Die Schwälmer haben ihren Bahnhof satt - ein Kommentar zum längst überfälligen Umbau

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Am Bahnhof Treysa haben Rollstuhlfahrer keine Möglichkeit, auf die Gleise 2,3 und 4 zu kommen.

Der barrierefreie Umbau ist längst überfällig, meint unser Redakteur Michael Seeger. Ein Kommentar über den Zustand des Barriere-Bahnhofs in Treysa:

Der Treysaer Bahnhof ist eine Zumutung – vor allem für ältere Menschen, die bekanntermaßen einen immer größeren Anteil unserer Bevölkerung ausmachen – und für behinderte Menschen – von denen gerade in Treysa, dem Hephata-Standort, sehr viele leben. Wer schlecht zu Fuß oder wie Johann Heinrich Putz gar an den Rollstuhl gebunden ist, hat keinen Zugang zu den Gleisen 2,3 und 4. Die Züge auf Gleis 1 fahren ausschließlich Richtung Frankfurt. Wer immobil ist und nach Norden reisen will, muss also den lästigen Umweg über Stadtallendorf in Kauf nehmen. Gleichberechtigung geht anders!

Es ist höchste Zeit, den Treysaer Bahnhof barrierefrei zu machen. Theoretisch ist das längst möglich. Denn das Baurecht besteht seit dem 9. Juli 2014. Versprochen wurde der Umbau schon oft. Gehalten hat sich die Deutsche Bahn AG daran aber nicht. Immer wieder wurden Gespräche, die mit den früheren Schwalmstädter Bürgermeistern vereinbart waren, von der Bahn AG abgesagt. Auch mehrere Bautermine wurden in Aussicht gestellt und schließlich nicht eingehalten. Der Baubeginn, der ursprünglich für den 14. November 2014 geplant war, wurde ins Jahr 2016, dann sogar in 2019 verschoben.

Michael Seeger.

Das ständige Vertrösten muss jetzt ein Ende haben. Immerhin hat die Stadt Schwalmstadt bereits 156.500 Euro in die Planungskosten investiert. Und im städtischen Haushalt steht eine Million Euro für den Umbau bereit – und das schon seit dem Jahr 2011. Jede weitere Verzögerung des Projekts hat gravierende Nachteile: Die positiven Entwicklungen des Mittelzentrums Schwalmstadt und der gesamten Region sind in Gefahr.

Und was, wenn das Diakoniezentrum Hephata (das allein in Schwalmstadt gut 2.000 Menschen betreut, 1.200 Mitarbeiter beschäftigt, einer der bedeutendsten Ausbildungsträger in der Region, Studienstandort und Träger von Fach- und Förderschulen ist) seinen Standort wechseln würde? Das hätte verheerende Folgen. Etliche Menschen in Schwalmstadt sind auf Barrierefreiheit angewiesen.

Ziel ist es, sie zu integrieren. Sie sollen nicht ausgeschlossen werden. Es ist an der Zeit, die quälenden Fragen nach Bahnsteighöhen und Förderrecht abzuhaken. Die Menschen in der Schwalm haben diesen Bahnhof, von dem Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen nur Richtung Süden reisen können und von Süden kommend gar nicht in Treysa aussteigen können, längst satt! Sollte sich jetzt nicht endlich etwas an der Nutzbarkeit des Bahnhofs ändern, dann läuft Schwalmstadt Gefahr, sich allmählich zu verändern – und zwar in negativer Weise!

Lesen Sie zu diesem Thema auch unserer aktuelle Berichterstattung über elf Bürgermeister aus dem Altkreis Ziegenhain und Landrat Winfried Becker, die sich mit einem gemeinsam Brief an den Vorstand der Deutschen Bahn AG wenden.

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