Richard Liebner: Ein französischer Künstler in Trutzhain

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Der Maler Richard Liebner bringt ein Stück Frankreich nach Trutzhain.

Trutzhain. Es herrscht unheimliche Ruhe. Kinder schreien. Mitten im winzigen Raum der 21 Meter hohe Frankfurter Hammering Man. Fratzen starren von den Wänden. Daneben Dalí.

In Richard Liebners kleinem Atelier in Trutzhain entsteht großartige Kunst. Und die könnte unterschiedlicher kaum sein. Denn sie unterliegt nicht etwa den Zwängen irgendwelcher Stilrichtungen. Im Gegenteil: Liebner tobt sich impressionistisch und expressionistisch aus.

Einige surrealistische Motive sind wohl seiner Begegnung mit Salvador Dalí zu verdanken. Den exzentrischen Ausnahme-Maler traf Liebner während eines Aufenthalts 1972 in Figueres (Spanien). Als er Dalí wenige Tage später live malen sah, habe Liebner gestaunt und Tränen in den Augen gehabt. "Der war genial", bringt es der gebürtige Elsässer auf den Punkt.

Von Dalí inspiriert widmet sich Liebner nahezu täglich seinen eigenen Werken. "Ich arbeite immer parallel an mehreren Projekten", sagt der 65-Jährige. Das wird beim Betreten des Ateliers deutlich. Denn das platzt längst aus allen Nähten. Überall stehen Leinwände, Pinsel und Farben. Bis unters Dach stapeln sich unzählige Bilder mit kräftigen Farben, mal abstrakt, mal realistisch. In einem überfüllten Regal liegen Zeichnungen und Notizen zu kreativen Ideen.

Der Arbeitsraum als Rückzugsort

"Hier entfliehe ich dem Alltag, bin ich glücklich. Der Raum hält mich fest, macht mich stark", erzählt Liebner. Und genau aus diesem Grund brauche er nicht – wie so viele andere Menschen – einen Psychologen. Er rede einfach mit der Kunst, bringe in ihr seine Stimmungen zum Ausdruck. "Es gibt Zeiten, in denen ich frustriert bin oder ich mich übermäßig freue. Dann male ich am besten".

Manchmal hingegen werfe der Kunstfanatiker seine Pinsel einfach in die Ecke – nämlich immer dann, wenn er nichts fühle. Was aber herauskommt, wenn Liebner sein Innerstes auf der Leinwand äußert, ist beachtlich.

Dann nämlich zeigt sich ein ungeschönter Blick auf die Grausamkeit der Gesellschaft. Erschreckende, düstere Motive von verzweifelten und schreienden Kindern rufen eine natürliche Distanz im Betrachter hervor. Dagegen ziehen zarte Portraits anhaltende Blicke auf sich.

Die komische Kunst eines Könners

Und doch bleibt Liebners Kunst unter Schwälmern umstritten. "In den Augen vieler Leute male ich ja nicht richtig. Ich male komisch", schmunzelt er. Eines aber muss man dem sympathischen Künstler lassen: Liebner malt aus Überzeugung und mit Hingabe. Seine Werke berühren. Sie provozieren. Und sie regen zum Nachdenken an.

+++ EXTRA-INFO ZUR PERSON +++

Richard Liebner, der sich selbst "Ritschi" nennt, nahm mit sieben Jahren zum ersten Mal an einem Malwettbewerb teil. Dem gebürtigen Elsässer wurde die Kunst in die Wiege gelegt. Liebners Vater war Bildhauer, sein Onkel Steinmetz. Der 65-Jährige qualifizierte sich an der "Ecole des Beaux-Arts", einer Schule für bildene Künste in Frankreich, erhielt Anleitungen zur Bildhauerei, besuchte die Staatliche Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken und war Gasthörer an der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main. Liebner besuchte die Künstlerkolonie in Valloria (Italien) und bildete sich an Volkshochschulen weiter. Heute ist er Mitglied des Schwälmer Kunstvereins "Neue Brücke".

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