Post-Streik: Auch Angestellte in Schwalmstadt legen Arbeit nieder

+

Seit Mittwoch streiken die Schwalmstädter Brief- und Paketzusteller. Verdi, die Post und ein Angestellter, der nicht streikt, meldeten sich zu Wort.

Schwalmstadt. Bahn-Streik, Kita-Streik und jetzt kommt noch die Post dazu. Ein regelrechtes Streik-Fieber scheint in Deutschland ausgebrochen zu sein. Der Grund ist immer der gleiche: Die Angestellten wollen besser und gerechter bezahlt werden. Mehr als legitim sagen Lokführer, Erzieher, Brief- und Paketzusteller – In der geforderten Höhe nicht gerechtfertigt und arbeitsplatzgefährdend ist der Tenor der "Gegenseite". Im Fall der Post fordert Verdi eine Überführung der von der Deutschen Post AG für die Paketzustellung gegründeten 49 Regionalgesellschaften (DHL Delivery GmbH) in den Haustarifvertrag des Unternehmens.

Auch in Schwalmstadt wird gestreikt: Am Mittwoch sind die Schwälmer Brief- und Paketzusteller in den von der Gewerkschaft Verdi ausgerufenen Arbeitsausstand getreten.

Post lehnt aktuelle Forderungen ab

Die Deutsche Post selbst liefert auf ihrer Internetseite aktuelle Informationen zum Streik und den Tarifverhandlungen mit Verdi. Hier wird deutlich, dass Post und Gewerkschaft momentan alles andere als auf einer Wellenlänge liegen. Es heißt: "Wir lehnen die aktuelle Forderung seitens Verdi ab, da sie Arbeitsplätze gefährdet und keine Wachstumsperspektive bietet. Die Androhung unbefristeter Streiks bewertet die Deutsche Post als unverhältnismäßig und in Bezug auf die laufende inhaltliche Auseinandersetzung als destruktiv. Es werden Mitarbeiter zum Streik aufgerufen, die gar nicht von den Regionalgesellschaften betroffen seien." Post-Konzernpersonalvorstand und Arbeitsdirektorin Melanie Kreis erklärt in einer Pressemitteilung: "Dieses sogenannte Angebot, das durch die ultimative Forderung nach umgehender Annahme nicht einmal verhandelbar war, löst keines unserer Probleme. Mit einer Mehrbelastung von rund 300 Millionen Euro wäre es sogar eine spürbare Verschärfung unseres bestehenden Wettbewerbsnachteils."

Verdi sieht Unterstützung aus der Bevölkerung

Ganz anders bewertet Verdi die momentane Situation: "Wir hoffen, dass die Post den von uns zugespielten Ball aufnimmt und uns ein akzeptables Angebot macht", sagt Roland Blumenauer, Gewerkschaftssekretär im Bezirk Nordhessen, im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit der Streikbeteiligung in Nordhessen sei die Gewerkschaft zufrieden. "Bisher läuft es erfolgreicher, als wir zuvor angenommen haben, auch wenn noch Luft nach oben ist", erklärt Blumenauer. Sorgen, dass Verdi den Zorn der Bevölkerung auf sich ziehe, mache er sich derzeit keine: "Was ich bisher gehört habe, ist der Streik in der Bevölkerung nicht negativ aufgenommen worden. Im Gegenteil: Wir erfahren sogar Unterstützung."

Wie uns der Verdi-Landesfachbereichsleiter Postdienste in Hessen Detlev Borowski mitteilt, befanden sich am Donnerstag knapp 1.500 Angestellte im Streik. In Schwalmstadt seien es zum gleichen Zeitpunkt 34 gewesen. Insgesamt 45 Mitarbeiter sind nach Angaben der Post in Schwalmstadt beschäftigt. Ein Ende des Streiks sieht Borowski derzeit nicht: "Die Post muss ihre Taktik ändern", sonst käme man auf keinen gemeinsamen Nenner.

An Streik-Standorten wie Schwalmstadt setzt die Post Ersatzkräfte (siehe Extra-Info) ein. Zu Verzögerungen könne es jedoch trotzdem kommen. Ob die eigene Sendung vom Streik betroffen ist, kann unterwww.deutschepost.de geprüft werden.

+++ Extra Info +++

Das sagt eine Ersatzkraft

Paketzusteller, die nicht in den Arbeitsausstand treten, springen derzeit für ihre Kollegen. Einer von ihnen ist Horst Bachmann (Name von der Redaktion geändert). Er hätte eigentlich frei, aber  springt für einen Kollegen ein, der sich kurzfristig dem Streik angeschlossen habe. Bachmann sei generell niemand, der streikt. Ihm mache seine Arbeit Spaß und er möchte seinen Konzern nicht im Stich lassen. Er glaubt sowieso, dass der Streik keine Änderungen für die Zusteller bringen werde. Es sei ohnehin schon alles beschlossene Sache. Der Streik werde erst enden, wenn Verdi das Geld ausgeht oder neue Verhandlungen eingeleitet werden.

Die Pakete müssten trotzdem ausgetragen werden und je länger gestreikt wird, desto mehr bleibe liegen. Damit würde eine Menge Arbeit auf die streikenden Kollegen zukommen, sobald sie wieder an die Arbeit gehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

15 Hochsitze in Neukirchen mutwillig zerstört - rund 10.000 Euro Schaden

Jagdpächter Jörg Winther hat eine Belohnung in Höhe von 1.500 Euro ausgesetzt, wenn die Hinweise zur Ergreifung des Täter führen.
15 Hochsitze in Neukirchen mutwillig zerstört - rund 10.000 Euro Schaden

Steinwaldschule feiert 500 Jahre Schulstandort Neukirchen

Unter anderem ist eine Projektwoche geplant, während der sich die Schüler mit der Vergangenheit beschäftigen sollen.
Steinwaldschule feiert 500 Jahre Schulstandort Neukirchen

Einbruch in Kneipe an Treysaer Bahnhof

Der angerichtete Schaden wird auf etwa 1.500 Euro geschätzt.
Einbruch in Kneipe an Treysaer Bahnhof

ZKV feiert Herrensitzung in Ziegenhain

Die Mitglieder des Ziegenhainer Karnevalsverein haben auch in diesem Jahr wieder ein abwechslungsreiches Programm auf die Bühne gebracht.
ZKV feiert Herrensitzung in Ziegenhain

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.