Schließung nach fast 40 Jahren: Wäscheetage in Treysa macht dicht

Der letzte macht das Licht aus: In Treysa schließt zum Jahresende die Wäscheetage Schäfer - nach 39 Jahren.

Ein junger Mann greift zielgerichtet in die Auslage mit Baumwoll-Unterhosen. In der Umkleidekabine schlüpft eine Frau in samtene Nachtwäsche. Zwischen dem Kunden in der einen und der Kundin in der anderen Ladenecke flitzt Annedore Schäfer emsig hin und her. Nach all den Jahren in ihrer Wäscheetage weiß die Einzelhändlerin nur zu gut, was ihre Kunden wollen. Mit all ihrer Erfahrung greift sie zwei Artikel heraus, gibt sie ihren Kunden in die Hand – natürlich nicht ohne zu erklären, was die Vorteile der Stoffe sind.

Seit 39 Jahren führt Schäfer nun schon ihr Fachgeschäft. Wäsche war schon immer die Leidenschaft der sympathischen Unternehmerin. Die gute – weil ehrliche – Beratung wissen Schäfers Kunden zu schätzen. „Wir haben viele Stammkunden. Einige von ihnen sind bereits in der dritten Generation regelmäßig bei uns“, erklärt die 65-Jährige. Da wundert es nicht, dass zu vielen ihrer Kunden ein freundschaftliches Verhältnis entstanden ist.

Fast 40 Jahre lang war die Wäscheetage Anlaufstelle für alle, die sich in den Bereichen Wäsche, Miederwaren und Nachtwäsche ausstatten wollten. Doch damit ist jetzt Schluss. Am 28. Dezember, dem Tag des Scherzmarktes in Treysa, wird Annedore Schäfer zum letzten Mal die Tür zu ihrer Wäscheetage öffnen, um ihre Kunden zu empfangen. Damit geht in einer Treysaer Institution für immer das Licht aus.

Schäfer sah sich 1981, als sie ihren Laden öffnete, vielen Skeptikern ausgesetzt. Kaum jemand schien sich auch nur ansatzweise die Erfolgsgeschichte vorstellen zu können, die das Unternehmen bald einschlagen sollte. Schäfer war junge Mutter und hatte gerade ihre Ausbildung im Textilhaus Voepel in Kassel hinter sich gebracht. Während ihrer Lehrjahre hatte sie den Beruf der Industriekauffrau erlernt und sich zudem an der Textilfachschule Nagold weitergebildet. Für den Schritt in die Selbstständigkeit war sie also gerüstet. Die wichtigste Basis für das Gelingen ihres Vorhabens allerdings war der Rückhalt durch die eigene Familie. Es war die Zeit, als Schäfers Bruder Dieter Dötenbier gerade das Bettenhaus seiner Eltern auf dem Treysaer Marktplatz übernahm.

„Wir beraten kompetent bis zum Schluss“, verspricht Annedore Schäfer (li.) und unterstreicht damit, wie gern sie ihrer Arbeit nachgeht. Der Enthusiasmus für den Betrieb hat sich auch auf Mitarbeiterin Christiane Walter übertragen. Die Treysaerin ist seit 32 Jahren in der Wäscheetage tätig. Noch bis Ende des Jahres läuft dort nun der Ausverkauf.

Das Obergeschoss des Hauses stand leer, als Schäfer dort kurzerhand ihr kleines Geschäft eröffnete und es Wäscheetage taufte. Als das Geschäft 1993 brummte, investierte die fleißige Geschäftsfrau und modernisierte ihre Verkaufsfläche. Die zweite große Veränderung folgte 2009: Die Wäscheetage zog vom Marktplatz in die Bahnhofstraße 14, wo sie bis heute zu Hause ist.

Ehrliche Beratung war immer der Trumpf

Das Erfolgsrezept hinter der Wäscheetage ist schnell beschrieben: Die qualifizierte und unkomplizierte Beratung zeichnet das Team der Wäscheetage aus. Annedore Schäfer ist mit Leib und Seele dabei. Ihre Kunden liegen ihr am Herzen. Aber auch den Mitarbeiterinnen ist die Wäscheetage eine Herzensangelegenheit.

Hinzu kommt, dass Schäfers Ehemann Herbert in den vergangenen Jahren – wenn auch mehr im Hintergrund – eine entscheidende Rolle spielte. Denn seit dem Verkauf seiner Kanalreinigungsfirma unterstützt er seine Ehefrau in der Wäscheetage wann und wo immer er kann.

Bei so viel Identifikation mit dem eigenen Laden wundert es auch nicht, dass die beiden Kinder von Annedore und Herbert Schäfer zu speziellen Anlässen kräftig mit anpacken. Eine Geschäftsübernahme komme für sie aber nicht in Frage. „Beide haben sich eben anders orientiert“, sieht es Annedore Schäfer gelassen.

Und generell sei es in der Branche schwierig einen Nachfolger zu finden. „Deshalb sind wir froh, dass wir das Haus verkaufen und so eine gute Lösung zum Wohle der Stadt finden konnten“, ist sich Schäfer sicher. Zu viel verraten möchte sie an der Stelle allerdings nicht. Das soll dann doch lieber ihr Nachfolger tun, der in einer ganz anderen Branche tätig ist.

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