MVZ Schwarzenborn: Kassenärztliche Vereinigung muss Sitz für Ärztin genehmigen

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Im Mai soll das Medizinische Versorgungszentrum (Hintergrund) in Schwarzenborn eröffnet werden: Erster Stadtrat Armin Heß ist guter Dinge, dass der Termin eingehalten wird.

Am 20. Mai soll das neue Medizinische Versorgungszentrum in Schwarzenborn (MVZ) eröffnet werden. Zuvor muss aber noch ein zweiter Praxissitz genehmigt werden.

Schwarzenborn/Knüllwald. Sie leisten Pionierarbeit, sind „die Ersten“ in Deutschland und gehen gleichzeitig ein hohes Risiko ein. Am 20. Mai soll in der kleinsten Stadt Hessens ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) eröffnet werden (wir berichteten).

„Wir sind die ersten, die ein kommunales MVZ gründen“, erklärt Erster Stadtrat Armin Heß, der noch bis zum Amtsantritt von Neu-Bürgermeister Jürgen Liebermann am 1. April die Schwarzenborner Stadtverwaltung führt. Auf Erfahrungswerte können sie im Knüll demnach nicht zurückgreifen.

„Wir sind uns des finanziellen Risikos bewusst, dass wir hier eingehen, aber eine andere Lösung gab es in unserer Situation nicht mehr“, betont Heß. Die Praxisaufgabe von Dr. Dagmar Stuhldreher war absehbar. Die Allgemeinmedizinerin verabschiedete sich zum 1. Oktober 2015 in den Ruhestand.

Doch weder Stadt noch die scheidende Ärztin hätten einen Nachfolger finden können. „Niemand wollte sich in Schwarzenborn niederlassen“, betont Heß. Im Zuge der Daseinsvorsorge, durch die die Attraktivität der Stadt Schwarzenborn als Wohnstandort erhalten werde, habe man sich schließlich für den Weg entschieden als Kommune ein eigenes MVZ zu betreiben.

„Die Gesetzeslage lässt dies seit 2011 zu“, erklärt Heß und betont: „Das Stadtparlament steht fraktionsübergreifend geschlossen hinter dieser Entscheidung. Der Beschluss ist seinerzeit einstimmig gefasst worden.“

Junge Ärztin aus der Region hat sich um Sitz beworben

Mit der Entscheidung für das MVZ konnte auch ein Allgemeinmediziner für Schwarzenborn gewonnen werden. Seit Juli 2016 praktiziert Werner Nelde in der ehemaligen Praxis von Dagmar Stuhldreher in der Hintergasse.

Ein Gewinn für die Stadt, der jedoch an Bedingungen geknüpft gewesen sei. „Herr Nelde ist nur nach Schwarzenborn gekommen, mit der Perspektive als Angestellter Arzt im MVZ zu praktizieren“, sagt das kommissarische Stadtoberhaupt.

Zum 1. Mai ende jedoch der Mietvertrag für Neldes Praxis in der Hintergasse. „Bis dahin muss alles fertig und in trockenen Tüchern sein“, betont Heß.

Noch haftet dem MVZ der Status „in Gründung“ an. Denn: „Wir brauchen grünes Licht von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für einen zweiten Praxissitz. Sonst gibt es auch kein MVZ“, macht der erste Stadtrat deutlich.

Eine, aus Sicht der Stadtverwaltung, geeignete Bewerberin habe man bereits gefunden. „Es handelt sich um eine junge Fachärztin für Frauenheilkunde, die ihre Bewerbung kürzlich bei der Kassenärztlichen Vereinigung eingereicht hat“, erzählt Heß.

Weiter verrät er: „Sie praktiziert als angestellte Ärztin, ist Ende 30 und kommt aus der näheren Umgebung. Zudem absolviert sie derzeit noch zusätzlich ihre Ausbildung zur Fachärztin.“

Was vielversprechend klingt, steht und fällt mit der Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung. „Eine Kommission der KV entscheidet am 4. April, ob sie den Sitz bekommt“, erklärt Heß.

Gleichzeitig eine existentielle Entscheidung für das MVZ. Armin Heß ist jedoch optimistisch, dass der zu vergebende Sitz an die Schwarzenborner Wunschbewerberin geht. „Wir stehen in gutem Dialog mit der KV, die uns nur wenige Tage vor Annahmeschluss bestätigt hat, dass es keine weiteren Bewerber gäbe“, sagt der erste Stadtrat.

Versorgung für die gesamte Knüllregion

Kommt es zur Gründung, müsse eine neue Verwaltungseinheit bei der Stadt für das MVZ gebildet werden. „So wird es anfangs laufen. Ziel ist es, das MVZ in einen städtischen Eigenbetrieb zu überführen“, erklärt Heß.

Beide Ärzte wären dann Angestellte der Stadt bzw. des zu gründenden Eigenbetriebs. „Das ist ein Pilotprojekt. Der Betrieb muss erst einmal anlaufen“, betont der kommissarische Verwaltungschef und fügt hinzu, dass man damit ärztliche Versorgung für alle Bürger der Knüllregion schaffen wolle.

„Das gilt auch für Stadtteile Hombergs, Neukirchen und vor allem die Gemeinde Knüllwald“, so Heß. Die Nachbargemeinde verfügt derzeit noch über drei niedergelassene Mediziner.

Mit Dr. Wolfgang Hennig und Klaus Wirth haben jedoch zwei das Rentenalter erreicht und bereits vor knapp fünf Jahren öffentlich ihren Ruhestand in naher Zukunft angekündigt.

EXTRA-INFO

Das MVZ Schwarzenborn

Im geplanten MVZ sollen zudem Büros des Pflegedienstes Schote vom Seniorenheim am Sonnenhang, die physiotherapeutische Praxis von Melanie Geist sowie Beratungsräume der VR Bank und der Kreissparkasse untergebracht werden.

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