Der Schwälmer Buffon: Tobias Kreuter steht mit 40 Jahren im Tor des 1. FC Schwalmstadt

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Ein Spielverderber aus Sicht des SSV Sand: FCS-Keeper Tobias Kreuter (re.) machte es seinem Gegner am Samstag schwer. „Weil mir der FC Schwalmstadt und die Jungs am Herzen liegen“, verriet er später den Grund, warum er mit 40 Jahren noch auf dem Platz steht.

In der Fußball-Verbandsliga macht Tobias Kreuter, der 40-jährige Torwart des 1. FC Schwalmstadt, eine bemerkenswert junge Figur.

Schwalmstadt. Als am Samstagnachmittag die beiden Verbandsligisten FC Schwalmstadt und SSV Sand aufeinandertrafen (hier geht's zum Bericht mit Bildergalerie zum Spiel), durfte sich so mancher FCS-Fan in alte Zeiten versetzt gefühlt haben. Da hallten beispielsweise laute Schreie quer durch das Treysaer Schwalmstadion.

Was sich anhörte wie „Choke“ Kelly von der Band „Slapshot“, waren Torwart-Routinier Tobias Kreuter und dessen laute, motivierende Anweisungen. Der Altmeister wies seine Vordermannschaft wie einst zu Oberliga-Zeiten zurecht. Fünfeinhalb Jahre nach seinem eigentlichen Karriere-Ende ist Kreuter wieder starker Rückhalt des abstiegsbedrohten FCS. Seit der etatmäßige Keeper Mario Wörmann an einem Kreuzbandriss laboriert, steht Kreuter wieder zwischen den Pfosten.

„Ich musste das natürlich erst mit meiner Frau besprechen“, erinnert sich der 40-Jährige im Gespräch mit lokalo24.de an die Anfrage des Vereins. Verlernt hat Kreuter, der im FCS-Umfeld schon als Schwälmer Gigi Buffon gilt, während seiner Abwesenheit nichts – auch, wenn er in der Zwischenzeit bei den Alten Herren fast ausschließlich im Feld gespielt hat. „Fußball ist Kopfsache“, bringt es der Routinier auf den Punkt.

„Zum Glück muss ich niemandem hinterherlaufen. Die kommen alle zu mir“, so Kreuter. Ein Problem gebe es da aber doch: Man müsse ordentlich trainieren, um sich den Respekt und das Vertrauen der Mannschaft zu erarbeiten. Der Treysaer sei aber auch ohne Fußball schon genug eingespannt. Als Bankenaufseher bei der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main ist Kreuter oft auch international unterwegs.

Zudem ist er Mandatsträger im Schwalmstädter Stadtparlament. Am gestrigen Trainingsdienstag machte Kreuter beispielsweise Politik im Haupt- und Finanzausschuss. Und während seine Teamkollegen am morgigen Donnerstag auf dem Trainingsplatz schwitzen werden, wird der FCS-Keeper in der Stadtverordnetenversammlung um den städtischen Haushalt debattieren. Übrigens wird er dabei – wie auch auf dem Platz – mit Meinung und Worten nicht geizen.

Wenn auch etwas leiser als beim Fußball, wird Kreuter bei den Themen Hessenkasse und Freibadsanierung am Rednerpult stehen. „Und zwischendurch will ich ja auch nochmal meine Kinder sehen“, gibt der charismatische Sportler zu. Fußball mache ihm noch immer so viel Spaß wie früher. „Aber es passt überhaupt nicht in mein Leben“, so Kreuter.

Gerade deshalb ist es umso erstaunlicher, dass Kreuters persönliches Fußballmärchen wie ein Hollywood-Streifen daherkommt. Man könnte die Notsituation im FCS-Tor durchaus als seltsamen Fall des Tobias Kreuter bezeichnen. Es wäre nicht übertrieben, zu behaupten, dass der 40-Jährige mit zunehmendem Alter immer jünger, und vor allem besser, wirkt – also wie sein berühmtes Kino-Pendant Benjamin Button. Was aber ist eigentlich Kreuters Erfolgsrezept? „Ich bekomme ja nicht viel drauf, dank der jungen, aber sehr guten Abwehr“, lobt der Routinier selbstlos. Für Kreuter steht fest, dass nach der Saison endgültig Schluss sein wird. Auch in Sachen Saisonausgang ist sich der 40-Jährige schon sicher: „Wir halten die Klasse – auf jeden Fall."

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