnte. Im Jahr 1935 geboren, erlebte er den Krieg als kleiner Junge hautnah. "Ich weiß was es bedeutet Hunger zu haben und nicht satt zu werden."

Doch zwischen all der Not und dem Elend verlor der junge Nachtwey nicht die Hoffnung. Außerdem hatte er ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte Akademiker werden. Bis er sich diesen Traum erfüllen konnte, mussten allerdings erst viele Jahre vergehen. "Als Arbeiterkind gab es keine Möglichkeiten zu studieren", sagt Nachtwey. Also machte er zunächst eine Ausbildung beim Bundesgrenzschutz und verließ Berlin. Aber so richtig wohl fühlte er sich in seiner Haut als Offizier nicht. Mit 39 Jahren wechselte er dann zur Bundesbank und arbeitete dort als Sicherheitschef – ein erfüllender Beruf für Nachtwey. "Da konnte ich meine Kreativität ausleben", erklärt er.

Und trotzdem: Tief im Innern schlummerte immer noch sein Jugendtraum von einer Akademiker-Laufbahn. Der Wunsch war so groß, dass er als Rentner noch einmal sämtliche Fachbücher wälzte. 12 Semester lang studierte Nachtwey Politik- und Kunstwissenschaften, um endlich seine wahre Leidenschaft auszuleben. Seitdem hat er viele Vorträge gehalten und in Seminaren sein historisches Wissen weitergegeben. Bis er letztendlich in der Schwalm gelandet ist. Das war ein reiner Zufall. Angefangen hat alles mit Kunstbetrachtungen, die er im Museum der Schwalm durchführte.

Und dann kam eins zum anderen. Ende 2013 hat Nachtwey die Museumsleitung übernommen. "Es ist ein Glücksfall, dass ich mich hier so engagieren darf", erzählt er. Obwohl ihm die Arbeit viel abverlange, mache er sie gerne. "Ich muss einfach immer etwas zu tun haben. Wenn ich faul auf der Couch liege, dann bin ich ein alter Mann", sagt Nachtwey und lacht. Außerdem kann er endlich seinen Traumberuf ausüben und den gibt er nicht so einfach auf: "Das wird gemacht, so lange es geht."

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