Rudolf Markl ist mit 81 Jahren noch Zeugwart beim SC Neukirchen

Bei der Arbeit in seinem „Büro“: Rudolf Markl kümmert sich beim SC Neukirchen, neben vielen anderen Dingen, auch um die Spielkleidung der Seniorenfußballer. Fotos: Klagholz

Er ist der zwölfte Mann: Auch mit 81 Jahren denkt SC Neukirchen-Zeugwart Rudolf Markl noch lange nicht ans Aufhören.

Neukirchen. Volksmusikklänge schwingen aus der Box eines kleinen tragbaren Radios. Der Interpret singt von der Liebe zu seiner Heimat. Heimat – das ist für Rudolf Markl seit 81 Jahren das kleine Knüllstädtchen Neukirchen. Hier ist er verwurzelt – ganz besonders mit dem heimischen Fußballverein SC Neukirchen.

Seit fast 60 Jahren ist Markl Mitglied. Früher war er selbst Spieler, wirbelte im Mittelfeld. Nach der aktiven Zeit blieb der 81-Jährige dem Verein aber weiterhin treu. Bis heute ist er Zeugwart der Seniorenfußballer – sorgt unter anderem dafür, dass die SCN-Spieler an den Wochenenden mit sauberen Trikots auflaufen können und hält die Sportanlagen in Schuss.

Sein "Büro" ist ein etwa zehn Quadratmeter großer Raum. Spartanisch, ganz nach seinem Geschmack, eingerichtet. Ein Stuhl, ein Tisch und eben jenes kleine Radio. "Mehr brauche ich nicht", erklärt der 81-Jährige.

Es ist Freitagabend, kurz vor 20 Uhr – die Seniorenmannschaften des SC Neukirchen werden gleich das Training beenden. Jetzt beginnt der "Arbeitstag" von Rudolf Markl, der von allen nur Rudi genannt wird. Er stellt Schuhputzeimer vor die Tür der Umkleidekabinen und sogar einen Aschenbecher für die Raucher bereit. "Auch in der Regionalliga gab es Raucher", weiß der Zeugwart zu berichten.

In all den Jahren ist viel passiert beim SC Neukirchen: Vom Aufstieg in die damals noch drittklassige Regionalliga 1995, bis zum Abstieg aus der Hessenliga im Jahr 2002. Markl hat alle Höhen und Tiefen erlebt, viele Spieler und Trainer kommen und gehen sehen – er selbst ist geblieben. "Der SC Neukirchen war immer mein Verein und wird es auch bleiben. Ich habe nie daran gedacht, hier alles stehen und liegen zu lassen", betont der 81-Jährige.

Die Spieler schätzen das Urgestein – nicht nur, weil er sich um deren Schmutzwäsche kümmert. Markl interessiert sich für seine Jungs, erkundigt sich nach deren Gesundheitszustand – verlangt nach einer Niederlage aber auch schonmal eine Erklärung für den Misserfolg. "Kämpfen und Siegen!" lautet seine Maxime.

"Rudi ist die treue und gute Seele. Er genießt innerhalb der Mannschaft und im ganzen Verein höchsten Respekt. Was er seit Jahren für uns leistet, ist einzigartig", erklärt Adam Biernacki, Abteilungsleiter Fußball, und fügt an: "Es ist schlichtweg unglaublich, welche Disziplin und Leistungen dieser Mann in seinem Alter an den Tag legt, um seinen SCN tatkräftig zu unterstützen."

Auch mit 81 Jahren denkt Markl noch lange nicht an den Zeugwart-Ruhestand. "Meine Aufgaben hier halten mich fit. Und ich hoffe, dass es mir meine Gesundheit erlaubt, noch ein paar Jahre weiterzumachen", sagt der Neukirchener. Seine Prioritäten sind klar gesetzt: "Erst der SCN und dann alles andere!"

+++EXTRA-INFO+++

Zur Person

Rudolf Markl stammt aus dem Sudetenland und wurde am 10. September 1936 geboren. Nach der Vertreibung aus seiner Heimat kam er 1946 nach Neukirchen. Bis 1960 lebte der gelernte Zimmermann im Stadtteil Asterode und ab 1960 in der Kernstadt. Seitdem ist Markl auch Mitglied im SC Neukirchen.

Seine schönste SCN-Erinnerung datiert vom 28. Mai 1995: Damals gewann die erste Mannschaft im Gießener Waldstadion mit 4:0 gegen die Amateure von Eintracht Frankfurt und machten somit den Aufstieg in die Regionalliga perfekt.

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